Branche trifft sich in Nizza
Fondsbranche muss abspecken

Die Zahl der angebotenen Produkte wird in Zukunft deutlich kleiner ausfallen. Das könnte auch die Performance verbessern.

NIZZA. Auch die Manager in der Vermögensverwaltung müssen den Gürtel enger schnallen. Die 90er-Jahre und damit die Zeiten des leichten Geldverdienens sind vorbei. Laut Experten wird die Branche in Zukunft arbeitsteiliger vorgehen, ihre betriebsinternen Abläufe rationalisieren, die Zahl ihrer Produkte reduzieren und ihre Fonds teilweise neu ausrichten. Darin waren sich rund 1 000 Teilnehmer einer Fondskonferenz in Nizza einig.

In der "Europhorie-Zeit" wurden auf jeden Fall zu viele Produkte aufgelegt. "Wir brauchen in Europa keine 30 000 Fonds mehr, es reichen auch weniger als 10 000 - und das ist noch großzügig bemessen", sagt Thomas Schulz vom Credit Suisse Asset Management in Zürich. Der Leiter des Bereichs Unternehmensstrategie glaubt, dass durch eine drastische Reduzierung der Fondsanzahl die Produkte wieder betriebswirtschaftlich sinnvoll und kostengünstig zu managen seien. Außerdem rechnet er mit einer Steigerung der Anlageleistung, sprich Performance.

Schulz hält außerdem eine teilweise Abkehr vom Benchmark-Denken für unabdingbar. "Der Absolute-Return-Ansatz wird immer wichtiger, und das ist auch im Sinne des Anlegers." Seiner Meinung nach bringt es nichts, vielleicht 1 % weniger Verlust einzufahren als die Messlatte ("Benchmark") des Fonds. In schwierigen Börsenzeiten legten die Anleger mehr Wert auf die Vermeidung von Verlusten als auf das relativ gute Abschneiden im Verhältnis zum Index.

Auch in der Organisation der Vermögensverwalter und bei ihren betriebsinternen Abläufen gibt es großen Handlungsbedarf. "Der Trend geht zur Transparenz und zur Arbeitsteilung in der Fondsbranche", sagt Peter Engel, seit kurzem Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Diamos. Engel versteht unter Transparenz die steigenden Anforderungen an die regelmäßige Berichterstattung durch den AssetManager und verstärkte Informationswünsche über die Anlagepolitik. "Arbeitsteilung bedeutet, dass der Anleger in Zukunft keinen Rundumservice mehr aus einem Konzern erhält", sagt Engel.

In Deutschland sind das Brokerage ebenso wie die Depotbankfunktionen und das Asset-Management in einem Konzern gebündelt. Nach angelsächsischem Vorbild beginnt sich diese Wertschöpfungskette aber aufzuspalten. Dieser Trend zur so genannten Master-KAG wird den Wettbewerb verschärfen und die Auslese unter den Asset-Managern vorantreiben. Ein institutioneller Anleger, der bisher Wertpapierdepots bei vielen Kapitalanlagegesellschaften unterhalten hat, der wird diese Depots in Zukunft unter dem "Dach" einer Master-KAG, die sich auf Fondsverwaltung und Administration spezialisiert hat, bündeln. "Durch diese neue Organisationsform fällt es aus rechtlichen Gründen beispielsweise auch ausländischen Asset-Managern leichter, in den deutschen Markt für institutionelle Anlageverwaltung einzusteigen", sagt Franz Obermeyr, Managing Partner von Feri Trust.

Beim Thema Neuausrichtung von Betriebsabläufen spielen auch Softwarefragen eine entscheidende Rolle. Die Verbesserung der Kommunikation zwischen Depotbank, Brokern und Asset-Managern sei ein heißes Eisen. "Da gibt es enormen Handlungsbedarf", sagt Gerhard Jovy von der Softwaregesellschaft Comit.

Trotz der Anpassungsprobleme und der aktuellen Krise bleibt die Branche optimistisch. "Das weitere Wachstum der Anlagebranche ist programmiert", sagt Vanyo Walter, bei der Deutschland-Niederlassung der US-Fondsgesellschaft Pioneer Investments zuständig für den Vertrieb. "Die Privathaushalte sind im Vergleich zu anderen Ländern immer noch in Aktien und Fonds unterinvestiert, außerdem wird die nötige Reform der Altersvorsorge für einen Wachstumsschub sorgen", sagt Walter. Er glaubt allerdings wie viele seiner Kollegen auch, dass die andauernde Marktkonsolidierung zu einer Konzentration der verwalteten Gelder auf weniger Fondsgesellschaften führen wird.

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