Die Köpfe im Asset-Management
Bill Miller schlägt (wieder einmal) den Index

Alle reden von schlechter Stimmung und Börsenbaisse – nicht so Bill Miller von der amerikanischen Fondsgesellschaft Legg Mason. Im vergangenen Jahr lag sein Aktienfonds zum zwölften Mal in Folge besser als der Marktdurchschnitt. Nun macht Miller Anlegern Mut: er glaubt, die Baisse ist vorbei und die Börse steht vor dem Aufschwung.

FRANKFURT/M. Der Mann könnte selbst bei weit bekannteren Konkurrenten Neidgefühle wecken: William („Bill“) Miller liegt mit seinem US-Aktienfonds konstant über der Börsen-Messlatte S & P 500. Im vergangenen Jahr gelang ihm dieses Kunststück zum zwölften Mal in Folge. Selbst Peter Lynch, der einstige Starmanager von Fidelity, schaffte nur sieben Siegesjahre hintereinander.

An der Wall Street wird Millers Name inzwischen in einem Atemzug mit anderen Super-Investoren wie John Templeton oder Warren Buffett genannt. Auch deutsche Anleger können vom goldenen Händchen des Managers profitieren und das in Europa angebotene Produkt erwerben – es wird nach den gleichen Prinzipien gemanagt wie sein großes Vorbild. Miller macht den Anlegern Mut. Im Interview mit dem Handelsblatt sagt der 53-jährige: „Die Baisse ist seit einigen Monaten vorbei; ich bin jetzt noch optimistischer als ich es vor einigen Wochen schon war.“

In Sachen Performance ist Millers Flaggschiff „Legg Mason Value Trust“ für manche Experten in Wall Street das Maß aller Dinge. Im vergangenen Jahr verlor der 8,5 Mrd. Dollar schwere und nur in Amerika angebotene Fonds für US-Aktien 19 Prozent. Die Messlatte S & P 500, der Index für US-Standardwerte, rutschte dagegen um 23 Prozent ab.

Ausnahme-Manager Miller ist seit über 20 Jahren in Diensten des Finanzhauses Legg Mason, Inc. und Chef der Fondssparte Legg Mason Funds Investment. Heute zählt die Adresse mit Kundengeldern von über 180 Milliarden Dollar unter Verwaltung zu den weltweit größten unabhängigen Asset-Managern.

Millers Anlagestrategie ist scheinbar simpel. Er bezeichnet sich selbst als Value-Investor, das heißt, er sucht nach werthaltigen Aktien, die am Markt zu billig gehandelt werden. Miller steigt bei Firmen ein, die nach seiner Meinung bedeutend mehr wert sind, als es ihr Kurs suggeriert. Zu den größten Positionen im Fonds zählen gegenwärtig Nextel, Amazon, United Health Group, Washington Mutual und Eastman Kodak.

Ein weiterer Favorit ist der krisengeschüttelte Mischkonzern Tyco International. Miller: „Die Aktie liegt unter 15 Dollar, ist aber 30 Dollar wert – konservativ geschätzt.“ Wenige seiner Konkurrenten verfolgen ihre Strategien so konsequent wie er. In seinem Portfolio sind nie mehr als 30 bis 40 Einzeltitel, während andere Fondsmanager meist auf die doppelte bis dreifache Zahl kommen.

Experten nennen Gründe, warum Miller aus der großen Zahl von Value-Managern herausragt. „Er bringt mehr Wachstumsoptimismus als andere für die Firmen mit, in die er investiert“, sagt Christopher Traulson, der den Konzern von Boston aus für die unabhängige Fonds-Researchgesellschaft Morningstar beobachtet. Und noch etwas: „Miller greift auch schon einmal bei Gesellschaften zu, die andere Manager eher kritisch sehen.“ Das gelte beispielsweise für Tyco oder den Medienwert AOL Time Warner. „Zeitweise steckte fast ein Fünftel der Fondsmittel in AOL-Aktien; nach dem Kurssturz und Teilverkäufen sind es jetzt noch knapp drei Prozent“, sagt Traulson.

Millers Arbeitgeber, Legg Mason mit Sitz in Baltimore, Maryland, verfolgte unter seinem Chef Raymond („Chip“) Mason in den vergangenen vier Jahrzehnten einen klugen Aquisitionskurs. Er verleibte sich unter anderem Spezialisten für Indexstrategien, Value-Anlagen und Anleihen ein. Mit den Zukäufen kamen beispielsweise eine Vermögensverwaltungsfirma für kleine US-Value-Titel und ein Bond-Spezialist zum Unternehmen. „Diese Angebote sind in der Baisse gerade bei institutionellen Anlegern gefragt“, sagt Morningstar-Analyst Traulson.

Legg Mason büßte in den vergangenen beiden Jahren trotz Baisse kaum an verwaltetem Vermögen ein. Auch an der Börse stemmt sich ihre Aktie erfolgreich gegen die Talfahrt. Ihr Kurs liegt nur rund ein Fünftel unter dem Allzeithoch, während andere Asset-Manager um mehr als die Hälfte abschmierten. Damit honorieren Börsianer die Ertragslage von Legg Mason. Für das Geschäftsjahr 2002 meldete die Gesellschaft Nettoeinnahmen von 1,5 Mrd. Dollar und einen Nettogewinn von knapp 182 Mill. Dollar. „Die besten Ergebnisse in unserer Geschichte“, kommentierte Mason.

Das war nicht zuletzt Miller zu verdanken, der viele Anleger bei der Stange hielt. „Manche Privatanleger zogen Mittel ab, aber die Institutionellen schossen frisches Geld nach“, sagt Miller im Rückblick auf das vergangene Jahr. In den Spitzenzeiten der Hausse vor drei Jahren war der Star für 25 Mrd. Dollar Aktienvermögen verantwortlich. Heute liegt diese Summe bei noch rd. 22 Mrd. Dollar.

Der Erfolg in Amerika verlockte Legg Mason vor einigen Jahren zum Sprung nach Europa. Über die Vertriebs-Drehscheibe Dublin bietet die Firma inzwischen auch deutschen Anlegern ein Pendant zum Value Trust an: den Value Fund. Das Produkt ist ein Spiegel der Miller’schen Anlagephilosophie. Der Legg-Mason-Star legt aber nicht selbst Hand an. Das „Spiegeln“ des Portfolios überlässt er seiner Kollegin Mary Chris Gay. Sie wacht darüber, dass die Fondsstruktur im Value Fund die gleiche ist wie im amerikanischen Produkt. Kommunikationsschwierigkeiten gibt es nicht: Beide Manager arbeiten Tür an Tür.

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