Börse China
Zertifikate sprechen nur Bullen an

Geht die Rally in China nach der aktuellen Korrektur in eine neue Runde oder platzt die Blase, die viele Experten sehen? Für die Emittenten der Derivatebranche sollte das eigentlich keine Rolle spielen, rühmen sich die Banken doch, dass sie mit Zertifikaten für jede Marktphase das passende Anlageinstrument bieten können. Ein Problem gibt es jedoch.

FRANKFURT. Ein Blick in das umfangreiche Sortiment an China-Derivaten zeigt aber, dass die Banken auf weiter steigende Kurse deutlich besser vorbereitet sind als auf einen Rückschlag. Denn mit der großen Mehrheit der China-Produkte wetten Anleger auf steigende Kurse.

Produkte, mit denen Anleger von einer möglichen Abwärtsbewegung in China profitieren können, gibt es bisher nur am spekulativen Markt für Optionsscheine und Turbozertifikate. Hier gibt es reichlich Put-Papiere auf große Einzelwerte wie Bank of China, ICBC, China Mobile oder Petrochina, aber auch auf den Hang Seng China Enterprise Index (HSCEI), der chinesische Großkonzerne umfasst, die an der Börse in Hongkong gelistet sind. Einzelne Banken wie ABN Amro oder die Deutsche Bank haben zudem Put-Varianten auf Subindizes sowie den A-Aktienindex der Börse Schanghai im Programm.

Allerdings sind Hebelprodukte für die meisten Privatanleger aufgrund des hohen Verlustrisikos nicht geeignet. Und im Bereich der Anlagezertifikate herrscht in Sachen Baisse-Papieren bisher Fehlanzeige. Damit nicht genug: Selbst die bei den Privaten sehr beliebten Discount-, Garantie- und Bonus-Zertifikate, die einen kompletten oder begrenzten Schutz gegen Kursrückschläge bieten, gibt es nur auf den HSCEI. Einzig ABN Amro hat bisher Bonus-Zertifikate auf China Mobile und Petrochina emittiert. Eine Alternative für Anleger, die mit Sicherheitspuffer in China investieren wollen, bietet seit kurzem Merrill Lynch. Die Investmentbank hat vier Bonus-Zertifikate auf chinesische Branchen auf den Markt gebracht. Die Papiere auf den Infrastruktur-, den Telekom -, den Wasser- und den Solarsektor umfassen jeweils die Aktien von vier chinesischen Unternehmen und laufen knapp über ein Jahr. Im Dezember 2008 erhalten Anleger einen fixen Bonus zwischen 40 und 55 Prozent.

Voraussetzung ist jedoch, dass keine der Aktien im Korb während der Laufzeit um mehr als 40 Prozent fällt, was angesichts der hohen Volatilität an den chinesischen Börsen keinesfalls unrealistisch ist. In diesem Fall kann es für Anleger teuer werden, denn die Rückzahlung richtet sich bei gerissener Barriere eins zu eins nach der Kursentwicklung der schlechtesten Aktie im Korb.

Für langfristig denkende Anleger, die an die positive Zukunft des chinesischen Aktienmarktes denken, sind Index-Zertifikate womöglich die bessere Wahl, zumal die Risiken innerhalb eines Indexes zumindest ein Stück weit gestreut sind. Und bei der Wahl des richtigen Barometers gilt im Zweifel die Regel: Je größer und liquider die Werte im Index, desto geringer ist die Gefahr allzu heftiger Rückschläge.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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