Dachfonds
Anleger sollten nicht nur auf die Steuer schauen

Finanzberater werben massiv für Dachfonds. Das Verkaufsargument der Branche: Wer bis Ende 2008 anlegt, zahlt keine Steuer auf Kursgewinne, auch wenn der Fondsmanager das Fondskapital später umschichtet. Doch Experten warnen, denn hohe Gebühren machen bei diesen Produkten Steuervorteile oft zunichte.

FRANKFURT. Experten warnen Anleger, Finanzprodukte allein nach steuerlichen Gesichtspunkten auszuwählen. "Die Abgeltungsteuer ist ein aktueller Aufhänger in der Anlageberatung", sagt Horst Schneider, Leiter der Sparte Vermögensmanagement beim Finanzvertrieb MLP. Die Gespräche drehen sich auch wieder um die Dachfonds, von denen in Kürze noch mehr als tausend auf den Markt kommen sollen. Grund: Das Bundesfinanzministerium hat Anfang Mai seinen Entwurf zum Jahressteuergesetz 2009 vorgelegt, nach dem die als Vermögensverwaltungsfonds vermarkteten Dachfonds nicht schärfer als andere Fonds besteuert werden sollen

Das Argument der Branche: Wer bis Ende 2008 anlegt, zahlt keine Steuer auf Kursgewinne, auch wenn der Fondsmanager das Fondskapital später umschichtet. Wer nach 2008 Geld anlegt, profitiert gegenüber Direktanlagen und anderen Fonds von einem Steuerstundungseffekt, da bei Umschichtung von Fonds im Dachfonds keine Steuern anfallen.

Allerdings soll das Gesetz erst Anfang Juni von der Bundesregierung und im Herbst vom Parlament verabschiedet werden. Daher warnen Experten davor, Produkte allein wegen vermeintlicher Steuervorteile zu kaufen. "Steuern sollten generell ein nachgelagertes Argument für eine Anlageentscheidung sein", meint Thomas Bieler, Leiter der Finanzberatung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Im Vordergrund müsse die Stärke eines Produktes stehen: "Wenn ein Fonds statt sechs nur drei Prozent abwirft, hilft ein Steuervorteil auch nicht weiter."

Über einen Dachfonds, der in verschiedene Fonds investiert, kauft sich der Anleger eine Art Vermögensverwaltung. Investoren können darüber ihr Anlagerisiko streuen: über verschiedene Anlagearten, in die der Fonds investiert und über mehrere Fondsmanager. Daraus leiten Dachfondsanbieter wie der Maklerpool BCA eine höhere Ertragschancen bei geringerem Risiko ab.

Vor allem sogenannte Superfonds mit ihrem noch breiteren Anlagespektrum böten enorme Vorteile für Anleger, was Flexibilität und Risikostreuung angehe, sagt MLP-Fachmann Schneider. MLP bietet solche Fonds an. Diese Produkte, nach einer europäischen Richtlinie OGAW-III-Fonds genannt, investieren in Fonds oder Einzelwerte, auch aus den Bereichen Rohstoffe und Immobilien, und dürfen massiv Derivatestrategien einsetzen. Diese auch Multi-Asset-Fonds genannten Produkte dürfen zudem mitunter ohne Begrenzung in einzelne Anlagen investieren.

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