Bieterverfahren
Verkauf von Fondstochter soll Barclays befreien

Der Bieterkampf um den weltweit führenden Anbieter von börsengehandelten Investmentfonds iShares geht auf die Zielgerade. Nach Informationen aus Finanzkreisen will der Eigentümer Barclays den Verkauf seiner Tochter innerhalb der kommenden zehn Tage abschließen und rechnet mit einem Verkaufspreis von bis zu 6,5 Mrd. Dollar.

LONDON. Barclays hatte Mitte März beschlossen, sich von dem Ableger zur trennen. Die britische Großbank benötigt das Geld, um auch weiterhin unabhängig und ohne Hilfen des britischen Staates agieren zu können. iShares gilt als Ertragsperle. Der Bereich bündelt das schnell wachsende Geschäft mit börsennotierten Indexfonds (ETFs) und verwaltet insgesamt rund 325 Mrd. Dollar.

Für die Übernahme interessieren sich vor allem Private-Equity-Investoren und die Investmentbank Goldman Sachs. Unter den Beteiligungsgesellschaften gilt die US-Firma Bain als einer der Favoriten. Daneben zählen ein Konsortium unter Führung von Hellman & Friedman und eine Gruppe um Carlyle und Apax sowie die Beteiligungsgesellschaft CVC zum Kreis der Interessenten. Auch einer der größten Anbieter passiver Investmentfonds, Vanguard, wird als Kaufkandidat für iShares genannt. Das US-Haus könnte dadurch seine Präsenz in Europa stärken. Wie viele Gebote aus diesem Kreis sich bis zum Ablauf der vorläufigen Bieterfrist Ende dieser Woche materialisieren, war gestern noch unklar.

Ein Verkaufspreis von 6,5 Mrd. Dollar würde gut zwei Prozent des verwalteten Vermögens von iShares entsprechen. Fondsexperten halten eine solche Bewertung allerdings für zu ehrgeizig. Allenfalls die Hälfte sei angemessen, sagt ein Berater. Vermögen passiver Fondsverwalter wie iShares sollten nicht so hoch bewertet werden, da diese Bestände nicht wegen der Expertise eines Fondsmanagers einer bestimmten Gesellschaft anvertraut würden und daher bei einem Verkauf des Anbieters leicht verloren gehen könnten, begründet der Berater seine Einschätzung.

Die Mehrheit der Experten erwartet, dass iShares am Ende an eine Private-Equity-Firma geht. Goldman Sachs sei als Käufer wenig wahrscheinlich, da die Bank gemeinsam mit Morgan Stanley und Merrill Lynch bereits bald eine eigene ETF-Palette auf den Markt bringen will. Böse Zungen unterstellen Goldman sogar, lediglich im Sinne von Barclays den Preis bei der Auktion nach oben zu treiben.

Ein Finanzinvestor könnte dagegen iShares nach Abklingen der Finanzkrise an eine Bank veräußern, die ihr Privatkundengeschäft über die ETF-Marke stärken wolle, sagt ein auf die Fondsbranche spezialisierter Berater.

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