Deutschland gilt bei Großinvestoren in den USA weiterhin als interessantes Investmentziel
Hedge-Fonds setzen auf europäische Aktien

Amerikanische Manager von Hedge-Fonds und traditionellen Investmentfonds sehen in europäischen Aktien auf dem derzeitigen Bewertungsniveau größeres Kurspotenzial als in US-Wertpapieren.

NEW YORK. Deutsche Aktien erhalten dabei von den Experten besonders gute Noten. Die Fachleute begründen ihre starke Fokussierung auf Europa vor allem mit der im Vergleich zu US-Titeln deutlich niedrigeren Bewertung europäischer Aktien.

„Betrachtet man das globale ökonomische Bild, so wird deutlich, dass sich die Weltwirtschaft nach wie vor in der ersten Phase einer bis zu zehn Jahren dauernden Aufschwungphase befindet“, sagt Marcel Giacometti, Gründer und Vorstandschef der mehrheitlich zur Quandt-Gruppe gehörenden Auda Advisors Associates in New York. Die Fortsetzung des globalen Wirtschaftsaufschwungs sei wesentlich wahrscheinlicher als der Rutsch in eine Rezession, glaubt er. Die Weltwirtschaft habe in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit gegenüber potentiellen Störfaktoren unter Beweis gestellt und sowohl geopolitische Unsicherheiten weggesteckt als auch die wachstumshemmenden Effekte der steigenden Energiepreise überwunden. Der globale Wirtschaftsaufschwung werde über kurz oder lang auch Europa erfassen, prognostiziert Giacometti. „Es ist erstaunlich, wie pessimistisch die Leute dort sind“, zeigt der in New York lebende Schweizer wenig Verständnis für die schlechte Stimmung in der europäischen Wirtschaft.

„Generell gesagt sind wir in der Anlagestrategie unserer Hedge-Fonds inzwischen long Europa und short USA ausgerichtet“, sagt der Auda-Chef. Ein Hedge-Fonds ist in einem Markt „long“, wenn er auf steigende und „short“, wenn er auf sinkende Kurse setzt.

Der als einer der Pioniere im Bereich Alternativ-Investment geltende Fachmann begründet diese Ausrichtung damit, dass US-Aktien fair bewertet seien, während Europas Aktienbörsen im Vergleich einen Bewertungsabschlag aufweisen und daher einen starken Nachholbedarf hätten. Die Börsen in Europa und vor allem in Deutschland seien in den vergangenen Quartalen besonders hart bestraft worden. Deutschen Aktien traut er zu, dass sie den Pessimismus-Abschlag der vergangenen Jahre in nächster Zeit vergessen machen. Man habe in den USA sehr wohl beachtet, dass die Restrukturierung deutscher Unternehmen inzwischen erste Früchte trage, sagt Giacometti.

„Auch wir sehen bei den in ihrer Anlagestrategie global ausgerichteten Hedge-Fonds in der Tat ein Umleiten der Kapitalströme in Richtung Europa und Asien“, sagt auch Christian Hoffmann vom Hedge-Fonds-Unternehmen CSFB Tremont in New York. Von diesen breiten Kapitalströmen hätten allerdings vor allem die Emerging-Markets in Asien profitiert. Hedge-Fonds, deren Strategien auf die Finanzmärkte der aufstrebenden Länder ausgerichtet seien, hätten in den vergangenen Monaten die stärksten Gewinne abgeliefert.

Positiv zu den Aussichten der Euroland-Volkswirtschaften äußert sich auch Thomas Stolper von Goldman Sachs in London. Der Experte weist darauf hin, dass Europa am stärksten davon profitiere, dass die Volkswirtschaften der ölreichen Golfstaaten boomen und diese Staaten die Petrodollars für steigende Importe an Gütern und Dienstleistungen einsetzen.

Nicht alle Manager von Hedge-Fonds und Investmentfonds teilen jedoch die Ansicht, dass sich Europas Aktienbörsen in nächster Zeit besser entwickeln werden als die US-Märkte. Nachdem die Indizes in Europa in diesem Jahr deutlich stärker gestiegen seien als die Aktienmärkte in den USA, sei jetzt eine Korrektur zu erwarten, heißt es bei den Fondsexperten von Invesco Perpetual. Begründet wird dies damit, dass die Gewinnsteigerungen bei europäischen Unternehmen wegen des Basiseffekts in nächster Zeit wohl nicht mehr so stark ausfallen werden wie in den vergangenen Quartalen.

Dieser vorsichtigen Haltung schließt sich auch Andrew Garthwaite von Credit Suisse in London an, der für europäische Aktien ein eher zurückhaltendes Bild zeichnet. Der Experte macht jedoch den Investoren an der deutschen Börse Mut. „Wir sind weiterhin sehr positiv zu Deutschland eingestellt“, sagt er.

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