Die verschiedenen Methoden sorgen häufig für Verwirrung
Blick in die Zukunft: Ratings versprechen Hilfe bei Fondsauswahl

Wann ist ein Fonds wirklich gut - Antwort auf diese Frage versprechen Ratings. Doch die vielen verschiedenen Methoden sorgen häufig selber für Verwirrung. Denn die Anleger wissen nur selten, was sich hinter dem Urteil der Experten genau verbirgt. Während die einen nur auf Zahlen setzen und die Fondsdaten auswerten, bauen andere Analysten auf Gespräche mit den Portfoliomanagern - und wagen so den Blick in die Zukunft.

dpa-afx FRANKFURT. Schon bei der Benennung scheiden sich die Geister. Während der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zwischen Ranking und Rating unterscheidet, halten es die Analysehäuser selber nicht so genau. "Bei einem Rating handelt es sich um eine qualitative Analyse, die auch eine Prognoseaussage beinhaltet", erklärt BVI-Sprecher Andreas Fink. "Dagegen ist ein Ranking rein quantitativ und berücksichtigt Datenmaterial der Vergangenheit." Die Gesellschaften selbst halten sich jedoch nicht immer an diese Definition. "Wir teilen diese Unterscheidung nicht, weil sie nicht international gebräuchlich ist", erklärt Analystin Natalia Siclic von Morningstar.

Verschiedene Methoden

Die Methoden der Gesellschaften sind sehr unterschiedlich. Quantitativ gehen Scope, Lipper, Morningstar, Feri Trust und die Fund Stars von S & P Fund Services vor. Den mehrstufigen Weg beschreiten Fondsconsult und das S & P Fund Management Rating von S & P Fund Services. "Diese Gesellschaften treffen auf Basis von quantitativen Kriterien eine Vorauswahl und beurteilen nach qualitativen Kriterien die am besten abschneidenden Fonds", erklärt Carsten Wittrock, Geschäftsführer der Unternehmensberatung zeb/amc.

Eine direkte Verknüpfung beider Kriterien nehmen Fitch AMR, RCP und Feri Institutional Management vor. "Diese Gesellschaften beurteilen die Fonds nicht als Einzelprodukt, sondern die gesamte Kapitalanlagegesellschaft", sagt Wittrock. Dagegen bewertet Sauren ausschließlich die Fähigkeiten der Portfoliomanager. Nach ganz anderen Kriterien geht Moody's vor: "Die Analysten beurteilen schwerpunktmäßig das Ausfallrisiko der in den Portfolios befindlichen Rententitel", erklärt Experte Wittrock.

"Möglichst vele Perspektiven"

Zu den prominenten Fondsanalyse-Häusern gehört Morningstar. Die Analysten werten die Fondsdaten aus; subjektive Komponenten fallen nicht ins Gewicht. Dabei sieht Analystin Siclic ihre Einschätzungen als Ergänzung zu einem klassischen, qualitativen Rating. "Der Anleger profitiert davon, wenn die Fonds von möglichst viele Perspektiven beurteilt werden", sagt Siclic. "Wir beurteilen die Wertentwicklung innerhalb von drei Jahren und berücksichtigen dabei das Risiko." Dabei achten die Morningstar-Experten auch auf die Höhe der Ausgabeaufschläge. "Hier unterscheiden wir uns von anderen Rating-Gesellschaften, bei denen in der Regel die Ausgabegebühr nichts in Gewicht fällt", erklärt die Analystin.

Dagegen sieht der Vermögensverwalter Sauren in der Person des Fondsmanagers den "entscheidenden Faktor für den Erfolg eines Fonds". "Wir verfolgen diesen Ansatz seit 1994, da letztendlich alle Anlageentscheidungen von dem Fondsmanager abhängen", sagte Analyst Matthias Weinbeck von Sauren. Häufig nehme der Fondsmanager bei einem Wechsel seine Auszeichnung mit. "Denn letztlich zeichnen wir nicht den Fonds, sondern den Verwalter aus", erklärt Weinbeck. Bei einem Wechsel werde aber zusätzlich geprüft, ob sich die Anlagephilosophie geändert hat und inwieweit die Rahmenbedingungen noch die gleichen sind. Das erste Gespräch dauert in der Regel eineinhalb bis zwei Stunden, sagt Weinbeck. "Pro Jahr führen wir 250 Gespräche."

Mathematisches Verfahren

Den rein statistischen Weg geht die Rating-Agentur Scope. In den meisten Fällen ergibt die Auswahl der Vergleichsindizes, an denen sich die Fonds selber messen, keinen Sinn, kritisiert die für Offene Fonds verantwortliche Scope-Geschäftsführerin Alexandra Merz. Denn die Indizes seien ganz anders strukturiert als die Fonds. "Das ist ein Vergleich von Äpfel und Birnen", sagt Merz. "Darüber hinaus ordnen wir die Fonds nicht den Vergleichsgruppen im klassischen Sinne zu. Vielmehr bilden wir anhand von wöchentlichen Anteilspreisen die verschiedenen Zielmärkte ab, in die der Fonds investiert, und nutzen sie für die Analyse."

Mit diesem mathematischem Verfahren will Scope die Sektoren und die Renditebeiträge pro Zielmarkt identifizieren. "Dann wird geschaut, ob der Fondsmanager durch die richtige Auswahl von Einzeltiteln sich besser oder schlechter geschlagen hat", erklärt Merz. Der Analysezeitraum beträgt über drei Jahre; Fonds mit einer kürzeren Historie erhalten von Scope kein Rating.

Kritik wird ungern laut geäußert

Die Reaktionen der Fondsgesellschaften auf dieses Verfahren sind gemischt. Zwar berichtet Scope von einer positiven Resonanz, allerdings gibt es in der Branche auch skeptische Stimmen. Auch die Kritik von Scope an dem Verfahren der Fonds sorgt vereinzelt für Unmut. Laut wird das jedoch selten geäußert. "Keiner will sich mit den Ratingagenturen anlegen, da die Ergebnisse viel beachtet werden - egal wie aussagekräftig sie tatsächlich sind", bemängelt eine Branchenkennerin.

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