Debi Select-Fonds
Ein Fonds in Selbstauflösung

Acht Prozent Rendite versprachen die Macher der Debi Select Fonds. Eine Weile ging alles gut, doch seit August stocken die Ausschüttungen an die Anleger. Die Ausreden des Geschäftsführers werden immer abstruser.
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DüsseldorfDer ehemalige Großaktionär des insolventen Stromhändlers Teldafax, Debi Select, zeigt Auflösungserscheinungen. Immer heftiger wurde in den vergangenen Wochen die Kritik von Anlegern, die auf ihr Geld warteten, immer fantasievoller die Erklärungen, warum die Debi Select Fonds die versprochenen Ausschüttungen nicht leisten konnten. Nun scheint auch der letzte Strohhalm gebrochen.

In einer Mitteilung an seine Vertriebspartner teilt Debi Select-Geschäftsführer Josef Geltinger mit, er sei „überrascht“, dass die Überweisung des neuen Großinvestors von Debi Select, eine Gesellschaft namens Prime Delta General Trading aus Dubai, noch nicht eingetroffen sei. Die Verantwortung dafür trage aber nicht Debi Select oder der Investor, sondern dessen Bank, die GBL Finance Credit Union in Schweden. Es fehle eine so genannte CSC-Bescheinigung.

Das Problem: CSC-Bescheinigungen gibt es im Bankgeschäft nicht. Sie werden stattdessen im internationalen Frachtverkehr gefordert. Seltsam auch: die GBL Bank ist in Schweden nicht eingetragen. Die angegebene Internetadresse hat kein Impressum und zahlreiche Links, die nicht funktionieren. Auch eine SWIFT-Nummer, ein Standardmerkmal für eine Bank, fehlt.

„Diesmal hat Herr Geltinger den Bogen wirklich überspannt“, sagt Rechtsanwalt Daniel Blazek. Seine auf Kapitalmarktrecht spezialisierte Kanzlei vertritt mehr als 300 Anleger von Debi Select, die größtenteils bereits seit August auf Ausschüttungen warten. Auch diejenigen, die bereits kündigten, erhielten ihr Geld nicht zurück.

Blazek: „Wir werden seit Monaten vertröstet. Wir erhalten Ausreden, in denen mal dieser, mal jener Retter angekündigt wird. Aber Geld kommt nicht. Wir befürchten das Schlimmste und leiten nun gerichtliche und staatsanwaltschaftliche Schritte ein.“ Debi-Select-Sprecher Michael Oehme sagte auf Anfrage, ihm tue die erneute Verzögerung der Auszahlungen leid. Bei dem Begriff CSC-Bescheinigung sei er sich nicht sicher. Das Geld werde aber in den kommenden Tagen angewiesen. Er könne jedoch verstehen, wenn die Anleger misstrauisch seien.

Tatsächlich hat Debi Select eine bewegte Geschichte hinter sich. Rund 5000 Anleger investierten in den vergangenen Jahren in die Fonds, die ihnen acht Prozent Rendite garantierten. Angeblich sollte nur in hochsichere Geschäfte investiert werden. 2010 aber deckte das Handelsblatt auf, dass die Gelder indirekt zu großen Teilen an Teldafax geflossen waren. Der Billigstromanbieter ist inzwischen insolvent, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts, es sei ein riesiges Schneeballsystem betrieben worden.

Debi Select schien sich rechtzeitig aus dem Teldafax-Sog befreit zu haben. Geschäftsführer Geltinger sagte, er habe erreicht, dass ausländische Investoren die Anteile an Teldafax, die vorher zur Debi-Gruppe gehörten, für 60 Millionen Euro kauften. Die Fonds seien stabilisiert, die Gelder der Anleger sicher. Das Problem: Der ausländische Investor dementierte, je einen Kaufpreis gezahlt zu haben.

Geltinger teilte anschließend mit, die Debi Select Fonds sollten abgewickelt werden. Geltinger bot den Anlegern eine Auszahlung an oder den Wechsel in einen neuen Fonds namens Intevo. Doch dieser wurde am 16. August von der Finanzmarktaufsicht Liechtenstein vom Handel ausgesetzt. Ab August stockten dann auch die Auszahlungen an die Anleger von Debi Select.

Als neuer Retter für die Debi-Anleger tauchte anschließend der arabische Investor Prime Delta auf, eine Gesellschaft ohne Vorgeschichte. Als Ansprechpartner ist ausgerechnet Tino Herold genannt, der Anlegern aus dem Chaos um die berüchtigten Gesellschaft Caviar Creator AG bekannt ist. Sie sammelte Millionen von Anleger-Geldern ein, bevor sie Insolvenz anmeldete. Inzwischen ist das Unternehmen an einen russischen Investor verkauft worden. Herold hatte für eine Gegengesellschaft namens Caviar Invest mit einer Art Betriebsbesetzung versucht, Kontrolle über Caviar Creator zu erlangen, scheiterte aber letzlich. Im September 2011 stellte Caviar Invest einen Insolvenzantrag, der mangels Masse abgelehnt wurde. Die Gesellschaft wurde aufgelöst.
Nun ist Herold Hoffnungsträger von Debi Select. Laut einer Pressemitteilung will er mit Prime Delta 250 Millionen Euro in Projekte stecken, die gemeinsam mit Debi Select bearbeitet werden sollen. 110 Millionen davon aber sollen gleich an Debi Select fließen, um die Auszahlungen an wartende Anleger zu finanzieren. Der betriebswirtschaftliche Sinn für den arabischen Investor stand nicht in der Mitteilung. Herold war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Debi Select-Fonds: Ein Fonds in Selbstauflösung"

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  • richtig

  • Ich bin auch ein Anleger, der zum 31.12.11 seinen Anteil gekündigt hat und habe nun Strafanzeige gestellt wegen Betrug und Unterschlagung. Aber, so der Eindruck, ich bin nicht der Erste, der 'tätig' geworden ist. Mal sehen, bei der Staatsanwaltschaft Landshut gibt es schon eine dicke akte gegen Herrn Geltinger.

  • Gomopa Artikel zur Kreditbschaffung aus Arabien: http://www.gomopa.net/Pressemitteilungen.html?id=875&meldung=Debi-Select-von-Tino-Herold-hinters-Licht-gefuehrt

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