Boomender Markt
Zertifikate erobern die Bankschalter

Die deutschen Finanzkonzerne wollen Zertifikate mit einer offensiven Vertriebs- und Marketingstrategie als Massenprodukt etablieren. Nach einer beispiellosen Boomphase in den vergangenen Jahren sollen Zertifikate, die maßgeschneiderte Anlagen ermöglichen, verstärkt an Kleininvestoren verkauft werden. Erste Erfolge sind sichtbar.

ckk/jr/pga/rad/rez FRANKFURT. Der Trend geht quer durch die Kreditwirtschaft: Neben den Banken, die das lukrative Zertifikategeschäft bereits mit intensiverem Vertrieb und besserem Service vorantreiben, haben auch einige deutsche Versicherer den Trend erkannt und bieten erste zertifikategebundene Policen an. Mittlerweile nehmen selbst Makler und Finanzberater den dynamischen Markt ins Visier.

Zertifikate sind strukturierte Finanzprodukte, die von den Banken auf Aktien, Anleihen und Indizes, aber auch auf Zinsen, Währungen oder Rohstoffe aufgelegt werden. Der Anleger partizipiert dabei an der Entwicklung eines Basiswertes, etwa einer Anleihe. 1989 brachten die Banken erstmals Zertifikate auf den Markt. Breit etabliert haben sich die Produkte in der Börsenbaisse ab 2001. Weil man mit Zertifikaten auch auf fallende und seitwärts laufende Märkte setzen kann, griffen sicherheitsorientierte Anleger in dieser Zeit verstärkt zu diesen Produkten.

Im laufenden Jahr hat das investierte Volumen nach Angaben des Branchenverbandes Derivate Forum erstmals 100 Mrd. Euro überschritten. Verglichen mit anderen Anlageformen ist das immer noch wenig. In Fonds für Privatanleger lagen Ende September rund 574 Mrd. Euro, Marktführer DWS allein übertrumpfte mit 122 Mrd. Euro die gesamte Zertifikatebranche. Doch genau hieraus schöpfen die Emittenten ihre Zuversicht: "Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht irgendwann dahin kommen sollen, wo die Fonds heute sind", sagt Stefan Armbruster, Zertifikateexperte der Deutschen Bank.

Vorbild für die deutschen Emittenten ist die Schweiz, der weltgrößte Markt für Zertifikate. "Nach unseren Schätzungen liegen dort bereits 230 bis 250 Mrd. Franken (145 bis 157 Mrd. Euro) in strukturierten Produkten", sagt Siegfried Piel, Sprecher des Deutschen Derivate Forums und Vertreter des Bankhauses Sal. Oppenheim. Anders als in Deutschland setzen die Schweizer Banken Zertifikate bereits verstärkt im Private Banking, also der Vermögensverwaltung für wohlhabende Anleger, ein.

Hier zu Lande waren Zertifikate hingegen lange Zeit vor allem ein Instrument von Anlegern, die ihre Investmententscheidungen selbst in die Hand nehmen. Nun wird die Zielgruppe erweitert. Neue Kunden erreichen die Banken jetzt fast nur noch über den Schalter, konstatieren führende Vertreter der Branche. "Die Vertriebe spielen eine immer größere Rolle für das Wachstum von Zertifikaten", sagt Piel.

Großes Absatzpotenzial sehen Fachleute noch bei Finanzvermittlern: "Die Aktivitäten der Berater sind noch stark ausbaufähig", sagte Petra Becher, Derivateexpertin der UBS. Bei den unabhängigen Vermittlern stößt sie damit grundsätzlich auf Interesse. Der Finanzdienstleister MLP schult bereits einige Berater für das Zertifikategeschäft. "Wir beobachten den Markt mit seinem starken Wachstum", sagt auch Rudolf Reil, Vorstand der BCA Bank, des größten deutschen Maklerpools. Allerdings verfügen bisher nur wenige Vermittler über die erforderliche Lizenz.

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