Der Faktor Liquidität wird oft überbewertet
Langer Anlagehorizont verbessert die Chancen

Hedge-Fonds finden bei Investoren immer mehr Beachtung. Viele Anleger erwarten von diesen Produkten ähnliche Eigenschaften wie von traditionellen Investments. Wer normalerweise nur in Aktien- und Rentenpapiere investiert, setzt oft auch bei Hedge-Fonds voraus, dass die Produkte täglich oder oft gehandelt werden können und zudem dauerhaft liquide sind.

Doch genau wie Private- Equity-Fonds und andere Alternative Investments können auch Hedge-Fonds den Investoren nicht die gleiche Liquidität offerieren wie traditionelle Anlagen. Typisch für Hedge-Fonds ist hingegen eine monatliche oder quartalsmäßige Rückgabemöglichkeit.

Doch die traditionelle Denkweise der Kunden und ihr Verlangen nach Liquidität hat dazu geführt, dass viele Hedge-Fonds und Finanzvermittler bestrebt sind, sich bei der Strukturierung der Produkte an die Wünsche ihrer Kunden anzupassen. Mit der Folge, dass sich die Hedge-Fonds-Industrie nun in zwei verschiedene Richtungen bewegt. Auf der einen Seite gibt es so manchen Hedge-Fonds, der darauf abzielt, seinen Kunden mehr Liquidität zu bieten. Während auf der anderen Seite die Zahl der Manager wächst, die in die entgegengesetzte Richtung marschieren und von ihren Investoren längere Anlagehorizonte verlangen.

Indem die Manager die Liquidität einschränken, stabilisieren sie auch ihre Investoren-Basis, was ihnen Wettbewerbsvorteile verschafft. Dazu zählen: ein längerer Zeithorizont für ihre Investmentstrategien und eine zuverlässigere Wirtschaftsstruktur, auf deren Basis eine Infrastruktur aufgebaut und talentierteres Personal angeheuert werden kann. Nicht zu vernachlässigen sind zudem solidere und günstigere Finanzierungsmöglichkeiten. In der Konsequenz beobachten wir eine wachsende Teilung zwischen den Bedingungen, unter denen erfahrene Manager und die übrigen Manager in der Hedge-Fonds-Industrie agieren.

Eine stabile Kapitalbasis verheißt für Hedge-Fonds etliche Vorteile – und zwar gleich aus mehreren Gründen. So kann ein Hedge-Fonds mit langfristig investiertem Geld auf Basis längerer Zeitspannen tätig werden und somit länger auf den optimalen Ausstiegszeitpunkt warten, während andere Fonds früher aussteigen müssen und dadurch womöglich keinen Gewinn erzielen oder sogar Verluste erleiden, weil sie die Rückgabeansprüche ihrer Investoren zu erfüllen haben. Zudem werden Hedge-Fonds, die über eine stabile Kapitalbasis verfügen, von Finanzinvestoren als vorzuziehende Geschäftspartner angesehen, was solchen Hedge-Fonds stabilere, längere und billigere Finanzierungsbedingungen beschert. Darüber hinaus sind bei diesen Hedge-Fonds die Einnahmen stabiler, die im Zusammenhang mit den Managementgebühren stehen. Deshalb können größere und langfristigere Investitionen in Schlüsselbereiche wie Personal, Systeme und Infrastruktur getätigt werden. Auch dies macht die Hedge-Fonds konkurrenzfähiger.

Dieser Trend hin zu längeren Lock-Up-Fristen hat einige Hedge-Fonds-Manager dazu befähigt, mit bestimmten Private-Equity-Fonds mit längerfristigem Zeithorizont zu konkurrieren. Diese Investitionen schließen bereits Schuldanleihen und so genannte Short-Term-Private-Equity-Deals mit ein. Und diese Investitionen bieten auch ein Alpha – also eine bessere Performance gegenüber der Benchmark unter Berücksichtigung des Risikos.

Zuletzt sei noch angemerkt, dass dieser Trend selbstverständlich nicht bedeutet, dass es nicht sehr gute Manager gibt, die höhere Liquidität anbieten. Doch sollten sich die Investoren darüber im Klaren sein, dass sie vielleicht die besten Manager ausschließen, wenn sie bei ihren Investitionen einen hohen Wert auf Liquidität setzen.

Kevin Ferro ist Gründer und Vorstandschef von Ferro Capital LLC.

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