Die Investmentidee
Unser täglich Brot

Das Brot wird teurer? Um so besser, jedenfalls für Leute, die rechtzeitig in Agrarrohstoffe investiert haben. Spezielle Fonds und Zertifikate machen es möglich. Es gibt drei Gründe für den weltweiten Anstieg der Agrarpreise. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. Es gibt drei Gründe für den weltweiten Anstieg der Agrarpreise. "Naturbedingt" sei, dass eine Reihe von Ländern über mehrere Jahre unter starker Trockenheit gelitten hätten, schreibt Stefan Tangemann im "Ifo-Schnelldienst". Als besonders drastisches Beispiel nennt der OECD-Experte Australien, das mittlerweile das siebte Trockenjahr in Folge erlebt habe.

Als "wirtschaftsbedingten" Faktor nennt er die zunehmende Nachfrage der Schwellenländer. Dabei betont er, nicht allein China, Indien und Brasilien trieben die Nachfrage, sondern auch zahlreiche andere Länder. Ein wichtiger Punkt ist dabei der mit steigenden Wohlstand wachsende Fleischkonsum. Um ein Kilo Fleisch zu produzieren, muss man etwa fünf- bis siebenmal so viel Getreide anbauen, wie für ein Kilo Brot benötigt wird. Christian Thorun, Referent beim Verbraucherzentrale Bundesverband, liefert dafür in derselben Publikation das Schlagwort "die Globalisierung des westlichen Lebensstils". Klaus Schumacher-Dieter vom Agrarhandelsunternehmen Toepfer International nannte vor Kurzem auf einem Kongress zu je 50 Prozent das steigende Einkommen und das weltweite Bevölkerungswachstum als entscheidende Faktoren.

Als dritten, "politikbedingten" Faktor nennt Tangermann den zundehmenden Anbau von Energierrohostoffen, die den Getreideanbau zum Teil verdrängen. Allerdings betonen Tangermann wie auch Schumacher, der Einfluss des Biosprits auf die Weltagrarpreise solle auch nicht überschätzt werden.

Alle drei Faktoren dürften noch für längere Zeit wirksam bleiben, was für weiter steigende Preise der Agrarrohstoffe spricht. Auf der anderen Seite ist das Thema nicht neu - daher dürfte bereits etwas Spekulation im Markt sein. Deswegen sind kurzfristige Preissprünge nicht unbedingt zu erwarten. Auch könnte ein von den USA ausgehender weltweiter Konjunkturabschwung sich dämpfend auf die Preise auswirken. Trotzdem: Wer in Agrarrohstoffe investiert, setzt damit auf einen Megatrend.

Die INB Diba empfiehlt eine Reihe von Agrarfonds: den DWS Invest Global Agribusiness (Wertpapierkennnummer DWS0BX), den Stabilitas Soft Commodities (A0LFPD), die beide relativ neu sind, sowie den seit 1999 bestehenden Robeco Food & Agri Equities (A0CA0T).

Der DWS-Fonds streut sein Vermögen über alle möglichen Branchen, aber der Bereich "Konsum" bildet den Schwerpunkt. Und der US-Riese Monsanto, der weltweit vor allem Saatgut und Pflanzenschutzmittel vertreibt, ist die größte Position. Der Fonds hält aber auch Anteile an Syngenta, einen Agrokonzern, der im Jahr 2000 durch Zusammenlegung der entsprechenden Bereiche von Novartis und Astra-Zeneca entstanden ist.

Der Stabilitas-Fonds hat laut Halbjahresbericht seinen Schwerpunkt bei australischen Aktien mit fast 40 Prozent, was ein entsprechendes Währungsrisiko birgt. Größter Wert mit etwas über fünf Prozent ist danach die Firma Australian Agricultural Co. Der Anleger setzt damit natürlich ausgerechnet auf ein Land, das sehr stark von der Dürre betroffen ist. Australian Agricultural ließ allerdings im Mai verlauten, die eigenen Rinderbestände seien überwiegend in relativ regenreichen Regionen stationiert.

Der Robeco-Fonds hat von der Rating-Agentur Morningstar drei von fünf möglichen Sternen bekommen, was eher ein mäßiges Ergebnis ist - die beiden anderen Fonds sind noch recht neu und haben daher kein Rating. Der Fonds investiert allerdings überwiegend Nahrungsmittel verarbeitende Firmen und allgemein in Konsumwerte, ganz oben stehen Procter & Gamble, Altria und Pepsico.

Vergleicht man die drei Fonds, dann ist der von Stabilitas offenbar am deutlichsten wirklich auf das Agrargeschäft konzentriert, mit seiner einseitigen Ausrichtung auf Australien aber doch etwas problematisch. Der DWS Fonds bietet einen Agro-Schwerpunkt und ingesamt eine ausgewogenere Mischung, der Robeco-Fonds profitiert zwar vom weltweiten Konsum, aber nicht so speziell vom Agrarthema.

Außerdem gibt es eine Fülle von Zertifikaten, die sich bei Handelsblatt.com über das Tool "Zertifikate suchen" mit dem Stichwort "Agrarrohstoffe" finden lassen. Ein Beispiel ist das Zertifikat mit der Wertpapierkennnummer ABN1T5. Der Anleger investiert damit laut ABN Amro, der emittierenden Bank, etwa zu gleichen Teilen in die Rohstoffe Kaffee, Kakao, Orangensaft, Weizen und Zucker. Etwas breiter gefasst ist das Zertifikat der Hypovereinsbank mit der WKN HV16HG. Es investiert in Baumwolle, Kaffee, Mais, Sojaöl, Sojabohnen, Weizen, Zucker. Weitere, ähnliche Produkte, gibt es von Goldman und von UBS.

Fazit: Agrarrohstoffe sind ein spannendes Thema. Wer hier einsteigt, sollte aber genau hinschauen, in welche Aktien oder Spezialindizes der jeweilige Fonds oder das Zertifikat tatsächlich investiert. Und dabei die Regel beachten: je spezieller die Auswahl, desto kleiner sollte der Depotanteil sein, der dafür aufgewendet wird.

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