Die besten Aktienfonds
Europäische Substanzwerte geraten unter Druck

Die alte Weisheit, dass neue Besen gut kehren, trifft nicht immer zu: gerade, wenn das Management eines Fonds wechselt, ist der Neue eine Unbekannte. Im Falle des Fidelity European Aggressive Funds erwiesen sich jedoch alle Befürchtungen als unbegründet - dies zeigt das aktuelle Ranking der größten europäischen Aktienfonds.

HAMBURG. Ein Managerwechsel ist für jede Fondsgesellschaft zunächst eine Zitterpartie. Beim Fidelity European Aggressive Fund dürfte die Anspannung jedoch langsam weichen: So agiert Fondsmanager Mario Frontini seit Übernahme des Fonds im Juni dieses Jahres durchaus erfolgreich, wie die aktuelle Rangliste der zehn volumenstärksten Europa-Fonds zeigt: Dort führt er mit einem Zwölf-Monats-Plus von 18,74 Prozent das Feld an, unter allen 440 Europa-Fonds belegt er Rang 84 (Tabelle).

Damit konnte Frontini einiges an Boden gutmachen, nachdem der Fonds Anfang dieses Jahres auf Rang 383 abgerutscht war. Vom Großteil des bisherigen Portfolios seines Vorgängers Sanjeev Shah trennte sich Frontini radikal. "80 Prozent der Positionen wurden in den ersten beiden Juniwochen ausgetauscht, zudem ist der Fonds mit nun 50 bis 70 statt bisher rund 90 Titeln deutlich konzentrierter aufgestellt", erläutert Frontini. Zu seinen Favoriten zählen vor allem Rohstoffwerte, die aktuell 30 Prozent ausmachen. Unter anderem dank dieser Gewichtung erzielte Frontini allein im September ein Plus von 5,07 Prozent. "Ausgezahlt hat sich neben der hohen Gewichtung von Titeln wie Norilsk Nickel auch die erfolgreiche Einzeltitelauswahl im Bankensektor", ergänzt er. In diesem Segment setzt der gebürtige Italiener vor allem auf osteuropäische Institute und weniger auf die etablierten Banken in Westeuropa.

Letztere hatte Chris Complin im Portfolio des JP Morgan Europe Strategic Value in jüngster Zeit deutlich übergewichtet. Insgesamt liegt dort der Anteil der Finanztitel bei 38 Prozent. Dem Fonds bekam dies angesichts der US-Hypothekenkrise nicht gut: Er belegt mit einem Plus von 6,54 Prozent im Vergleich der größten Europa-Fonds den letzten Platz und fiel auch im Gesamtvergleich weit zurück. "Insbesondere die UBS und die Deutsche Bank belasteten das Ergebnis", räumt Complin ein. Generell sei das Marktumfeld für seine Anlagestrategie, auf unterbewertete Substanzwerte zu setzen, in den vergangenen Monaten sehr ungünstig gewesen. Complin: "Teure Aktien entwickelten sich zuletzt deutlich besser ."

Trotz der jüngsten Schwäche hält Christian Michel den Fonds jedoch weiter für eine gute Wahl. "Wer auf diesen Anlagestil setzen will, ist mit dem JP Morgan Europe Strategic Value gut bedient", sagt der Analyst der Bad Homburger Analyseagentur Feri. Risikofreudigere Anleger seien dagegen im Fidelity European Aggressive besser aufgehoben, auch wenn dessen neuer Manager sich erst noch über einen längeren Zeitraum beweisen müsse. Einen Vertrauensvorschuss verdiene Frontini angesichts seiner bisherigen Expertise jedoch auf jeden Fall.

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