Branchenkrise
Fonds-Dinosaurier überdauern Eiszeit

Es herrscht Krisenstimmung in der Fonds-Branche: Viele Fonds sollen in den kommenden Monaten geschlossen werden. Dies wäre nicht die erste Schließungswelle der Nachkriegszeit. Allerdings scheint Tradition vor dem Aus zu schützen. Einige Fonds-Dinosaurier haben bislang alle Eiszeiten überstanden.

Pünktlich zum Darwin-Jahr 2009 setzt das große Fonds-Sterben ein. Motto: Nur die Starken überleben. Im ersten Quartal verschwanden laut Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) bereits 135 Publikumsfonds vom Kurszettel. Ende Juni verkündeten die beiden großen FondsgesellschaftenDWSund Allianz Global Investors, noch2009 jeweils rund 20 Prozent ihrer Fonds zu streichen. Insgesamt rund 100 Fonds stehen aktuell sowohl bei Allianz als auch bei der DWS zur Disposition. Die DWS will ihr derzeit rund 500 Fonds umfassendes Kern-Angebot mittelfristig sogar auf etwa 200 schrumpfen lassen. Aber auch andere Anbieter ordnen ihr Sortiment neu. Unterm Strich werden Branchenschätzungen zufolge in den kommenden zwei Jahren bis zu 15 Prozent der insgesamt rund 6 000 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Publikumsfonds aufgelöst oder mit anderen Fonds verschmolzen werden.

Rund 900 Fonds in zwei Jahren, also durchschnittlich 450 pro Jahr in den kommenden 24 Monaten - das wäre neuer Rekord. Die größte Anzahl von Fondsschließungen gab es bisher 2008 (386 Fonds) und 2003 (347 Fonds).

Auf den ersten Blick scheint das aktuelle Fondssterben fast unausweichlich: In den vergangenen zwei Jahren sind die Aktienkurse rapide gefallen, viele Anleger haben aus Angst vor weiteren Verlusten ihr Geld abgezogen. Zwischen Mai 2007 und Mai 2009 sank das in Deutschland in Aktienfonds verwaltete Vermögen durch Kursverluste und Mittelabflüsse von 245 auf 154 Milliarden Euro. Doch die jüngsten Ankündigungen der Fondsgesellschaften, ihr Angebot zu verkleinern, haben nicht nur mit der Finanzkrise zu tun. "Dass Fonds geschlossen oder zusammengelegt werden, ist ein sinnvolles Vorgehen", sagt Andreas Fink vom BVI. Und Markus Temme von Union Investment bestätigt: "Wir überprüfen jedes Jahr unser Fondsangebot. Schließungen und Zusammenlegungen gibt es immer wieder." Die Gründe dafür sind unterschiedlich - nicht nur bei Union Investment. Oftmals werden Fonds fusioniert oder aufgelöst, weil das Fondsvermögen durch Verluste oder massive Anteilsverkäufe der Anleger zu klein und der Verwaltungsaufwand damit im Verhältnis zum Ertrag zu groß geworden ist. Fondsgesellschaften müssen schließlich Geld verdienen - und da die Verwaltungsgebühren abhängig vom Fondsvermögen sind, können Fonds unterhalb einer gewissen Größe unrentabel werden.

"Auch kleinere Fonds können aus Sicht der Kapitalanlagegesellschaft profitabel wirtschaften, wenn mehrere Fonds auf dasselbe Research zurückgreifen können. Denn dann sinken Aufwand und Kosten für den Fonds beträchtlich", erklärt Andreas Beys von der Sauren Fonds-Service AG. "Doch Nischenfonds, bei denen die Fondsgesellschaften keine Synergie- Effekte nutzen können, sind schon mal schneller bei zu geringem Fondsvolumen von einer Schließung bedroht", so Beys. Entschließt sich die Investmentgesellschaft zu solch einem Schritt, wird der Fonds entweder mit einem anderen Fonds fusioniert oder ersatzlos gestrichen. Ersteres wird von den Emittenten bevorzugt. Erstens aus Imagegründen, und zweitens bleibt das Geld der Anleger bei einer Fondsfusion im eigenen Portfolio erhalten.

Für Anleger kann eine Fusion von Vorteil sein. Voraussetzung: Die Kosten des neu fusionierten sind niedriger als die des aufgelösten Fonds. Darauf sollten Anleger achten. Sind die Gebühren des zur Anteilsübertragung angebotenen Fonds höher, können sie immer noch von ihrem Recht Gebrauch machen, die Übertragung abzulehnen. Steuerlich sind Fondsfusionen neutral. "Wenn Fonds mit anderen Fonds derselben Gesellschaft zusammengelegt werden, hat das für Anleger aus steuerlicher Sicht keine Folgen", sagt Andreas Fink. "Denn der neue Fonds gilt als Rechtsnachfolger, als Anlagedatum gilt der Ersterwerb der ursprünglichen Fondsanteile."

Doch eine Zusammenlegung ist nicht immer möglich. "Fusionen von Fonds mit unterschiedlichem Anlagespektrum sind laut Investmentgesetz nicht erlaubt", stellt Andreas Fink vom BVI klar. So verschwinden bei der DWS beispielsweise Fonds wie der CO2 Opportunities oder der DWS Asian Currencies mit jeweils weniger als zwei Millionen Euro Anlagevermögen ausdemAngebot. "Die Themen sind von Anlegern nicht angenommen worden", sagt Claus Gruber von der DWS. Für beide Fonds gibt es nun auch als Teil anderer Fonds keine Verwendung mehr.

In diesen und ähnlichen Fällen kommt es zur Auflösung der Fonds. Die Anleger werden ausgezahlt. Sie erleiden zwar keinen Vermögensverlust. Aus steuerlicher Sicht kann eine Auflösung aber ärgerlich werden, wenn der Fonds vor dem Jahreswechsel erworben wurde, Kursgewinne erwirtschaftet hat und noch keine zwölf Monate im Depot liegt. Die erzielten Gewinne müssen dann mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Denn die Abgeltungsteuer gilt erst für Fonds, die ab dem 1. Januar 2009 gekauft wurden.

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