Bulle & Bär
Immobilienfonds zwischen Pest und Cholera

Über die Zukunft des seit zwei Jahren eingefrorenen SEB Immoinvest sollen Anleger mitentscheiden dürfen. Doch die Wahl ist eine Qual. Die Anleger gehen immer ein Risiko ein, egal ob sie aussteigen oder bleiben.
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DüsseldorfBarbara Knoflach, Herrin über den SEB Immoinvest, lässt die Anleger über die Zukunft des seit zwei Jahren eingefrorenen offenen Immobilienfonds entscheiden. Innovativ - denn das hat es noch nie gegeben. Wer seine Anteile zurückgeben möchte, muss dies seiner Bank bis Freitagmittag mitteilen, damit diese den Rückgabewunsch bis zum Montag, 7. Mai, 13:00 Uhr, an die Depotbank des SEB-Fonds weiterleiten kann. Hat der Immoinvest dann genug in der Kasse, um alle Anleger auszuzahlen, überlebt der 6,3 Milliarden Euro schwere Fonds mit neuen Regeln.

Diese neuen Regeln sehen laut SEB als nächsten Rückgabetermin für maximal 90000 Euro den 31. März 2013 vor. So vertritt die SEB inzwischen wie die Finanzaufsicht Bafin die Ansicht, dass je Kalenderhalbjahr 30000 Euro zur Rückgabe angemeldet werden können. Vielleicht kommt es darauf aber auch nicht mehr an. Wenn die liquiden Mittel nicht ausreichen, um alle Rückgabewünsche zu bedienen, wird der Fonds aufgelöst. Ob die 1,9 Milliarden Euro in der Kasse jedoch genügen, ist nicht abzusehen.

Clever ist die Aktion, weil sich gelebte Anlegerdemokratie in der Öffentlichkeit wunderbar verkaufen lässt. Doch SEB-Chefin Knoflach wälzt die eigene Verantwortung so nur auf die Kleinanleger ab. Die haben nun die Wahl zwischen Pest und Cholera. Steigt der Anleger aus, erhöht er die Gefahr, dass die 30 Prozent liquide Mittel nicht reichen, die Anleger auszuzahlen - der Fonds wird aufgelöst. Steigt er nicht aus, könnte er schlechter dastehen als die Anleger, die ihre Anteile jetzt abgeben.

Warum sollen die Anleger Anteile an einem Fonds behalten, dessen Management es zwei Jahre lang nicht geschafft hat, über Immobilienverkäufe genug Geld für Anteilsrückgaben einzusammeln? Dass die Liquiditätsquote schnell von 21 auf 30 Prozent sprang, lag vor allem an zusätzlichen Beleihungen von Fondsgebäuden am Potsdamer Platz in Berlin. Dem Management ist es nicht gelungen, eines der 19 Gebäude am Potsdamer Platz zum geforderten Preis zu verkaufen. Jetzt büßt der Anleger für die Abschreibungen mit Anteilswertverlusten.

Das Risiko für den Anleger ist hoch, wenn er mit seinem Verzicht auf die Anteilsrückgabe die Schließung des Fonds nicht verhindern kann. Denn Großanleger werden in jedem Fall Kasse machen, auch all diejenigen, die Fondsanteile billiger an der Börse gekauft haben. Wird der Fonds abgewickelt, drohen dem verbliebenen Anleger prozentual zweistellige Verluste, weil Gebäude unter Druck und unter Wert verkauft werden müssen.

Kommentare zu " Bulle & Bär: Immobilienfonds zwischen Pest und Cholera"

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  • Den Ausgabeaufschlag zahlt nur, wer über den netten Bankberater von nebenan kauft. Daß man die Anteile - auch vor der Rücknamesperre - viel günstiger an der Börse kaufen kann, wird wissentlich verschwiegen. Es soll auch Anlageberater geben, die den Ausgabeaufschlag selbst einstecken und vom Kunden unbemerkt über die Börse kaufen.

  • Guten Tag Herr Reichel,
    zum einen möchte ich meinem Vorredner zustimmen. Bitte vor Verfassen des Artikels erst einmal die Bestimmungen der Blitzöffnung studieren. Diese besagen, dass der Fonds nur dann öffnet, wenn die Barmittel für die Rückgaben am 07. Mai ausreichen werden. Falls dies nicht der Fall sein sollte, wird der Fonds nicht öffnen und auch die für Montag eingereichten Rückgaben werden NICHT akzeptiert. Das bedeutete es gingen ALLE Anleger in die Abwicklung.
    Zum anderen kann ich ein „Abwälzen“ von Verantwortung nicht erkennen, ich betrachte die indirekte „Befragung“ der Anleger sogar als das bestmögliche Vorgehen.
    Was wäre denn, wenn das Management der SEB den Fonds ohne Einbindung der Anleger abwickeln würde und im Anschluss würde deutlich, dass die Mehrzahl der Investoren das gar nicht gewünscht hat?
    Vielleicht können Sie zu der Überlegung einen gut recherchierten Artikel verfassen …

  • Guten Tag Herr Reichel,
    zum einen möchte ich meinem Vorredner zustimmen. Bitte vor Verfassen des Artikels erst einmal die Bestimmungen der Blitzöffnung studieren. Diese besagen, dass der Fonds nur dann öffnet, wenn die Barmittel für die Rückgaben am 07. Mai ausreichen werden. Falls dies nicht der Fall sein sollte, wird der Fonds nicht öffnen und auch die für Montag eingereichten Rückgaben werden NICHT akzeptiert. Das bedeutete es gingen ALLE Anleger in die Abwicklung.
    Zum anderen kann ich ein „Abwälzen“ von Verantwortung nicht erkennen, ich betrachte die indirekte „Befragung“ der Anleger sogar als das bestmögliche Vorgehen.
    Was wäre denn, wenn das Management der SEB den Fonds ohne Einbindung der Anleger abwickeln würde und im Anschluss würde deutlich, dass die Mehrzahl der Investoren das gar nicht gewünscht hat?
    Vielleicht können Sie zu der Überlegung einen gut recherchierten Artikel verfassen …

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