Ray Dalio

Mit dem CEO von Bridgewater wettet kein Unbekannter gegen den Dax.

(Foto: Reuters)

Bridgewater gegen den Dax Weltgrößter Hedgefonds wettet auf weiteren Dax-Crash

Fünf Milliarden Euro hat Bridgewater in fallende Dax-Kurse investiert. Doch anstatt Gewinne einzustreichen, legt der Hedgefonds noch einmal deutlich nach.
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Es schien leicht verdientes Geld am Aktienmarkt zu sein: Vom 26. Januar bis zum 2. Februar diesen Jahres hatte der weltweit größte Hedgefonds Bridgewater massiv auf Kursverluste bei deutschen Aktien gewettet – insgesamt im Wert von mehr als fünf Milliarden Euro.

Und die Rechnung ging auf: Das deutsche Börsenbarometer fiel am Dienstag dieser Woche auf 12.232 Punkte, vorbörslich notierte der Index sogar unter der Marke von 12.200 Zählern. Hatte Bridgewater mit seiner Wette die Kursverluste (mit-)ausgelöst?

Die Frage ist nicht ganz eindeutig zu beantworten. Klar ist aber: Anstatt am vergangenen Montag die ersten Gewinne einzustreichen, wie viele Börsenexperten erwartet hatten, stockte der Hedgefonds seine Wette auf fallende Dax-Kurse auf – und zwar deutlich. Mittlerweile beträgt die Summe 6,3 Milliarden Euro. Offenbar rechnen die Amerikaner damit, dass der Crash am Aktienmarkt noch nicht vorbei ist.

Dabei legt Ray Dalio, Gründer, CEO und Chef-Anlagestratege des Hedgefonds ein bekanntes Verhalten an den Tag: Eine positive Einschätzung zu den Märkten abgeben und gleichzeitig auf fallende Kurse wetten. Am 23. Januar sagte er dem US-Fernsehsender CNBC während des Weltwirtschaftsforums in Davos, dass Cash zu halten ein großer Fehler wäre und die US-Märkte in einer wunderschönen „Goldilocks“-Periode seien.

Die Goldlöckchen-Metapher wird von Marktbeobachtern wie Fondsmanagern gerne benutzt, um einen Markt zu beschreiben, der einfach perfekt aussieht: Eine starke, noch nicht heiß gelaufene Konjunktur, dazu niedrige Zinsen und eine niedrige Inflation.

Anschließend fing Bridgewater Ende Januar an, fünf Milliarden Euro auf fallende Dax-Kurse setzen. Und am vergangenen Montag – an der Wall Street sprachen manche angesichts des größten absoluten Tagesverlustes von mehr als 1100 Dow-Jones-Punkten von einem „schwarzen Montag“ – meldete sich Dalio erneut zu Wort. Diese großen Kursrückgänge seien nur kleinere Korrekturen, meinte er in einem LinkedIn-Eintrag. Schließlich gebe es noch genügend Geld, das investiert werden müsse. Und vergrößerte gleichzeitig die Short-Spekulation um 1,3 Milliarden Euro.

Für diese Wette ist der Fonds bei 13 Dax-Aktien sogenannte Leerverkaufspositionen eingegangen. Bei Leerverkäufen leihen sich die Investoren Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Diese Papiere verkaufen sie danach und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben.

Diese Aktien trotzen dem Kurssturz an den Börsen

DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005552004
Börse
L&S

+0,02 +0,05%
+37,25€
Chart von DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Post – Dax
1 von 5

An der Dax-Spitze notierte am Dienstag die Deutsche Post mit einem zeitweisen Plus von 0,7 Prozent. Nach Kursverlusten zu Handelsbeginn gelang den Aktien rasch eine Wiedereroberung der 200-Tage-Linie, bei etwa 36,20 Euro. Die Linie gilt als wichtiger Maßstab für einen längerfristigen Kurstrend. Womöglich hofften Anleger auch auf einen positiven Abschluss der laufenden Tarifverhandlungen, hieß es aus Händlerkreisen.

STEINHOFF INTERNATL HLDGS N.V. AANDELEN OP NAAM EO -,50

WKN
ISIN
NL0011375019
Börse
L&S

+0,01 +2,12%
+0,38€
Chart von STEINHOFF INTERNATL HLDGS N.V. AANDELEN OP NAAM EO -,50
Steinhoff – MDax
2 von 5

Die Scheine der Steinhoff International Holdings verzeichneten ein zeitweises Plus von knapp 2 Prozent und führten damit den MDax an. Der Möbelhändler, der derzeit in einen Bilanzskandal verwickelt ist, profitiert vor allem von der Überschreitung wichtiger charttechnischer Marken um 0,40 Euro.

