Blackrock-Managerin Rachel Lord
Herrscherin über Milliarden

Rachel Lord ist eine der wenigen Top-Managerinnen in der Finanzwelt, leitet große Teile des Indexfondsgeschäfts beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Sie glaubt an die Wachstumsstory, sieht aber auch Risiken.
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FrankfurtSie ist verantwortlich für Milliarden von Anlegergeld – doch nervös macht sie das noch lange nicht. Im Gegenteil. Beim Gespräch in Frankfurt ist Rachel Lord, Top-Managerin beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock, sehr entspannt. Am Abend zuvor hat sie, bereits in der Mainmetropole, noch ein Fußballspiel mit deutscher Beteiligung gesehen – nicht die typische Abendbeschäftigung für eine Britin in ihrer Position. Die 49-jährige steuert für Blackrock größere Teile des Geschäfts mit börsengehandelten Indexfonds, den Exchange Traded Funds, kurz ETFs.

Auch auf diesem Feld ist Blackrock weltweit der größte Anbieter, 1,1 Billionen Dollar Kapital stecken in den verschiedenen ETF-Produkten. Lord kümmert sich um das Geschäft in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten. Das sind immerhin 234 Milliarden Dollar.

Die Frau ist weit oben in der Firmenhierarchie. Auf dem Weg dorthin hatte sie Widerstände zu überwinden. Das beschreibt sie so: „Ich habe mit 21 Jahren bei einem Wirtschaftsprüfer in London angefangen. Das ist fast drei Jahrzehnte her. Damals war eine Frauenquote von 20 Prozent in einer Firma absolut ungewöhnlich. Ich suchte eine Chance bei einer Firma, die Frauen den Weg nach oben nicht verbaut. Deshalb bin ich bei Arthur Andersen eingestiegen. Heute ist die allgemeine Kultur erfreulicherweise anders.“

In Frankfurt ist Lord relativ selten. Sie steuert ihr Geschäft von London aus. Dort lebt sie auch mit Mann und zwei Kindern. Doch momentan gibt es eine starke Verbindung zu Deutschland, eine ganz private. „Im Moment bin ich mit den eigenen vier Wänden beschäftigt. Eine deutsche Firma baut für mich in England ein energieeffizientes Haus“, erzählt sie.

Das kostet schon einmal Geld. Den Rest ihres Vermögens investiert Lord in die Produkte, für die sie selbst verantwortlich ist. „Mein eigenes Geld steckt in ETFs unserer eigenen Firma“, verrät sie – allerdings nicht nur. Auch in einem Pensionsfonds und in Produkten einiger aktiver Manager, vor allem im Bereich Emerging Markets, habe sie Geld investiert. Lord vertraut also nicht nur auf Indexfonds, sondern auch noch auf Fondsmanager aus Fleisch und Blut, die „aktiv“ verwalten, also mehr Rendite erzielen wollen als eine Markt-Messlatte.

Grundsätzlich versprüht sie Optimismus für ihre eigene Branche. „Das ETF-Kapital dürfte sich unserer Meinung nach auf jeden Fall bis 2020 verdoppeln, von aktuell knapp drei Billionen Dollar auf dann etwa sechs Billionen Dollar“, sagt sie. Es wäre eine konsequente Fortsetzung der bisherigen Wachstumsstory. Das Indexfondsgeschäft ist in diesem Jahrtausend rasant gewachsen, erst mit Aktienprodukten, zunehmend kommen auch Anleihefonds dazu.

Treiber für den zunehmenden Zuspruch für ETFs sind ihre Transparenz, ihre Liquidität und ihre geringen Gebühren. Gerade in Europa sind die Fonds bei institutionellen Investoren wie Pensionskassen populär geworden. Laut Lord wird das auch so bleiben. „Für die sind ETFs zunehmend preiswerter als Terminkontrakte, die sie in der Vergangenheit häufiger einsetzten, wenn sie bestimmte Märkte abdecken wollten. Manche Pensionsfonds oder Versicherungen trennen sich sogar von ihren externen Vermögensverwaltern und nehmen das Asset-Management selbst in die Hand“, erläutert sie.

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