Branche im Umbruch
Hedge-Fonds suchen nach Orientierung

Mit neuen Regeln beschneiden einige Länder zunehmend die Freiheit der Marktteilnehmer. Hedge-Fonds wandern deshalb in weniger stark regulierte Länder ab - oder geben ihren Anlegern ihr Geld zurück.

FrankfurtDie Branche der Hedge-Fonds-Manager steht vor riesigen Herausforderungen. Dabei sind es weniger die starken Kursturbulenzen an den internationalen Finanzmärkten, die diesen sich selbst oft als "Superhirne der Börse" bezeichnenden modernen Investoren größere Sorgen bereiten. Denn gerade in volatilen Zeiten schlägt das Herz dieser institutionellen Investoren mit Vorliebe zu spekulativen strategischen Ansätzen höher. Dann fühlen sie sich mit ihren auf steigende und fallende Kurse ausgerichteten Anlagestrategien in ihrem Element.

Was die Hedge-Fonds-Branche besorgt, ist vielmehr die Tatsache, dass sie sich heute in einem Umfeld behaupten muss, in dem die bisher bekannte Finanzarchitektur auf fragilem Fundament steht und Teile dieser Architektur bereits zerfallen sind. Dort, wo von freien und funktionierenden Märkten längst keine Rede mehr sein kann, sondern der Staat und die Notenbanken den Markt durch Eingriffe dominieren, sind nicht nur Hedge-Fonds-Manager, sondern auch andere Kapitalanleger zu völlig anderen Denk- und Verhaltensweisen gezwungen.

Hinzu kommt, dass die Regierungen die Freiheit der Marktteilnehmer durch neue Regelwerke beschneiden wollen. In den USA sollen sie durch das neue Dodd-Frank-Regelwerk an die Kandare gelegt werden. Den Plänen zufolge erfordert die Aktivität als Hedge-Fonds in den USA künftig die Anmeldung bei und die Zulassung durch die Finanzbehörden. Große Teile des absehbaren neuen Regelwerks in den USA hätten absolut nichts zu tun mit "uns vermeintlich bösen Hedge-Fonds", sagt Robert C. Watson, Gründer der seit 1992 existierenden New Yorker Hedge-Fonds-Gesellschaft Lyster Watson, mit zynischem Unterton.

Die meisten Vorschriften würden vielmehr auf eine bessere steuerliche Transparenz zielen. "Ungeachtet dessen erfordern die neuen Regeln einen höheren administrativen Aufwand. Sie erhöhen die Kosten und gehen damit zulasten der Rendite", sagt Watson im Handelsblatt-Gespräch. Ein anderer New Yorker Hedge-Fonds-Manager hofft darauf, dass der Kongress in Washington bei seiner angekündigten Linie bleibt, den US-Aufsichtsbehörden mehr Geld für die Erarbeitung fragwürdiger Regulierungen zu verweigern.

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