Bisher größte Mezzanine-Finanzierung in Deutschland
Spezialfonds von Goldman Sachs verbucht ersten Erfolg

Mezzanine-Kapital als alternative Finanzierungsform ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Jüngstes Beispiel ist die Übernahme der Fachverlagsparte von Bertelsmann-Springer durch die Finanzinvestoren Cinven und Candover für 1,05 Mrd. €.

FRANKFURT/M. Nach Angaben aus Branchenkreisen steuerte ein Spezialfonds der US-Investmentbank Goldman Sachs in dieser Woche für die Finanzierung dieser Transaktion eine Mezzanine-Tranche über 145 Mill. € bei, die bisher größte in Europa überhaupt.

Mezzanine bezeichnet in der Sprache der Finanzarchitekten ein Zwischengeschoss und steht in der Finanzwelt für einen „Zwitter“ zwischen Eigen- und Fremdkapital. Zu den Merkmalen zählt die Nachrangigkeit gegenüber anderen Gläubigern im Falle einer Insolvenz, die Vorrangigkeit gegenüber Eigenkapital und ein zeitlich befristetes Engagement von drei bis zehn Jahren.

Goldman Sachs hatte erst Anfang der Woche das Einwerben von Kapital für den Mezzanine-Fonds der Investmentbank – GS Mezzanine Partners III – bei einem Volumen von 2,7 Mrd. $ abgeschlossen. Nach eigenen Angaben handelt es sich damit um den größten Spezialfonds dieser Art weltweit. Die beiden Vorgänger-Fonds waren mit 1,3 Mrd. und 1,2 Mrd. $ deutlich kleiner. Alexander Dibelius, einer der Geschäftsführer von Goldman Sachs in Deutschland, erklärt die Größe des Fonds mit den Erfolgen der beiden Vorläufer und den niedrigeren Renditen bei anderen Anlageformen. Mezzanine biete für Kapitalgeber und -nehmer Vorteile. „Die Investoren für Mezzanine-Fonds, darunter finden sich etwa Pensionsfonds und Vermögensverwalter, können typischerweise Renditen von rund 15 % erwarten“, sagt Dibelius. Dabei seien die Risiken geringer als bei einer reinen Eigenkapitalbeteiligung. Eine Besonderheit ist, dass 30 % der Mittel für den Fonds von Goldman-Sachs-Mitarbeitern stammen. Auch für die Kapitalnehmer zahle sich Mezzanine aus, so Dibelius. „Im Vergleich zu Hochzinsanleihen fallen bei Mezzanine beispielsweise keine laufenden Kuponzahlungen, kein Rating und auch keine Prospekterstellung an.“ Mezzanine sei in der Ausgestaltung höchst flexibel. Bei einem Gesamtbetrag von 150 Mill. € könnte zum Beispiel für eine Hälfte des Betrages vereinbart werden, dass die Zinsen erst am Ende der Laufzeit gezahlt und die restlichen 75 Mill. € mit Optionsscheinen zum Erwerb von Aktien versehen werden.

Dibelius erwartet für Deutschland einen stetigen Bedarf für Mezzanine-Kapital, da die Finanzinvestoren mit ihren Buyouts aktiv am Umbau der „Deutschland AG“ beteiligt blieben. Steffen Kastner, Executive Director und Mezzanine-Spezialist bei Goldman Sachs, betont, dass die Investmentbank auch kleinere Mezzanine-Tranchen im zweistelligen Millionenbereich bis hin zu rund 200 Mill. € stelle. Neben der Finanzierung von Akquisitionen komme Mezzanine auch zur Wachstumsfinanzierung und bei so genannten „Public to Private“-Deals zum Einsatz, bei denen sich Unternehmen von der Börse zurückziehen. „Zur Finanzierung des laufenden Geschäfts kommt Mezzanine dagegen nicht in Frage“, schränkt Kastner ein. Goldman Sachs ist seit 1996 im Geschäftsfeld Mezzanine-Fonds engagiert.

Nach einer Aufstellung von Golding Capital Partners gehören auch die Royal Bank of Scotland, die Hypo-Vereinsbank, UBS und Lehman Brothers zu den aktiven Mezzanine-Gebern, die wiederum mit reinen Mezzanine-Fonds wie ICG, Indigo und Nordic Mezzanine konkurrieren. Vor allem bei Transaktionsvolumina oberhalb von 150 Mill. € rechnet die Finanzbranche für die Mezzanine-Anbieter in Deutschland mit einem verschärften Wettbewerb in den kommenden 18 Monaten, hat die Beratungsgesellschaft KPMG in ihrer „Leveraged Finance Studie 2003“ ermittelt.

In den USA sind Mezzanine-Finanzierungen seit den 50-iger Jahren bekannt, in Europa erlebt diese Finanzierungsform seit Anfang der 90-iger Jahre einen Aufschwung. Nicht zuletzt wegen der geplanten Eigenkapitalrichtlinien für Banken – Stichwort Basel II – sind alternative Finanzierungswege immer stärker gefragt. Laut Golding stiegen die Mezzanine-Investitionen in Europa von 445 Mill. € im Jahr 1995 auf 4,46 Mrd. in 2001. Im Falle eines Buyouts entfielen in Europa bei der Finanzierung im Durchschnitt 14 % auf Mezzanine, 52 % auf Fremdfinanzierungen und 34 % auf Eigenkapital.

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