Der Ex-Axa-Mann Christian Wrede soll es jetzt bei Fidelity richten
Fidelity probt Neuanfang

Die Deutsche Tochter des US-Fondshauses hofft nach jahrelanger Absatzkrise auf eine Trendwende. Experten bewerten die Renditen der Fidelity-Produktpalette positiv. Große Chancen sieht der neue Geschäftsführer Christian Wrede im Geschäft mit der Altersvorsorge.

FRANKFURT. Christian Wrede ist ehrgeizig. "Verglichen mit dem verwalteten Vermögen der DWS und Deka sind wir nicht da, wo wir sein sollten", sagt der Geschäftsführer von Fidelity Deutschland im Gespräch mit dem Handelsblatt mit Blick auf seine zwei großen Konkurrenten. Seit fünf Monaten leitet Wrede die Deutschland-Tochter des US-Fondshauses, das mit 1,8 Bill. Dollar zu den weltgrößten Fondsanbietern gehört. Gutes Timing für den Wechsel vom Deutschland-Chefsessel beim Konkurrenten Axa Investment Managers zum neuen Arbeitgeber bewies Wrede nicht: Er kämpft nicht nur gegen die Belastungen der Kreditkrise, sondern auch mit milliardenschweren Abzügen aus dem wichtigsten Fidelity-Fonds für den deutschen Markt in den vergangenen drei Jahren.

In Deutschland gehört der Aktienspezialist Fidelity mit einem Vermögen von 10,3 Mrd. Euro zu den mittelgroßen Adressen. Seit Ende 2005 ist das Fondskapital um über ein Drittel geschrumpft. Das war vor allem dem Mittelabzug aus dem großen Europa-Aktienfonds "European Growth Fund" zuzuschreiben, der nach einem Managerwechsel, zeitweise schlechter Wertentwicklung und massiven Verkaufsempfehlungen von Bankberatern unter die Räder kam. Die Probleme mit dem Vorzeigefonds schlugen sich auf den Absatz des Hauses nieder, machte der Fonds doch zeitweilig bis zu 80 Prozent des in Deutschland verwalteten Vermögens aus. Inzwischen ist die Abhängigkeit geringer geworden: Heute stecken gut 40 Prozent der deutschen Kundengelder in dem noch rund zehn Mrd. Euro schweren Fonds. Der Aderlass ereignete sich zwar 2006 und 2007 und damit vor Wredes Zeit. Aber er wirkt nach, auch auf die Moral der Mitarbeiter. "Die musste ich auch ein Stück weit wieder aufrichten", sagt Wrede.

Die Geschichte des "European Growth" überschattete die anderen Fidelity-Produkte - auch im Bewusstsein der und Berater und Anleger. "Wir haben unseren Vertriebspartnern weder richtig vermitteln können, dass Fidelity mehr als nur dieses eine Produkt hat, noch wohin wir mit unseren Geschäftsfeldern eigentlich steuern", analysiert Wrede. Das will er ändern: Als eine seiner ersten strategischen Maßnahmen stellt Fidelity die wieder gute Wertentwicklung des Flaggschiff-Fonds, aber auch der Produkte für Asien und ein neues Produkt mit Hedge-Fonds-ähnlicher Strategie heraus.

Anzeichen für eine Trendwende erkennt Wrede bereits: Der European Growth Fund verbuchte im Finanzkrisen-Monat August die ersten Netto-Zuflüsse seit drei Jahren. Insgesamt haben Anleger bei den vor allem für Private aufgelegten Publikumsfonds 2008 bisher allerdings 0,3 Mrd. Euro abgezogen. Im institutionellen Geschäft verbuchte Fidelity aber "höhere Zuflüsse", sodass Wrede bis Ende August per saldo von neuem Kapital im "niedrigen dreistelligen Millionenbereich" spricht. Nach Ansicht von Fondsberatern muss sich noch erweisen, inwieweit sich Fidelity im hart umkämpften deutschen Privatkundenmarkt wieder behaupten kann. Positiv bewerten Fondsexperten die Renditen der Fidelity-Produktpalette. "Im Vergleich der großen Gesellschaften liegt Fidelity hier relativ stabil an der Spitze", sagt Christian Michel, Leiter Fondsanalyse bei Feri Eurorating. Fidelity helfe zudem die starke Marke, sagt ein Berater.

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