Derivatekäufer setzen auf Übernahmekandidaten: Auf Fusionen spekulieren

Derivatekäufer setzen auf Übernahmekandidaten
Auf Fusionen spekulieren

Wohl nirgendwo sind Strategien mit Derivaten so reizvoll wie bei Aktien von Übernahmekandidaten. An den Optionsbörsen in den USA werden Aktienoptionen von Unternehmen favorisiert, die auf der Einkaufsliste von Konkurrenten stehen. In Europa bieten Emissionsbanken Zertifikate an, mit deren Hilfe Anleger gezielt auf Übernahmekandidaten aus verschiedenen Regionen setzen können.

HB FRANKFURT. Investoren, die im vergangenen Jahr den Mut hatten, durch den Erwerb von Kaufoptionen (Calls) auf steigende Aktienkurse von Übernahmekandidaten zu setzen, konnten dabei eine reiche Ernte einfahren. Doch die Rechnung ging nicht immer auf, da einige der Geschäfte kurz vor der Vertragsunterzeichnung scheiterten. In diesen Fällen verloren die Aktien der betreffenden Unternehmen überdurchschnittlich an Wert. In noch stärkerem Maße fielen die Kurse der Kaufoptionen.

Experten sehen große Chancen, dass das Jahr 2006 ein "Jahr der Fusionen" wird. So steht z.B. für die Analysten von Standard & Poor's fest, dass auch das Jahr 2006 ähnlich wie das vergangene Jahr von zahlreichen Fusionen und Übernahmen (Mergers and Aquisitions, M&A) in den Volkswirtschaften auf allen Erdteilen gekennzeichnet sein wird. Die Fachleute von Société Générale glauben, dass sich der positive Trend im M&A-Markt des Jahres 2005 fortsetzt und "bei so mancher Aktie eine überdurchschnittliche Performance bewirken wird".

Für den S&P David Wood-Analysten werden es vor allem die Aktivitäten der großen Private Equity-Fonds sein, die für eine nochmalige Belebung der M&A-Aktivitäten sorgen. Neben der Private-Equity-Branche dürften auch immer mehr Hedge-Fonds bereit sein, sich mit kreditfinanzierten Spekulationen (Leverage) aggressiv auf diesem Feld zu tummeln. Das könnte dazu führen, dass Firmenübernahmen durch Konkurrenzunternehmen schwieriger werden, da solche Käufe in der Regel nicht so exzessiv über Fremdkapital finanziert werden. Optionsexperten glauben, dass sich der Kauf von Calls mit längeren Laufzeiten auf Aktien von Unternehmen mit Übernahmephantasie im kommenden Jahr besonders lohnen dürfte. In der Vergangenheit dienten die Optionsmärkte nicht selten als recht verlässlicher Indikator für sich abzeichnende Fusionen und Übernahmen. Dort wo die Preise (Prämien) der Kaufoptionen ohne offensichtlich ersichtlichen Grund stiegen, spekulierten oftmals exzellent informierte Akteure an den Optionsmärkten frühzeitig auf eine kommende M&A-Transaktion.

Wo sehen Experten neue Fusionsaktivitäten? Der S&P-Experte Wood erwartet in den USA vor allem in fünf Industriezweigen ein zunehmendes Fusionsfieber: Luft- und Raumfahrt, Rüstung, Baumaterialien, Einzelhandel und Gesundheitswesen. Doch das M&A-Geschäft konzentriert sich längst nicht mehr nur auf die USA und Europa. Unter den asiatischen Märkten sorgte Japan zuletzt mit zahlreichen Fusionen und Übernahmen für Aufsehen.

Die europäischen Märkte blieben dagegen hinter der allgemeinen Entwicklung zurück. "Das dürfte sich ändern", sagt Katrin Gögele von der Raiffeisen Centrobank in Wien. Ihre Begründung: Immer mehr internationale Unternehmen wollten in Osteuropa expandieren bzw. ihr Geschäftsfeld in dieser Region erweitern. Dabei seien Allianz, Citigroup und Pfizer nur drei Namen auf einer langen Liste von Unternehmen, die angekündigt haben, ihre Expansion in Osteuropa fortsetzen zu wollen. Zuletzt äußerte auch die BayernLB Ambitionen zur Übernahme von osteuropäischen Banken.

Die Raiffeisen Centrobank hat einen aus zehn Aktien bestehenden "Take-Over-Ostbasket" mit Aktien von möglichen osteuropäischen Übernahmekandidaten kreiert, auf dessen Basis sie Zertifikate anbietet. Die Bank gilt unter den Derivate-Emittenten als Experte für osteuropäische Märkte.

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