Branchenprimus unter Druck
Fondsbranche fürchtet Imageschäden

Die Deutsche Bank hat mit der bisher einmaligen Schließung eines offenen Immobilienfonds für Aufruhr in der Branche und deutliche Kritik bei Anlegerschützern gesorgt.

HB FRANKFURT. Einen Tag nachdem der Branchenprimus die Rücknahme und Ausgabe von Anteilen des Fonds Grundbesitz-Invest vorerst ausgesetzt hatte, war am Mittwoch in Branchenkreisen von unmöglichem Verhalten gegenüber Anlegern, einem einmaligen Vorgang und Schaden für das Produkt Immobilienfonds die Rede.

Es gebe sowohl Prospekthaftungsansprüche sowie Schadenersatzansprüche wegen rechtswidriger Aussetzung des Rückkaufs von Fondsanteilen, erklärte die auf Anlegerrecht spezialisierten Anwaltskanzlei Tilp aus der Nähe Tübingens.

„Es ist vielen Anlegern vollkommen unverständlich, dass die Deutsche Bank augenscheinlich ihr Firmenimage weiterhin zu Gunsten drastischer Renditevorgaben opfert.“ Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf Deutschlands größtem Geldhaus vor, erneut das Image aufs Spiel zu setzen.

Mehrere Fondshäuser übten ungewöhnlich scharfe Kritik. Ein Sprecher der Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate sagte, bislang seien keine Klagen bekannt. Die Aktie des Kreditinstiuts gab zeitweise um 2,3 Prozent auf 80,90 Euro ab und führte bis zum Nachmittag die Verliererliste im Deutschen Aktienindex Dax an. „Das ist ein Imageschaden“, sagte ein Händler. „Außerdem stellt sich die Frage, ob die Deutsche Bank haften muss.“

Bafin wartet auf Begründung für Schließung

Am Dienstag hatte die DB Real Estate angekündigt, ihren noch über fünf Milliarden Euro schweren, hauptsächlich in Deutschland investierten Grundbesitz-Invest-Fonds zu schließen. Anleger - zumeist Privatkunden - können damit vorerst ihre Anteile nicht in Geld tauschen.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Immbilien neu bewertet werden. Berichten zufolge wollten Anleger daraufhin am Montag und Dienstag etwa eine halbe Milliarde Euro an Mitteln abziehen. Finanzkreisen zufolge soll aber zumindest ein Teil der Verkaufsorders nicht durchgeführt werden. Andere Häuser wie etwa die HVB oder die DekaBank hatten in ähnlichen Situationen ihre Fonds gestützt - die Deutsche Bank hat sich bislang hingegen nicht geäußert.

Die Bank habe die Wahl zwischen zwei Übeln, sagte ein Analyst. „Entweder man springt ein und gefährdet sein Renditeziel, oder aber man lässt es - und beschädigt so das Image der Bank.“

Experten von Merck Finck spekulierten, die Deutsche Bank werde auf Druck der Finanzaufsicht BaFin den Fonds stützen. Das Geldhaus könne etwa 600 Millionen Euro aufwenden, ohne dabei die angepeilte Marke von 25 Prozent Vorsteuerrendite zu unterschreiten. Die BaFin bekräftigte, man habe die Bank nicht zur Schließung des Fonds gedrängt: „Das war nicht mit uns abgestimmt.“ Nun warte die Finanzaufsicht auf eine Begründung.

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