Die Untersuchungen fordern erste Opfer im Management von Investmentfonds
US-Fonds sollen Provisionen zurückzahlen

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer hat die Fondsgesellschaften aufgefordert, ihre Gebühren zu senken und sämtliche Provisionen zurückzuzahlen, die sie aus Investmentfonds erhielten, die illegale Handelsgeschäfte wie Markttiming zuließen.

Bloomberg NEW YORK. „Zu viele Fonds haben die Interessen der Anleger vernachlässigt und statt dessen Rahmenbedingungen zugelassen und unterstützt, die die Interessen der Fondsmanager auf Kosten der Anleger fördern,“ kritisiert der gefürchtete Staatsanwalt im Vorfeld seiner Aussagen vor einem Ausschuss des US-Senats am Montag. In seiner Stellungnahme fordert Spitzer, dass die Fondsgesellschaften „die Beratungsgebühren zurückerstatten müssen, die sie in der Zeit erhalten haben, als sie die Fonds unsauber verwalteten und diese Praktiken des Markttiming und Handels nach Börsenschluss zuließen“.

Spitzer hatte die Untersuchung in die Handelspraktiken der 7 Billionen Dollar schweren US-Investmentfondsbranche vor zwei Monaten ins Rollen gebracht. Bank of America, Bank One, Janus Capital Group und Strong Mutual Funds wird vorgeworfen, der Hedgefondsgesellschaft Canary Capital Partners Handelsgeschäfte nach Börsenschluss gestattet zu haben. Damit hätten sie ihre Treuhänderpflicht verletzt und Hedgefonds Zugang zu Preisen verschafft, die anderen Investoren nicht möglich waren. Spitzer erklärte letzte Woche, dass er Klagen gegen mindestens zehn weitere Personen oder Gesellschaften erheben wolle.

„Man fragt sich, wie groß der Sumpf schon ist,“ konstatiert Henry T.C. Hu, Professor für Unternehmens- und Wertpapierrecht an der University of Texas School of Law.

Auch die Investmentfondsgesellschaft Putnam Investments, die Nummer fünf der Branche, geriet vergangene Woche mit zwei ehemaligen Managern ins Visier der Spitzer-Truppe und der US-Börsenaufsicht SEC. Der Vorstandsvorsitzende Lawrence Lasser, hat gestern in Folge der Untersuchungen nach 18 Jahren seinen Posten geräumt. Neuer Chef wird Charles Haldeman.

Vermögen entzogen

Als Reaktion auf den Beginn der Untersuchungen von SEC und der Regulierungsbehörde des US-Bundesstaats Massachusets gegen Putnam hatten die Pensionskassen von sechs Bundesstaaten der Gesellschaft Vermögen in Höhe von mehr als 4 Mrd. $ entzogen. Lasser ist bisher das höchstrangigste Opfer der Untersuchungen. Zuvor war bereits Richard Strong, Gründer und Chairman der Strong Mutual Funds-Mutter Strong Capital Management, zurückgetreten.

Auch andere Finanzinstitute ziehen Konsequenzen: Bank of America, die drittgrößte US-Bank gemessen an der Bilanzsumme, bildete letzten Monat etwa 100 Mill. $ Rückstellungen für Kosten, die aus den jüngsten Vorwürfen entstehen können. Außerdem will die Bank Anleger von Investmentfonds entschädigen, denen durch die Handelspraktiken Schaden entstanden ist.

Spitzer kritisierte außerdem, die Gebühren der Investmentfonds seien zu hoch im Vergleich dazu, was Pensionsfonds für die Vermögensverwaltung zahlen. Der Generalstaatsanwalt forderte, dass der Vorsitzende einer Fondsgesellschaft unabhängig vom Vermögensverwaltungsbereich sein solle.

Die US-Börsenaufsicht SEC plant inzwischen grundlegend neue Vorschriften für den Handel und die Führung von Fonds. Spitzer werde mit der SEC bei dem neuen Gesetzesentwurf zusammenarbeiten, teilte der Sprecher von Spitzer, Darren Dopp mit.

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