Commerzbank verkauft keine Produkte des Münchener Branchenführers mehr – Erlöse eines Fonds weit unter Plan
Filmfondsanbieter VIP bricht Vertrieb weg

Die Commerzbank hat den Verkauf der VIP-Medienfonds nach Angaben beider Unternehmen eingestellt. Damit fällt der wichtigste Vertriebspartner des zurzeit größten Anbieters geschlossener Filmfonds aus. Zu den Gründen und zur Dauer des Vermittlungsstopps schweigt die Bank. Der Hintergrund: Die Einnahmen eines Fonds liegen deutlich unter den Planzahlen.

DÜSSELDORF. Die Commerzbank hat den Verkauf der VIP-Medienfonds nach Angaben beider Unternehmen eingestellt. Damit fällt der wichtigste Vertriebspartner des zurzeit größten Anbieters geschlossener Filmfonds aus. Zu den Gründen und zur Dauer des Vermittlungsstopps schweigt die Bank. Der Hintergrund: Die Einnahmen eines Fonds liegen deutlich unter den Planzahlen. Dies ist allerdings bei Filmfonds nicht ungewöhnlich. Daher wird in der Branche vermutet, die Commerzbank wolle Haftungsrisiken aus dem Weg gehen.

Der Wirbel um den Marktführer droht der Branche das Geschäft zu verderben. Dabei hatten die Medienfondsanbieter gerade auf eine Sonderkonjunktur wie im vergangenen Jahr bei den Lebensversicherern gehofft. Denn wahrscheinlich verlieren Filmfonds Steuervorteile, auch wenn der jüngste Anlauf der rot-grünen Regierung zur Abschaffung von Steuersparmodellen gescheitert ist. Auch Schwarz-Gelb dürfte dieses Vorhaben wieder aufgreifen.

Die Münchener VIP-Gruppe warb nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren bei 13 000 Anlegern rund 750 Mill. Euro ein – allein 400 Mill. Euro im vergangenen Jahr. Ihre Kunden finanzierten damit bisher 40 Filme. Rund drei Viertel des Anlagevolumens vermittelte die Commerzbank. Aktuell bietet die VIP zwei neue Fonds an, Nr. 5 und Nr. 6. Das Unternehmen erwartet, dass Anleger in beide Fonds zusammen mindestens 45 Mill. Euro investieren. Normalerweise rechnen die Anbieter damit, ein Vielfaches der Mindestsumme einzuwerben.

Die Commerzbank stellte den Vertrieb der VIP-Produkte wenige Tage nach der Veröffentlichung der jüngsten Quartalsberichte der VIP-Fonds ein. Aus denen geht hervor, dass der bereits platzierte Fonds Nr. 3 bisher kaum Erlöse aus dem Filmgeschäft hatte. Heinz Gerlach, Herausgeber des Branchenblattes für Finanzdienstleister, „Direkter Anlegerschutz“, rechnet auf Basis des Berichts eine Zielverfehlung um 98 Prozent hoch. Das heißt, bislang kamen nur zwei Prozent der geplanten Einnahmen herein. Bereits Ende 2004 hatte Gerlach kritisiert, dass dieser Fonds die Planzahlen nicht erreicht habe. In einem Brief machte er Anfang des Jahres die Commerzbank ausdrücklich auf die schwache Performance aufmerksam. Der Hintergrund: Ein Finanzvertrieb haftet für finanzielle Schäden der Anleger, wenn er negative Informationen über Kapitalanlagen verschweigt.

VIP-Chef Andreas Schmid räumt zwar ein, dass die Einnahmen aus dem Filmgeschäft hinter den Planungen zurückgeblieben sind, legt aber eine neue Prognoserechnung vor: Ein Anleger, der 100 000 Euro investiert habe, werde einen Überschuss von 50 000 Euro statt ursprünglich avisierter 64 600 Euro erreichen. Und Verluste schließt Schmid aus; denn durch Garantien seien faktisch die Einlagen ohne den Ausgabeaufschlag abgesichert. Die Garantiebeträge würden von den Verleihern bei einer Bank vor Vertriebsbeginn hinterlegt. Die fehlenden Einnahmen erklärt Schmid so: „Weil die Platzierungsphase ein Jahr länger dauerte als geplant, wollten wir TV-Filme statt Kinofilme produzieren. Fernsehfilme bringen schneller als Kinofilme Erlöse.“ Die Rechnung ging nicht auf. Mangels interessanter TV-Angebote sei die VIP wieder zur ursprünglichen Strategie zurückgekehrt und habe Kinofilme produziert. Dadurch habe sich der Drehbeginn verzögert.

Dass in den Prospekten avisierte Einnahmeziele nicht erreicht werden, ist für Tausende Filmfondsanleger mittlerweile schmerzliche Realität. Beispiel eins: Nur der erste der fünf zwischen 1997 und 2001 aufgelegten Fonds der Cinerenta schüttet mehr als 50 Prozent des Gesellschaftskapitals aus. Die meisten Anleger haben weit weniger als die Hälfte ihrer Einlage ohne Agio zurückerhalten. Das Gesellschaftskapital summiert sich nach den Cinerenta-Zahlen auf rund 450 Mill. Euro. Dass sich die Bilanz der Cinerenta-Anleger nennenswert verbessert, ist unwahrscheinlich; denn der überwiegende Teil der Einnahmen fließt binnen drei Jahren nach der Veröffentlichung eines Films.

Beispiel zwei: Das Emissionshaus Chorus GmbH versucht, bei fünf zwischen 1999 und 2001 herausgebrachten Apollo-Media-Filmfonds noch zu retten, was zu retten ist. „Fondstelegramm“-Herausgeber Stefan Loipfinger attestierte den fünf Fonds Mitte Mai, sie hätten die Ziele bisher um 80 Prozent verfehlt. In seiner Schelte ist von „schlampigen Verträgen“ mit Partnern die Rede und von einer „Hinhaltetaktik“ gegenüber den Anlegern. Chorus-Geschäftsführer Peter Heidecker hält dagegen, dass er anders als mancher frühere Wettbewerber wenigstens die Probleme der Apollo-Fonds anfasse. Um die 90 Prozent der Gesellschafter hätten einem Sanierungsplan zugestimmt. Den Anlegern der beiden ersten Fonds stellt Heidecker eine „erhebliche Verlustminimierung“, denen der Fonds Nr. 4 und Nr. 5 „eine schwarze Null nach Steuern“ in Aussicht. Mit solchen Zahlen lassen sich allerdings schwerlich neue Anleger werben.

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