Deutsche Bank steckt in Dilemma
Das Zittern hat noch kein Ende

Nach der Ankündigung der Deutschen Bank, alle Anleger des Grundbesitz-Invest für Vermögensverluste zu entschädigen, ist die Aufregung um den angeschlagenen Immobilienfonds abgeebbt. Doch das könnte sich schnell ändern, wenn Deutschlands größtes Kreditinstitut den im Dezember dicht gemachten Fonds demnächst wieder öffnet. Sollten Anleger reihenweise ihr Geld abziehen, müsste die Deutsche Bank in die eigene Tasche greifen.

HB FRANKFURT. „Der Fonds wird und bleibt geöffnet, auch wenn es die Unterstützung der Bank erfordert“, legte Clemens Börsig, Finanzchef der Deutschen Bank, auf der Bilanzpressekonferenz Anfang des Monats ein klares Bekenntnis ab. Die Ergebnisse der Neubewertung des zuletzt noch 5,7 Milliarden Euro schweren Fonds lägen wohl Ende Februar vor, dann werde er geöffnet. Wie die Unterstützung aussehen könnte, ließ Börsig offen.

Experten sehen drei Möglichkeiten. Die Bank übernimmt selbst die Anteilsscheine jener Anleger, die aus dem Fonds aussteigen. Sie könnte aber auch Immobilien herauskaufen oder dem Fonds Kredite gewähren. Bislang hat die Deutsche Bank lediglich 203 Millionen Euro für die Entschädigung der Anleger wegen der Schließung Mitte Dezember beiseite gelegt, nicht aber für zusätzliche Stützungsmaßnahmen. Diese müssen nicht notwendigerweise auf den Gewinn drücken - möglich wäre es aber.

Dass Grundbesitz-Invest-Zeichner bei der Wiederöffnung aussteigen, gilt als ausgemacht. Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr musste der Fonds Mittelabflüsse von 1,4 Milliarden Euro hinnehmen. In den ersten zwei Dezemberwochen bis zur Schließung waren es alleine 376 Millionen Euro. Dass dann gerade Branchenprimus Deutsche Bank das Tabu brach und erstmals einen offenen Immobilienfonds schloss, hat branchenweit Vertrauen gekostet. Im Januar zogen Anleger massenfluchtartig 4,2 Milliarden Euro aus deutschen Immobilienfonds ab.

Stefan Loipfinger, Chef des Branchendienstes Fondstelegramm, hält den Grundbesitz-Invest für „massiv geschädigt“. Auch, weil sich die Bank erst nach tagelangem Druck von Investoren, Rivalen und Politikern zur Entschädigung von verlustgeplagten Zeichnern durchrang. „Viele Anleger sind einfach nur enttäuscht, da spielen jetzt nicht nur rationale Gründe eine Rolle“, sagt er. Rüdiger Sälzle von Fondsconsult rechnet bei der Wiederöffnung mit deutlichem Abgabedruck: „Eine Milliarde Euro kann auf Sicht sicher zusammenkommen.“

Die Liquidität des Fonds aufrecht zu erhalten, könnte da zur Last werden. Beispiel HVB: Die zur italienischen Unicredito gehörende Großbank kaufte im Herbst Immobilien ihres Fonds ImmoProfil und bewertete sie anschließend neu, was zu Abschreibungen von 210 Millionen Euro führte. Und bei der Deka-Bank sorgte der milliardenschwere Rückkauf von Anteilsscheinen 2004 ebenfalls für einen Gewinnrückgang.

„Ich erwarte keine Ergebnisbelastung für die Deutsche Bank“, stellt Analyst Dieter Hein von FaiResearch aber klar. Hierzu komme es nur, wenn die Bank Wertberichtigungen auf erworbene Immobilien oder Fondsanteile vornehmen müsse. Dies sei aber unwahrscheinlich, da Gutachter in den vergangenen zehn Wochen den Wert der Fondsimmobilien erst neu geschätzt hätten. „Die Deutsche Bank käme in Argumentationsnot, wenn sie zu einer anderen Bewertung käme, als ihr eigener Fonds“, meint Hein.

Doch manch ein Fondsexperte zweifelt, dass die Gutachter des Grundbesitz-Invest wirklich reinen Tisch machen. Branchenkenner Loipfinger verweist darauf, dass es sich um jene Sachverständigen handele, die schon in der Vergangenheit Objekte des Fonds untersucht hätten. „Diese Leute haben sich jetzt selbst attestiert, wie gut sie sind“, fügt er hinzu. Hierfür spreche auch ein Pressebericht, demzufolge die Abwertung bei maximal fünf Prozent liegt. „Zehn bis 15 Prozent würden es wahrscheinlich eher treffen“, meint Loipfinger. Auch Rüdiger Sälzle von Fondsconsult erwartet keine drastischen Schritte der Gutachter: „Andernfalls würden sie sich selbst in Frage stellen.“

Für die Deutsche Bank nach Ansicht von Experten ein Dilemma: Um das Risiko nochmaliger Korrekturen und damit eigener Ergebnisbelastungen zu minimieren, müsste das Institut sogar auf möglichst hohe Wertberichtigungen hoffen. Andererseits dürften drastische Abschreibungen den Vertrauensverlust der Fondsanleger noch beschleunigen und die erwarteten Mittelabflüsse erhöhen.

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