Branchentreff in Montreux
Hedge-Fonds brechen ein

Die Finanzmarkt-Turbulenzen haben der Hedge-Fonds-Branche im August den stärksten Verlust seit dem Platzen der New-Economy-Blase im November 2000 beschert. Dabei kam beinahe keine der bekannten Strategien ungeschoren davon. Auch große Namen bleiben nicht verschont.

MONTREUX. Die Citigroup meldete am Mittwoch die Schließung eines Hedge-Fonds. An den Märkten geht jetzt die Furcht um, dass diese negative Performance in den nächsten Wochen eine Abwärtsspirale auslösen wird – und es in diesem Jahr zu einem „Hedge-Fonds-Sterben“ kommen wird. Nach Angaben der Experten von Hedge Fund Research (HFR) in Chicago haben diese modernen Finanzinvestoren im August im Durchschnitt 3,2 Prozent verloren.

Zum Vergleich: Im November 2000 hatten Hedge-Fonds weltweit durchschnittlich 3,5 Prozent verloren. Auffallend an den aktuellen HFR-Zahlen ist, dass beinahe alle bekannten Hedge-Fonds-Strategien im August in der Verlustzone landeten. Starke Einbußen erlitten zuletzt vor allem jene Fonds, die sich bei ihrer Strategie quantitativer statistischer Methoden bedienen. Diese auf historischen Zahlen beruhenden Modelle erweisen sich in stabilen Märkten als wertvoll, sie versagen indes gerade in turbulenten Börsenphasen, wie sich nicht nur im Jahr 2000 zeigte, sondern auch im laufenden Zyklus wieder eindrucksvoll deutlich wird. Einige dieser sogenannten Quant-Fonds erlitten zuletzt Wertverluste von über 30 Prozent. Experten auf dem 28. Bürgenstock-Derivatemeeting im schweizerischen Montreux gehen davon aus, dass einigen dieser Fonds in den nächsten Wochen das Aus droht.

Die jüngsten HFR-Zahlen haben darüber hinaus die Befürchtung genährt, dass es in diesem Jahr zu einem „Hedge-Fonds-Sterben“ kommen wird. Nachdem im Jahr 2005 rund 850 Hedge-Fonds die Segel streichen mussten, gaben im vergangenen Jahr 717 dieser Investmentvehikel auf. Im laufenden Jahr, so die von Experten geäußerten Erwartungen, dürfte die Quote der nicht überlebenden Hedge-Fonds bei über zehn Prozent liegen. Konkret bedeutet das: Von den weltweit mehr als 10 000 Hedge-Fonds werden mehr als 1 000 bis Ende des Jahres zur Aufgabe gezwungen sein.

Auch prominente Namen sind davor nicht gefeit: Nachdem bereits vor wenigen Wochen Goldman Sachs einen Hedge-Fonds mit einer Milliardensumme stützen musste, hat jetzt die Citigroup ihren Hedge-Fonds Tribeca Global Investments geschlossen. Die mageren Renditen entsprachen offenbar nicht den Erwartungen der US-Großbank. Tribeca hat in den ersten acht Monaten dieses Jahres 1,2 Prozent an Wert verloren. Der Fonds verwaltet ein Vermögen von rund zwei Mrd. Dollar, drei Viertel davon sind Eigenmittel der Citigroup. Die restlichen 500 Mill. Dollar sollen an außenstehende Investoren zurückgegeben werden. Etwa 50 Mitarbeiter verlieren durch die Schließung ihren Arbeitsplatz.

Es ist die erste Maßnahme von Vikram Pandit, dem neuen Chef der Sparte Alternative Investments bei der Citigroup. Die Großbank hatte im April Pandit’s Hedge-Fonds Old Lane für angeblich 800 Mill. Dollar übernommen und den früheren Starbanker von Morgan Stanley zum Vordenker ihrer alternativen Anlagestrategien gemacht. „Wir glauben, dass wir unseren Kunden mit einem einzigen Multi-Strategie-Fonds besser dienen können“, sagte John Havens, der zusammen mit Pandit zur Citigroup gewechselt war. Diese Funktion soll jetzt Old Lane mit einem verwalteten Vermögen von 4,25 Mrd. Dollar übernehmen.

Seite 1:

Hedge-Fonds brechen ein

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%