Börsentalfahrt: „Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt“

Börsentalfahrt
„Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt“

Adam Fisher, Investment-Chef des Hedge-Fonds Commonwealth Opportunity Capital, prophezeit im Handelsblatt-Gespräch Panik an den europäischen Finanzmärkten. Nun sei die Politik gefragt.
  • 53

Herr Fisher, vor gut einem Jahr gehörte Ihr Hedge-Fonds zu jenen, die auf einen fallenden Euro gewettet haben. Wo stehen wir jetzt?

Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt. Die Krise in Griechenland hat auf andere Länder übergegriffen. Die Frage ist, ob die Politik die Ansteckung eindämmen kann. Die Situation ist gefährlich geworden.

Woran machen Sie das fest?

Ich habe mir die Renditen der italienischen und spanischen Staatsanleihen angesehen. Sie sind jetzt schon viel zu hoch. Es ist wie an jenem Freitag im März 2008, bevor die US-Investmentbank Bear Stearns gerettet werden musste. Die Aktie fiel von 60 auf 30 Dollar, und mir war klar: Bear Stearns ist bankrott.

Wieso?

Sobald Marktpreise sich stark genug bewegen, gibt es keine Investoren mehr. Die wollen alle verkaufen. Wer bleibt, sind Spekulanten. Bei den Staatsanleihen ist es umgekehrt als bei Aktien: Sobald die Renditen stark genug steigen, will keiner mehr die Papiere haben. Höchstens Spekulanten und ein paar spanische oder italienische Banken, die aus regulatorischen Gründen kaufen müssen, bleiben im Markt. Sobald dieses psychologische Verhalten auftritt, weiß man: Es ist vorbei.

Was muss die Politik tun, um die Märkte zu beruhigen?

Die Märkte werden nichts Geringeres mehr akzeptieren als etwas, was ich die „Panzerfaust-Lösung“ nenne. Sie wollen eine ganzheitliche Lösung sehen.

Wie könnte so etwas aussehen?

Im Moment wollen die Märkte eine der drei Optionen. Erstens: eine vollständige fiskalische Einheit Europas, etwa durch Euro-Bonds, zumindest für alle Mitglieder der EU außer Irland, Griechenland und Portugal. Aber wir glauben nicht, dass das passieren wird. Zweitens: eine massive Intervention der Europäischen Zentralbank. Das könnte passieren, auch wenn die EZB diese Option hasst. Drittens: eine deutliche Vergrößerung der European Financial Stability Facility.

Seite 1:

„Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt“

Seite 2:

Kommentare zu " Börsentalfahrt: „Wir sind nicht mehr weit vom Abgrund entfernt“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • In einer alternden Gesellschaft, in der sich nicht jeder auf den Staat verläßt, sondern fürs Alter vorsorgt, muß relativ das Kapitalvermögen zunehmen, wenn der Anteil der Rentner immer stärker zunimmt.

  • Man wie verbohrt muss man sein, um nicht zu schnallen, dass es hier um Fakten und nicht um Neid geht? Schauen Sie sich an wie sich die Einkommensverteilung in den letzten Jahrzehnten von realer Arbeit hin zu Kapitaleinkünften verschoben hat!

    Natürlich ist Kapitalkonzentration in Form von Sparen und Bankentätigkeit Arbeit und verdient eine Prämie. Aber die aktuellen Umverteilungen stehen eben in keinem Verhältnis mehr zu dieser Arbeit und sind in der Höhe ein reiner leistungsloser "Machttribut" an den Geldadel in einem geldfeudalistischen System. Mit Ihrer Illusion, das wäre eine reine Neiddebatte vertuschen Sie diesen "Machttribut", was dazu führen wird, dass der kleine ehrliche Sparer die Zeche zahlen wird!

  • Gut, dass dieser Investmentbanker erkannt hat, dass jetzt die Politik gefragt ist. Die "Politik", die vorsichtig gerechnet - jahrzehntelang - von Investmentbankern und -banken gekauft worden ist, um eine nur auf Spekulation beruhende Weltwirtschaft zu verwirklichen (Hedge Fonds, Derivate etc.) .

    Fein, fein - Nach dem kommenden "Bloody Monday" werden wir von Investmentbankerseite interessante Meinungen über "Ethische Investments", "Real Value Development", "True Credit Debts" und andere (zertifizierte) Werkzeuge zum unbedingt seriösen Wirtschaften hören.

    Schon Marx u Engels erklärten, dass der Kapitalist nur in der Krise sein Bedürfnis nach Ethik auspackt.

    Glaubt ihnen nichts - Wer aus den Bank- oder Staats-Meldungen das direkte Gegenteil herausliest (Arbeitsfrage: "Warum müssen die das jetzt so sagen?" wird die Abläufe besser verstehen und vernünftig reagieren können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%