INTESA SANPAOLO S.P.A. AZIONI NOM. EO 0,52

WKN
ISIN
IT0000072618
Börse
L&S

+0,02 +0,51%
+3,12€
Chart von INTESA SANPAOLO S.P.A. AZIONI NOM. EO 0,52
Intesa Sanpaolo – EuroStoxx
3 von 5

Die Anteilsscheine des im paneuropäischen EuroStoxx gelisteten Kreditinstituts Intesa Sanpaolo gewannen zeitweise 1,2 Prozent. Die Bank profitiert von Sondererträgen im vierten Quartal 2017.

TRIPADVISOR INC. REGISTERED SHARES DL -,001

WKN
ISIN
US8969452015
Börse
L&S

+0,67 +1,95%
+34,81€
Chart von TRIPADVISOR INC. REGISTERED SHARES DL -,001
Tripadvisor – S&P 500
4 von 5

In der zweiten Reihe der New Yorker Börse trotzte am Montag die Touristikwebsite Tripadvisor der schlechten Börsenstimmung. Die Aktien des Unternehmens notierten bei Handelsschluss mit 3,7 Prozent deutlich im Plus – und damit an der Spitze des S&P 500. In jüngster Zeit hatte Tripadvisor die verstärkte Konkurrenz durch AirBnB zu schaffen gemacht. Vom plötzlichen Kursanstieg zeigten sich auch Analysten überrascht.

CHURCH & DWIGHT CO. INC. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US1713401024
Börse
L&S

+1,43 +3,68%
+39,97€
Chart von CHURCH & DWIGHT CO. INC. REGISTERED SHARES DL 1
Church & Dwight – S&P 500
5 von 5

Church & Dwight ist einer der führenden Produzenten von Haushaltsgütern in den USA. Am Montag ging das Unternehmen mit einem Plus von 2,4 Prozent aus dem Handel. Der Grund: Ein Gewinn von 405,6 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2017, mehr als Analysten erwartet hatten.

Fällt der Kurs tatsächlich, behält der Investor die Differenz aus Verkaufs- und Kaufwert als Gewinn, abzüglich einer Leihgebühr. Steigen die Aktien hingegen, macht der Spekulant Verluste. Er muss sie teurer zurückkaufen als er sie abgegeben hat. Theoretisch sind so extreme Verluste möglich, wenn das Papier immer weiter raufklettert. Bridgewater war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Wie groß diese Positionen sind, zeigt eine Übersicht der entsprechenden Handelsblatt-Datenbank. Die Onlineanwendung zeigt alle Leerverkäufe von Investoren („Positionsinhaber“), die mehr als 0,5 Prozent der ausstehenden Aktien eines Unternehmens („Aktiengesellschaft“) ausmachen und im „Bundesanzeiger“ veröffentlicht werden. Dieser dient den deutschen Behörden neben dem Bundesgesetzblatt als Veröffentlichungsorgan für wichtige Bekanntmachungen.

Die Frage nach dem Wann
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10 Kommentare zu "Bridgewater gegen den Dax: Weltgrößter Hedgefonds wettet auf weiteren Dax-Crash"

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  • Ich bin der Meinung, dass solche Vorgehensweisen schlicht und ergreifend verboten gehören. Man sollte nur das verkaufen können, was man nachweislich besitzt.
    Solange das erlaubt ist, findet nur durch riesige (Hedge-) Fonds eine gewaltige Marktmanipulation statt, die vorrangig kleine und mittlere Investoren trifft. Ich kann den Sinn solcher Vorgehensweisen aus volkswirtschaftlicher Sicht überhaupt nicht erkennen. Damit wird nur die Raffgier einiger weniger bedient.

  • Von mir aus können die soviel wetten wie sie wollen. Gut geführte Unternehmen, die echte Werte für alle schaffen, werden immer gebraucht und schon deshalb nicht untergehen.

    Und auf den Rest kann man auch verzichten.

