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Der neue Chef im Haus

Hedge-Fonds spielen bei Fusionen und Übernahmen eine immer wichtigere Rolle. Diese Entwicklung setze sich fort, sagte Hermann Prelle, Chef des Investment-Bankings bei der Schweizer Bank UBS in Deutschland. Nach seiner Meinung wird der Einfluss der unregulierten Fonds auf Mergers & Acquisitions (M & A) immer noch unterschätzt.

rob FRANKFURT. Die auf Übernahmesituationen spezialisierten Fonds verfügen laut Prelle inzwischen über ein mögliches Anlagevolumen von mehr 850 Mrd. Euro. Allerdings gehen Hedge-Fonds in der Regel Minderheitsbeteiligungen ein, wie Alexander Gehrt sagt, der das deutsche M&A-Geschäft bei UBS leitet. Sie würden aber dennoch den Deals ihren Stempel aufdrücken wie das Beispiel des Hedge-Fonds TCI gezeigt habe, der letztlich im Abgang des damaligen Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, gipfelte. Zuvor war der Versuch, die London Stock Exchange zu übernehmen, unter dem Einfluss der Spezialfonds abgebrochen worden.

Der Erfolg gibt den auf Übernahmen spezialisierten Hedge-Fonds recht, die derzeit die höchsten Renditen unter den verschiedenen Hedge-Fondsarten erzielen. Ähnlich wie Private-Equity-Spieler nehmen sie nach den Worten von Prelle durchaus in Kauf, dass die Feuerkraft durch Kredite um bis zu 60 Prozent erhöht werde. Es könne durchaus sein, dass die Kurse um zehn bis 30 Prozent von den Käufen oder Verkäufen der Fonds bewegt würden.

Nach der Beobachtung der Schweizer Bank ist es „nicht unüblich für Hedge-Fonds, bei Abschluss einer M&A-Transaktion über 60 Prozent eines Unternehmens zu besitzen. Allerdings ist es für die unregulierten Kapitalsammelstellen wichtig, dass es eine hohe Liquidität in den von ihnen gekauften Aktien gibt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie auf ihren Engagements zumindest für längere Zeit sitzen bleiben oder sich nur mit einem Verlust von ihnen trennen können. Jüngstes Beispiel ist der massive Kauf von Anteilen durch Hedge-Fonds mit Elliot Associates an der Spitze beim Energieableser Techem. Durch zu hohe Preisforderungen wurde der australische Infrastrukturfonds Macquarie daran gehindert, Techem zu übernehmen. Die Hedge-Fonds erreichten nicht die von ihnen angestrebten Kurse. Doch seit dem gescheiterten Deal im Januar bleiben die Hedge-Fonds auf ihren Engagements sitzen, da kein Investor bereit ist, die Aktien zu hohen Preisen abzunehmen, da sie die Zwickmühle der Fonds kennen und auf Kurszugeständnisse hoffen. Es besteht ein so genannter Hedge-Fonds-Hangover.

Nach Ansicht von Prelle wird sich die Aggressivität dieser Kapitalsammelstellen noch verstärken. Die Aktivisten könnten oft mit anderen Aktionären zusammenarbeiten, ohne „bemerkt“ zu werden. Hedge-Fonds hätten ein starkes Netzwerk untereinander und arbeiteten oft zusammen oder nähmen gleiche Positionen ein. Allerdings beobachtet er kein Sammeln von Aktienpaketen über die vorgegebenen Meldeschwellen, um vorbei an der Öffentlichkeit die Unternehmen unter Druck zu setzen. Das sei zu gefährlich. Die Aufsichten würden davon Wind bekommen. Die Zusammensetzung der Aktionärsstruktur bei bestimmten Firmen könne sich im Laufe eines Übernahmeprozesses deutlich verändern, urteilt Gehrt. Es werde auch in Deutschland mehr Fälle wie Cewe Color geben, wo Hedge-Fonds sogar vor Gericht gingen, um ihre Interessen durchzusetzen.

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