Börsentalfahrt

„Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt“

Adam Fisher, Investment-Chef des Hedge-Fonds Commonwealth Opportunity Capital, prophezeit im Handelsblatt-Gespräch Panik an den europäischen Finanzmärkten. Nun sei die Politik gefragt.
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Adam Fisher, Investment-Chef des Hedge-Fonds Commonwealth Opportunity Capital (CWOC) Quelle: Ann Johansson / Agentur Focus für Handelsblatt

Adam Fisher, Investment-Chef des Hedge-Fonds Commonwealth Opportunity Capital (CWOC)

(Foto: Ann Johansson / Agentur Focus für Handelsblatt)

Herr Fisher, vor gut einem Jahr gehörte Ihr Hedge-Fonds zu jenen, die auf einen fallenden Euro gewettet haben. Wo stehen wir jetzt?

Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt. Die Krise in Griechenland hat auf andere Länder übergegriffen. Die Frage ist, ob die Politik die Ansteckung eindämmen kann. Die Situation ist gefährlich geworden.

Woran machen Sie das fest?

Ich habe mir die Renditen der italienischen und spanischen Staatsanleihen angesehen. Sie sind jetzt schon viel zu hoch. Es ist wie an jenem Freitag im März 2008, bevor die US-Investmentbank Bear Stearns gerettet werden musste. Die Aktie fiel von 60 auf 30 Dollar, und mir war klar: Bear Stearns ist bankrott.

Wieso?

Sobald Marktpreise sich stark genug bewegen, gibt es keine Investoren mehr. Die wollen alle verkaufen. Wer bleibt, sind Spekulanten. Bei den Staatsanleihen ist es umgekehrt als bei Aktien: Sobald die Renditen stark genug steigen, will keiner mehr die Papiere haben. Höchstens Spekulanten und ein paar spanische oder italienische Banken, die aus regulatorischen Gründen kaufen müssen, bleiben im Markt. Sobald dieses psychologische Verhalten auftritt, weiß man: Es ist vorbei.

Was muss die Politik tun, um die Märkte zu beruhigen?

Die Märkte werden nichts Geringeres mehr akzeptieren als etwas, was ich die „Panzerfaust-Lösung“ nenne. Sie wollen eine ganzheitliche Lösung sehen.

Wie könnte so etwas aussehen?

Im Moment wollen die Märkte eine der drei Optionen. Erstens: eine vollständige fiskalische Einheit Europas, etwa durch Euro-Bonds, zumindest für alle Mitglieder der EU außer Irland, Griechenland und Portugal. Aber wir glauben nicht, dass das passieren wird. Zweitens: eine massive Intervention der Europäischen Zentralbank. Das könnte passieren, auch wenn die EZB diese Option hasst. Drittens: eine deutliche Vergrößerung der European Financial Stability Facility.

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53 Kommentare zu "Börsentalfahrt: „Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt“"

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  • In einer alternden Gesellschaft, in der sich nicht jeder auf den Staat verläßt, sondern fürs Alter vorsorgt, muß relativ das Kapitalvermögen zunehmen, wenn der Anteil der Rentner immer stärker zunimmt.

  • Man wie verbohrt muss man sein, um nicht zu schnallen, dass es hier um Fakten und nicht um Neid geht? Schauen Sie sich an wie sich die Einkommensverteilung in den letzten Jahrzehnten von realer Arbeit hin zu Kapitaleinkünften verschoben hat!

    Natürlich ist Kapitalkonzentration in Form von Sparen und Bankentätigkeit Arbeit und verdient eine Prämie. Aber die aktuellen Umverteilungen stehen eben in keinem Verhältnis mehr zu dieser Arbeit und sind in der Höhe ein reiner leistungsloser "Machttribut" an den Geldadel in einem geldfeudalistischen System. Mit Ihrer Illusion, das wäre eine reine Neiddebatte vertuschen Sie diesen "Machttribut", was dazu führen wird, dass der kleine ehrliche Sparer die Zeche zahlen wird!

  • Gut, dass dieser Investmentbanker erkannt hat, dass jetzt die Politik gefragt ist. Die "Politik", die vorsichtig gerechnet - jahrzehntelang - von Investmentbankern und -banken gekauft worden ist, um eine nur auf Spekulation beruhende Weltwirtschaft zu verwirklichen (Hedge Fonds, Derivate etc.) .

