Dachfonds
Ohne Gewinne ist der Steuervorteil wenig wert

Das Konzept der Dachfonds klingt einfach und erfolgreich: Sie konzentrieren sich auf die Anlage in spezialisierte Zielfonds und müssen ihre Kursgewinne - im Gegensatz zu anderen Anlegern und Fonds-nicht versteuern. Trotz dieser Vorteile schrumpft das Anlagesegment.

DÜSSELDORF. Eine große Zukunft haben Experten Dachfonds jüngst vorausgesagt. Denn anders als alle übrigen Anleger und Fonds müssen sie Kursgewinne nicht versteuern. Zudem gelten Dachfonds als Fortentwicklung der klassischer Investmentfonds. Zunächst hat aber die Börsenkrise das Geschäft gebremst. Zehn Jahre nach der Aufhebung des langen Dachfondsverbots in Deutschland erlebte die Fondsgruppe einen Schrumpfungsprozess. In 710 deutschen Dachfonds wurden Ende März 2009 nur noch 45 Mrd. Euro verwaltet; durchschnittlich kaum mehr als 60 Mio. Euro pro Fonds. Der Deka-Ziel Struktur Wachstum-Dachfonds verwaltete zuletzt 140 Mio. Euro. Andere Dachfonds wie etwa der All-in-one MK liegen ebenfalls über dem Größendurchschnitt dieser Fondsgruppe. Viele weitere Fonds sind jedoch zu klein, um erfolgreich betrieben werden zu können. Der DWS - Fonds-Klassiker Auswahl 2010 etwa zählte zuletzt weniger als fünf Mio. Euro an Vermögen, genauso wie der Gerling Dachfonds Classic. "Früher oder später ist mit Schließungen solcher Minifonds zu rechnen", prognostizieren Branchenkenner.

Das Prinzip sieht vor, dass Dachfonds Anteile anderer Fonds erwerben. Insofern bilden diese Fonds Dächer über den anderen Fonds - im Idealfall über den erfolgreichsten Fonds, die es in den verschiedenen Anlagekategorien gibt.

Genaue gesetzliche Vorschriften sollen verhindern, dass sich nach der Wiederzulassung der Dachfonds das Desaster wiederholt, das tausende deutsche Anleger in den frühen 1970er Jahren mit IOS-Fund-of-Funds-Anteilen erlebten. Dieses erste Ziel wurde erreicht.

Ihre Daseinberechtigung leiten Dachfonds aus der starken Spezialisierung der Zielfonds ab. Sie konzentrieren sich in der Regel auf einzelne Anlagebereiche. Durch diese Spezialisierung haben sich viele Zielfonds vom eigentlichen Investmentprinzip verabschiedet. Dieses Prinzip verlangt von Fondsmanagern, Risiken durch Streuung der Anlagen zu verteilen. Läuft das Aktiengeschäft nicht, wird in Anleihen oder Festgelder umgeschichtet, um Verluste zu vermeiden und Erträge zu generieren. "Das ist etwas Anderes als die derzeit vielfach betriebene Konzentration der Risiken auf einzelne Anlagethemen", sagt Ralf Nomrosky, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kapitalanlagen aus Düsseldorf. Fondsmanager verweigern sich dem Prinzip, indem sie beispielsweise Aktienfonds in jeder Marktphase in dieser Anlageklasse investiert lassen. "Weil es Aktienfonds und keine Geldmarktfonds sind", so die Erklärung. "Es ist zu prüfen, ob Fondsmanager durch diese sture Haltung ihren Treuhandauftrag noch gewissenhaft wahrnehmen", sagt Rechtsanwalt Michael Kehl, Anlagerechtsexperte aus Düsseldorf: "Wir beobachten insoweit vielfach eine Risikohäufung, wo Minderung angesagt wäre."

In Deutschland gibt es derzeit wegen der Spezialisierung mehr Aktienfonds als Aktien. "Unter diesen Umständen müssten zusammenfassende Fondskonzepte eigentlich eine gute Zukunft haben, sofern sie nicht mit erhöhten Kosten belastet wären". sagt Sachverständiger Nomrosky: "Dachfonds sind eine gute Anlageidee, solange diese Fonds die Anlageklassen variabel und situationsgerecht dem Börsentrend entsprechend mischen und die Abgeltungsteuervorteile richtig nutzen." Überragende Wertentwicklungen sind diese Fonds freilich bislang schuldig geblieben: Wo die Börsen keine Kursgewinne zulassen, ist auch die großzügigste Stundung von Kursgewinnsteuern nichts wert.

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