Börsenweisheit
Liebe Anleger, hört auf Eure Gefühle!

Verliebt in die eigene Aktie? Das kann gefährlich werden. Doch manchmal sind Gefühle an der Börse gar nicht so schlecht, wie Experten sagen. Wann Anleger gefühlsbetont sein dürfen und wann es gilt, eiskalt zu handeln.
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DüsseldorfWer kennt das nicht? Eine Aktie schlummert seit Jahren im Depot. Vor langer Zeit notierte sie mal im Plus, warf vielleicht sogar jahrelange satte Dividenden ab – doch das ist längst Geschichte. Der Aktienkurs ist abgeschmiert, das Papier dümpelt vor sich hin und die Dividende ist auch längt zusammengestrichen worden. Hoffnung auf baldige Besserung gibt es nicht. Die Geschäfte laufen schlecht, Kurserholung oder Dividendenerhöhung sind nicht in Sicht.

Trotzdem fällt die Entscheidung schwer, sich endlich von der Aktie zu trennen. Sei es aus Sympathie, falscher Hoffnung oder mangelnder Entscheidungsfreude.

Es ist eine Krux mit den Gefühlen und der Geldanlage. Wer sich von Gier, Angst oder gar Panik leiten lässt, macht schnell Fehler. Wer sich in seine Aktien verliebt, agiert nicht mehr rational. Experten predigen fast schon gebetsmühlenartig, dass Anleger ihre Emotionen ausschalten sollten. Max Otte beispielsweise ist überzeugt: „Gefühle haben bei Investments nichts zu suchen.“ Der Buchautor und Fondsmanager ergänzt: „Man muss sie aufspüren, weil sie manchmal unter dem Mantel der Rationalität daherkommen, und besiegen.“

Ganz so streng war André Kostolany nicht. Der Altmeister der Börse sagte einst: „Beim Kauf einer Aktie sollte man gefühlsbetont sein, beim Verkauf leidenschaftslos.“ Klingt eigentlich einfach, ist es aber nicht. „Das Börsengeschehen lebt von Emotionen. Hoffnung, Angst, oder – im Extremfall – Gier haben wesentlichen Einfluss auf Anleger und Kurse“, weiß Andreas Feiden, Geschäftsführer der Fondsgesellschaft Fidelity. „Das Geheimnis erfolgreichen Investierens ist es jedoch, sich niemals in eine Aktie zu verlieben, die man besitzt.“ Denn es werde unweigerlich die Zeit kommen, an der man sie verkaufen müsse.

Ein paar Gefühle sind aber manchmal gar nicht so schädlich, um Trends aufzuspüren und die künftigen Gewinner an den Börsen zu identifizieren. Markus Zschaber ist zwar ein überzeugter Anhänger der detaillierten Analyse und Bewertung der fundamentalen Daten, doch der Vermögensverwalter muss ein gestehen, dass  „die Bereitschaft sich in die strategischen Planungen und Visionen des Unternehmens hineinzuversetzen und diese nachvollziehen zu können, einen wichtigen Stellenwert einnimmt.“

Allerdings warnt auch er vor zu viel Gefühl: „Eine Handelsentscheidung jedoch rein oder zu stark – wie in dieser Börsenweisheit – auf emotionale Ableitungen zu stützen, erachte ich als nicht zielführend.“

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Ohne klare Exit-Strategie geht es nicht

Kommentare zu " Börsenweisheit: Liebe Anleger, hört auf Eure Gefühle!"

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  • Jouh, zusätzlich noch eine Glaskugel und ein Pendel als Anlageinstrumente, die man bei Bedarf befragen kann. Das ist dann allemal genauer als die Herren Analysten das können. Lieber eine Schätzung von Spock, als eine Berechnung von Einstein :-)

  • "Ohne klare Exit-Strategie geht es nicht"

    Leichter gesagt als getan.

    Man hat eine Aktie gekauft, die von vielen Analysten positiv bewertet wird. Von einem Tag auf den anderen fällt sie um 11%. Da geht einem einiges durch den Kopf:

    - eigentlich müsste ich verkaufen, denn meine Strategie lautet: bei 10% Minus verkaufen ("Stop-Loss")

    - der Kurssturz ist übertrieben, die Aktie wird sich wieder erholen.

    - wenn ich jetzt verkaufe, was mache ich dann mit dem Geld? Kaufe ich eine andere Aktie, fällt diese vielleicht auch wieder!

    - man soll doch Aktien kaufen, wenn sie billig sind und verkaufen, wenn sie teuer sind. Soll ich statt verkaufen lieber nachkaufen?

    Wie soll man sich nun verhalten?

    Es gibt an der Börse einfach keine klaren Regeln, die immer gelten! Man muss von Fall zu Fall entscheiden. Das Risiko, eine Fehlentscheidung zu treffen, kann einem niemand abnehmen.

  • mannomann...der oberschlaue Onlineleser

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