Blue Chips
Anbieter wenden sich dem Dax zu

Die Kursentwicklung von Nebenwerten stellt das Ergebnis des Deutschen Aktienindex seit Jahren in den Schatten. Während Aktien der 30 größten börsennotierten Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren ihren Wert knapp verdoppelten, legte der MDax um 190 Prozent zu.

HB FRANKFURT. Mit diesem Trend könnte Schluss sein. Das Börsenjahr 2006 gehört nach Einschätzung von Fondsmanagern weltweit den Standardwerten.

Der Hintergrund: Sowohl bei europäischen Blue Chips als auch bei japanischen Titeln erwarten die Investoren Kurssteigerungen, während viele kleine Unternehmen am Aktienmarkt bereits als überbewertet gelten.

„Seit 2000 haben wir einen ziemlichen Run“, sagt Uwe Zöllner, Fondsmanager bei Franklin Templeton. Ein Bewertungsvorteil gegenüber Standardwerten sei schon lange nicht mehr gegeben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist deutlich höher als bei Standardwerten. Im MDax notierte Unternehmen hatten im vergangenen Jahr ein durchschnittliches KGV von 24,96, Dax-Unternehmen eines von 15,91. Je größer diese Kennzahl, desto spekulativer ist eine Investition in ein Unternehmen.

Dies gilt umso mehr für Nebenwerte, da sie gegenüber Blue Chips als riskanter eingeschätzt werden. „Je kleiner die Aktiengesellschaft, desto schwieriger ist es, schlechte Nachrichten frühzeitig zu erkennen“, sagt Mark Precious, Co-Leiter der globalen UBS-Aktienstrategie. Hinzu kommt, dass Nebenwerte schon lange erfolgreich sind. Die Zeit für einen Rückzug aus Nebenwerten könnte Zöllner zufolge aber zu früh sein: „Hier den richtigen Absprung zu schaffen, ist noch schwieriger als den Wechsel zwischen Aktien und Renten zu timen.“ Einigkeit herrscht unter professionellen Investoren aber in Bezug auf die künftige Entwicklung der Standardwerte. Aktienstratege Precious ist zuversichtlich, dass sie weiter zulegen: „Sie sind zwar momentan nicht mehr günstig, aber wir glauben, dass sich die Rahmenbedingungen für sie im Laufe der nächsten zwölf Monaten verbessern.“

Hauptgrund für die Euphorie ist die erfolgreiche Sanierung zahlreicher Großkonzerne. Gewinneinbrüche vergangener Jahre wurden in Europa, Japan und den USA genutzt, um Personal und Kapazitäten abzubauen. Schon seit längerem spiegeln sich die für Arbeitnehmer oft schmerzhaften Einschnitte erfolgreich in den Bilanzen und schließlich auch in den Aktienkursen der Unternehmen wider. Gelungen sei das vor allem in Japan, sagt Precious. Im Land der aufgehenden Sonnen haben sich die Kreditinstitute mit Hilfe des Staates von so genannten faulen Krediten befreit. Die Deflation gilt ebenfalls als Geschichte, der private Konsum springt wieder an. „Deshalb bleiben die meisten Leute zuversichtlich für den Nikkei-Index“, erklärt Precious.

Auch in Europa sind institutionelle Anleger optimistisch. Fidelity-Fondsmanager Thomas Fraenkel-Thonet sieht Standardwerte für die nächsten Monate gut positioniert. „Beachtlich ist die Entwicklung in Osteuropa. Dort werden Standards der transparenten Unternehmensführung schnell umgesetzt.“ Auch der Shareholder Value-Gedanke – also das Ziel der Aktienkursmaximierung – gewinne erheblich an Bedeutung. Das sind gute Voraussetzungen für Aktieninvestments. Der Sparkurs vieler Konzerne habe außerdem für volle Kassen gesorgt. Jetzt boome das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, das ebenfalls die Kurse ansteigen lässt.

Eine Tendenz zur Überbewertung der Blue Chips haben die Fondsmanager jedoch in den USA ausgemacht. „Günstig sind die Aktien von Großunternehmen nicht mehr“, so Precious. Dafür seien möglicherweise auch US-Pensionsfonds verantwortlich, sagt Franklin Templeton-Manager Zöllner. Sie investieren das Geld ihrer Anleger vor allem im Heimatmarkt und treiben damit die Preise nach oben. Wegen des zusätzlichen Währungsrisikos sind Privatanleger daher momentan besser in Europa aufgehoben.

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