BNP kann bei Cortal Consors Orderbuch einsehen
Außerbörsliche Limits sind umstritten

Der Online-Broker Cortal Consors gerät wegen seiner Praxis bei außerbörslichen Orders in die Kritik. Börsen und Zertifikate-Emittenten bemängeln, dass die Bank BNP Paribas bei Limitorders auf ihre Finanzprodukte das Orderbuch einsehen kann, obwohl sie selbst die Preise festlegt.

HB DÜSSELDORF. Wertpapierexperten sprechen in dem Fall von "offensichtlichen Betrugsmöglichkeiten". Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) überlegt, ob sie ein Prüfverfahren einleiten soll.

Beim außerbörslichen Kauf und Verkauf von verbrieften BNP-Derivaten können Kunden von Cortal Consors seit Ende März Limits setzen. Diese Limits gehen direkt an die Händler von BNP Paribas, die als Kontrahent in dem Geschäft auftreten - und gleichzeitig die Preise für den Deal festlegen. Damit könnte die Bank theoretisch die Kurse der Papiere nach Orderlage beeinflussen. "Außerbörsliche Limitorders bergen die Gefahr, dass der Kunde den Eindruck gewinnen könnte, zu nicht marktgerechten Preisen abgerechnet zu werden", sagt Klaus Oppermann, Leiter der Derivateabteilung der Commerzbank. Diesen Verdacht könne kein Anbieter vollständig ausräumen, solange ihm die Limits mit der Preisanfrage übermittelt werden und er die Orderbuchlage kenne. Aus Emittentensicht warnt Opperman vor dem Risiko, "dass die Akzeptanz für den außerbörslichen Handel als Ganzes beeinträchtigt wird". Die Erweiterung des Serviceangebotes im außerbörslichen Handel würde dieses Risiko kaum aufwiegen, sagt er.

An der Börse können normalerweise nur Makler die Orderbücher einsehen. "Im außerbörslichen Handel legt der Anleger seine Limitorders und damit sein Marktkalkül gerade gegenüber seinem potenziellen Kontrahenten offen", sagt Oliver Hans, Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse in Stuttgart. Anleger sollten sich dabei möglicher negativer Folgen für die Preisstellung bewusst sein.

Bisher liegt der BaFin keine Beschwerde gegen diese Art des Handels vor. Die Behörde prüft nun intern, ob diese Geschäfte gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen. Ein offizielles Verfahren hat die BaFin aber nicht eröffnet.

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