DB Real Estate
Schwergewicht mit Problemen

Die Krise der offenen Immobilienfonds erwischt jetzt auch Branchenprimus Deutsche Bank. Deren Tochter DB Real Estate lässt die Immobilien ihres Flaggschiff-Fonds „Grundbesitz-Invest“ von einem unabhängigen Experten überprüfen. Die Häuser könnten weit weniger wert sein als angenommen.

ina/pot/rrl HB FRANKFURT. Hintergrund sind die Preisrückgänge am deutschen Immobilienmarkt. Zur Höhe eventueller Abschreibungen wollte sich das Unternehmen gestern nicht äußern. Finanzkreise spekulieren über einen Betrag von mehreren Hundert Mill. Euro.

Die Probleme ziehen bereits erste Konsequenzen nach sich. Der Vertrieb des Fonds an Neukunden wurde eingestellt. Außerdem wird der Chef der DB Real Estate ausgewechselt. Michael Kremer wird im Januar durch Holger Naumann ersetzt. Naumann war bisher Chief Operating Officer der DWS, der Fondstochter der Deutschen Bank.

Abgesehen von eventuellen Abschreibungen kämpft der rund sechs Mrd. Euro schwere Grundbesitz-Fonds mit erheblichen Mittelabflüssen. Bis Ende November zogen Anleger in diesem Jahr rund eine Mrd. Euro ab. Die schwache Entwicklung des deutschen Immobilienmarktes schmälert das Interesse der Investoren. Zum Problem für die Fonds wird dies dann, wenn nicht genügend liquide Mittel bereits stehen, um die Anteilsscheine zurückzukaufen. Ein DB-Real Estate-Sprecher betonte gestern aber, es gebe kein Liquiditätsproblem. Anleger könnten ihre Anteilsscheine weiterhin zurückgeben.

In letzter Zeit waren bereits mehrere große Immobilienfonds in schwieriges Fahrwasser geraten. Sowohl die Sparkassen-Tochter Deka als auch die Hypo-Vereinsbank (HVB) waren zur Stützung von Fonds gezwungen (siehe nebenstehenden Artikel). Ein Eingreifen der Deutschen Bank stehe im Fall des Grundbesitz-Invest aber nicht zur Debatte, sagte der DB-Real-Estate -Sprecher.

Experten kritisieren allerdings das Krisenmanagement bei DB Real Estate. Der unabhängige Fondsanalyst Stefan Loipfinger sprach von einer „dilettantischen Vorgehensweise“. Loipfinger rechnet mit massiven Anteilsrückgaben im Dezember und Januar. Nach der Ankündigung von Abschreibungen werde „jeder logisch denkende Anleger verkaufen“. Durch das schrumpfende Volumen müssten die im Fonds verbleibenden Anleger dann noch größere Verluste hinnehmen. Die beste Lösung wäre es laut Loipfinger gewesen, den Abwertungsbedarf zu klären, um am Tag der Abwertung diese Maßnahme bekannt zu machen. Ähnlich argumentiert Alexandra Merz, Analystin der auf Fonds – sowohl offene als auch geschlossene – spezialisierten Ratingagentur Scope: „Wenn viele Anleger jetzt verkaufen, dann wird der Abschreibungsbedarf noch höher – und den Letzten beißen die Hunde.“

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