Branche hat Erfahrung mit drastischen Maßnahmen
Fondskrise: Schließung ist das letzte Mittel

Die Schließung eines Investmentfonds ist für Branchenexperten nur die „Ultima Ratio“ in Krisenfällen. Bei Wertpapierportfolios können schwierigste Lagen ihrer Einschätzung nach nur bei Schocksituationen eintreten. In der Geschichte der deutschen Fondsbranche war das bislang nur einmal der Fall: am 11. September 2001, dem Tag des Terroranschlages in New York, der zur Schließung vieler Börsen führte.

FRANKFURT. Die Möglichkeit zur Verweigerung der Rücknahme von Fondsanteilen bzw. zur Ausgabe neuer Anteile sieht das Investmentrecht vor (siehe „Was das Investmentgesetz erlaubt“). Dafür werden „außergewöhnliche Umstände“ verlangt. Für Immobilienfonds gilt auf Grund größerer Erschwernis bei Veräußerungen von Objekten eine Sonderregel. Danach kann die Rücknahme bis zu ein Jahr ausgesetzt werden, falls die Vertragsbedingungen des Fonds es vorsehen sogar bis zu zwei Jahren. „Generell muss uns eine Schließung von Fonds nur angezeigt werden, eine Genehmigung ist nicht erforderlich“, sagt eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

„Im Prinzip ist die Einstellung der Rücknahme von Anteilen bei Wertpapierfonds die letzte und schärfste Maßnahme beim Krisenmanagement“, sagt Dit-Sprecher Heinrich Durstewitz. Bei Wertpapierfonds habe das bislang auch keine Rolle gespielt. Diese Einschätzung wird von anderen Branchenvertretern gestützt. So argumentiert beispielsweise Thomas Kalich vom Frankfurt-Trust, bei Immobilien benötige eine Neubewertung Zeit: „Das ist bei Wertpapierfonds wegen des fortlaufenden Börsenhandels der Portfoliopapiere nicht der Fall.“

Erfahrungen mit dieser letzten denkbaren Reißleine hat die Branche nur am 11. September 2001 sammeln können. „Da lag sicher ein außergewöhnlicher Umstand vor“, sagt die BaFin-Sprecherin. Am 12. September empfahl der Investmentverband BVI seinen Mitgliedern, die Ausgabe und Rückgabe von Anteilen sämtlicher Fonds für Aktien, Unternehmensanleihen, Hochzinsbonds sowie betroffener Misch- und Dachfonds auszusetzen.

Zur Begründung hieß es, durch die Schließung der US-amerikanischen Börse und den daraus resultierenden Turbulenzen an den Kapitalmärkten sei eine „für die Anteilspreisberechnung notwendige faire Bewertung nicht zu erwarten“. Daran hielten sich die Produktanbieter inklusive aller großen Häuser, nahmen jedoch in den Folgetagen sukzessive das Fondsgeschäft wieder auf. Spätestens ab dem 19. September konnten Anleger wieder alle Fonds veräußern bzw. kaufen.

„Hysterien wie am 11. September können zu massiven Kapitalabzügen durch Anleger führen, damit den verbleibenden Investoren im Fonds schaden“, sagt ein Branchenvertreter, der nicht namentlich genannt werden möchte. Daher sei die Aussetzung der Anteilsrücknahme sinnvoll, um einen Schneeballeffekt zu verhindern. „Nach einiger Zeit kann man dann überlegt handeln.“

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