Börsennotierte Indexfonds: Lehman-Pleite hilft ETFs

Börsennotierte Indexfonds
Lehman-Pleite hilft ETFs

Die Anbieter börsengehandelter Indexfonds (ETFs) profitieren von der Kreditkrise: Institutionelle Anleger suchen liquide und transparente Anlagen ohne Emittentenrisiko. Die Pleite der Investmentbank Lehman verstärkt diesen Trend. Denn Anlegern ist dadurch bewusst geworden, dass sie etwa bei Zertifikaten ihren ganzen Einsatz verlieren, wenn der Emittent ausfällt.

FRANKFURT. "Zum Lehman-Effekt kommt die Enttäuschung vieler Anleger mit ihren aktiven Verwaltern, die ihren Vergleichsindex schlagen wollen, aber oft gescheitert sind", sagt Thomas Meyer zu Drewer, Deutschland-Leiter von Lyxor Asset Management.

Die Branche verwaltet in den liquiden, transparenten und preisgünstigen Produkten europaweit rund 96 Mrd. Euro. Allein im dritten Quartal flossen diesen Fonds, die sich häufig auf Aktien- oder Anleiheindizes beziehen, laut der Datenbank Lipper 13 Mrd. Euro zu. "Die aktiven Fonds leiden unter Abflüssen, aber den ETFs fliegt das Geld nur so zu", sagt Dieter Rauch, Chef des Verbund Deutscher Honorarberater. Meyer zu Drewer erwartet im kommenden Jahr ein Wachstum des Vermögens um bis zu 30 Prozent auf 130 Mrd. Euro.

Das Wachstum ist von institutionellen Anlegern getrieben. Jetzt hoffen einige Branchenvertreter auf Privatkunden. "In den USA nutzen 60 Prozent der Privaten ETFs, in Deutschland bisher erst zehn Prozent", sagt Christian Kreuser, Leiter Private Banking bei der Quirin Bank. Die Bank schätzt das ETF-Vermögen deutscher Privatkunden auf zwei Mrd. Euro. Das soll sich laut Quirin in vier Jahren auf 45 Mrd. Euro erhöhen. "ETFs werden im Privatkundengeschäft vor allem von aktiven Fondsverwaltern oder Dachfonds als Portfoliobausteine eingesetzt", sagt Deborah Fuhr, Leiterin ETF-Research beim weltgrößten Anbieter Barclays Global Investors. Unabhängige Beobachter bestätigen den Trend.

Beim Direktabsatz an private Endkunden im Filialgeschäft und bei Vermittlern jedoch hapert es. "Der Berater wird das nicht ansprechen", sagt Meyer zu Drewer. ETFs haben keine Ausgabeaufschläge und nur geringe laufende Gebühren. Traditionell verdienen Berater und Bank jedoch am Produktverkauf, im Fall von Fonds kassieren sie den Aufschlag von durchschnittlich fünf Prozent bei Aktienfonds und Teile der laufenden Jahresgebühr von rund 1,5 Prozent. Bei ETFs fallen die Kaufgebühr und die anteilige Jahresgebühr weg, so dass der Verkaufsanreiz fehlt.

Wie sehr die Banken sich noch sträuben, belegt eine dem Handelsblatt vorliegende Studie der Beratungsgesellschaft Management Consultants für Market Strategy. "Der Kunde bekommt ETFs nur, wenn er das aktiv anspricht und dann auch darauf besteht", sagt Firmenchef Marc Ahlers auf Basis von Test-Beratungsgesprächen in Kreditinstituten. Der Kunde hat es laut den Ergebnissen nur leichter, wenn er auch noch andere Produkte kauft oder die ETFs in ein Produkt wie einem Dachfonds eingebunden sind. In beiden Fällen hat die Bank zusätzliche Verdienstmöglichkeiten. Bisher fragen laut Ahlers allerdings nur elf Prozent der Kunden aktiv nach ETFs.

Aufschwung bei den Privaten erhoffen sich Fachleute wie Jan Altmann, Leiter der Unternehmensberatung 4assetmanagement, vom Einsatz in Altersvorsorgekonzepten und "von der wachsenden Zahl der Selbstentscheider". Er setzt außerdem auf den Trend zur Honorarberatung, bei der der Anleger die Beratungsleistung bezahlt und die Bank keinen Anreiz hat, bevorzugt die Produkte mit den höchsten Provisionen zu verkaufen.

Auf diesem Feld beginnen allerdings die Grenzen zu verschwimmen. Die zur Commerzbank gehörende Vermittlerplattform Ebase gab gestern bekannt, die jüngst unter dem Markennamen Comstage lancierten Commerzbank-ETFs mit einer zusätzlichen bestandsabhängigen Gebühr von 0,476 Prozent pro Jahr für Sparpläne anzubieten. Davon werden Teile an die der Ebase angeschlossenen Vermittler und Berater fließen. Auf diese Weise haben die Berater einen Verkaufsanreiz. Aber in der Branche gibt es auch kritische Stimmen dazu. "Deshalb arbeiten wir nicht mit Comstage", sagt Rauch.

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