  • @Herr John Harris
    Der short-squeeze wird kommen, Bridgewater wird kaufen müssen, und sowohl Daimler (super KGV und Dividendenrendite, Chinesen steigen ein) als auch Deutsche Bank (US Zinsen steigen, DB ist der größte Anleihenhändler, macht operativ aktuell Gewinn - Steuereffekt war einmalig) wie die meisten der DAX Aktien sind SOLIDE und GÜNSTIG im Vergleich zu europäischen und richtig billig im Vergleich zu amerikanischen Aktien.
    Ich könnte mir nur vorstellen, dass Bridgewater darauf spekuliert, dass wir keine Regierung zustande bekommen und Neuwahlen und so - da hat er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wenn wir in Deutschland keine Regierung haben, geht es WEITER SO und wenn Merkel bleibt AUCH.

    @Herr Peter Spiegel
    Ja die Renditen sind mein Ernst 2,1% Deutsche Bank bis 5% Daimler sind DEUTLICH MEHR ALS BEI ANLEIHEN. Bei steigenden Zinsen sinkt zudem der Kurs der Anleihen.
    Dass es auf anderen Märkten höhere Renditen mit Kurssteigerungen gibt mit hohen Risiken, mag schon sein, doch mein kleines deutschen konservatives und christliches Herz schlägt nun mal fürs INVESTIEREN und eben NICHT SPEKULIEREN!
    Schönstes Beispiel sind BITCOIN oder TESLA - hoch riskant!
    Persönlich schätze ich Kostolany und Warren Buffet.

  • @Herr K H
    Sehe ich auch so; Bridgewater kommt nur deshalb damit raus, weil sie schon dabei sind wieder zu kaufen. Es wird ja so getan, als hätte es noch nie einen short-squeeze gegeben.

    Bridgewater nutzt die Pflicht zur Veröffentlichung, um Unsicherheit bei den Zittrigen zu erzeugen. So können sie locker günstig die verliehenen Aktien auch in großen Mengen am Markt wieder aufkaufen.

  • Herr K H sind diese kümmerlichen Renditen Ihr Ernst, da kann man doch nur verhungern oder besser im Ausland investieren, besser gesagt man wettet gegen die Dax-Kurse.
    Die Welt ist kein Sozialamt oder Zoo für den Dax.

    Volkswagen VZ 6,4 2,74 %
    Lufthansa 6,4 2,67 %
    Daimler 7,6 5,04 %
    BMW 8,1 4,21 %
    RWE 10,7 3,53 %
    Deutsche Bank 11,0 2,17 %
    Münchener Rück 11,4 4,80 %
    Allianz 11,4 4,34 %

  • @Herr John Harris und der lieben Frau Edelgard Kah - da möchte ich doch meine Meinung doch auch anbringen:

    DA MACHT SICH BRIDGEWATER VIELE, VIELE DEUTSCHE FREUNDE!!!

    Wer glaubt die Spekulation auf sinkende Kurs geht auf, beachtet nicht, dass der DAX fundamental günstig ist, mit niedrigen KGV und hohen Dividenden.
    Die Investoren machen ein Schnäppchen, die Spekulanten müssen Glück haben, wenn das funktioniert.
    Name KGVe DIVe
    Volkswagen VZ 6,4 2,74 %
    Lufthansa 6,4 2,67 %
    Daimler 7,6 5,04 %
    BMW 8,1 4,21 %
    RWE 10,7 3,53 %
    Deutsche Bank 11,0 2,17 %
    Münchener Rück 11,4 4,80 %
    Allianz 11,4 4,34 %

  • An Herrn Bitschnau 16:24: Der Unterschied -
    Hedgefondsvermögen ist privates Geld - aber herr schäuble
    machte das Gegenteil und gab EURO 90.000.000.000,-- DEUTSCHE Steuergelder
    an GR - das Geld sehen die deutschenSteuerzahler nie wieder - wetten?

  • "... und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt."
    Schön, wenn es die großen Hände mit viel Taram mal wieder schaffen, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung zu generieren.

    Ich denke, daß in dem Moment, in dem diese short Strategie durch die Presse geht, der Initiator der selben schon wieder kauft. An alle Zittrigen: Jetzt biite schön die Papiere preiswert an Bridgewater verkaufen.

  • Sehr geehrte Herren Redakteure,

    Sie präsentieren in Ihrem Artikel einen Leerverkäufer, der bei 13 von 20 Spekulationen sich eine blutige Nase geholt hat. Das bedeutet eine Mißerfolgsquote von 65 %.

    Bleibt die Frage, was man aus Ihrem Artikel vielleicht lernen kann. Sollen Ihre Leser dem Beispiel von Bridgewater folgen? Immer wieder auf fallende Kurse spekulieren und in zwei Drittel aller Fälle Verluste einfahren? Ist es das, was Sie empfehlen?

  • Herrn Schäuble haben solche Strategien nie gefallen.

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