    Fein, fein - Nach dem kommenden "Bloody Monday" werden wir von Investmentbankerseite interessante Meinungen über "Ethische Investments", "Real Value Development", "True Credit Debts" und andere (zertifizierte) Werkzeuge zum unbedingt seriösen Wirtschaften hören.

    Schon Marx u Engels erklärten, dass der Kapitalist nur in der Krise sein Bedürfnis nach Ethik auspackt.

    Glaubt ihnen nichts - Wer aus den Bank- oder Staats-Meldungen das direkte Gegenteil herausliest (Arbeitsfrage: "Warum müssen die das jetzt so sagen?" wird die Abläufe besser verstehen und vernünftig reagieren können.

  • Ja klar das ganze spielchen mit der angeblich schlechten wettbewerbsfähigkeit in Deutschland beginnt nun von vorn. Der ganze hirnmüll der schröderzeit wird nun ausgegraben und kommt erneut zum einsatz. wir müssen mehr arbeiten, später in rente, wir müssen "endlich eine lohnspreizung zulassen", ansonsten geht die Produktion aus deutschland. Wetten ? Dieser ganze Krempel wird ab morgen wieder täglich auf uns einwirken. und natürlich: neue rettungspakete für die Investmentbankster. das alles wird nun wieder solange wiederholt werden, bis eine entmündigte Mehrheit ja sagt. Schöne aussichten !

  • mal ehrlich, was sollen denn Eurobonds bringen?? Wäre nur ein Zeitgewinn von wenigen Monaten. Schulden bleiben Schulden.

    Und ich wette, die Amis und andere möchtegern elitäre Gruppen, bereiten eine Art neue Währung vor.

    Schon bei der illegalen Gründung der FED 1913, wurde in den Jahren davor künstlich Unruhe auf den Finanzmärkten mit Hilfe der späteren Eigner der FED (den Rothschilds, Morgans, Goldmans) gestiftet, um die allgemeine dumme Bevölkerung den Wunsch einer neuen Zentralbank einzutrichtern!!

    Genauso wird es wieder kommen. Diese Krise wird medial für die ganzen Bildzeitungsleser so hochgezogen, dass sie sich lieber wieder nach Brot uns Spielen sehnen und alles mit sich machen lassen.

  • wir können zurück aus griechenland. Man muß es nur wollen, dann geht es. Die situation ist nun folgende: Die weltwirtschaft bricht ein, der westen gerät in schnellem Tempo in die rezession, die renditen - eben noch prahlerisch hochgejubelt- sacken in schnellem tempo ab. nun sagt er: Der Staat und die notenbank sollen sofort "handeln". Was dieses "handeln" bedeuten soll, kann man sich denken: die notenpresse soll angeworfen werden und das frisch gedruckte geld soll an die Banken und Versicherungen verteilt werden zur großen anlegersause vor der Hyperinflation. In der Hyperinflation profitiert natürlich auch das Kapital, siehe stinnes. aber nachdem nun sogar schon in israel gegen die uneingeschränkte herrschaft der spekulanten und der renditeschinder massenhaft protestiert wird, haben sie sich diesmal vielleicht verrechnet. Schaun mer mal.

  • und bitte nicht die Presse vergessen...
    sind denn deren Kommentare nicht oft unsachlich und tragen zur falschen Meinungsbildung dar ?

  • Neid und Neid beherrscht diese Diskusion.... So ein Quatsch. Zur Zeit kann keiner die Börse noch einschätzen, der Grund ist: da viel zu viel Geld in die Börsen gepumpt wurde durch das QE, den Politikern und NotenBankChefs... So einfach,- alles is möglich, - nur irgendwann (wahrscheinlich nächstes Jahr) wird alles wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Schulden mit noch mehr Schulden zu bekämpfen wird niemals funktionieren, stattdessen wurde die Schuldenkrise nur verschleppt und dann noch mehr aufgeblasen. Das wird ganz übel enden.

  • Wenn man sich mal überlegt, dass die vom Volk gewählten Politiker höchstens zweitklassige Abschlüsse haben und nicht aufgrund ihrer Leistung sondern wegen irgendwelcher Parolen im Wahlkampf gewählt werden... und diese Leute sollen jetzt die Welt retten?

  • Volle Zustimmung! Zudem werden die Reichen dann Deutschland den Rücken kehren und in ein Steuerparadies mit vielleicht auch besserem Klima und weniger Neiddebatten auswandern. Zumdem sind Abgabenlasten größer als 50% gemäß dem Laffer-Theorem volkswirtschaftlich gesehen kontraproduktiv.

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