Die wilden Jahre sind für die Hedge-Fonds vorbei: Die "bösen Buben" gewinnen an Ansehen

Die wilden Jahre sind für die Hedge-Fonds vorbei
Die "bösen Buben" gewinnen an Ansehen

Der Ruf des Unheimlichen und Dämonischen umweht Hedge-Fonds seit ihrer Entstehung vor etwa 30 Jahren. Ihre Verwalter gelten als Desperados ohne Glauben und Gesetz, die für einen Dollar mehr zu jedem Risiko bereit sind. Ein Image, das klar macht: Hedge-Fonds sind nicht für jedermann bestimmt.

HB DÜSSELDORF. Und es ist ja auch wahr, dass George Soros, Verwalter des legendären Hedge-Fonds "Quantum Fund", als Pirat der Moderne bezeichnet wurde, bevor man ihn als Philantroph anerkannte. Er galt als der Mann, der Pfund Sterling und malayischen Ringgit zum Sturz brachte. 1999 belastete zudem der Zusammenbruch des Long-Term-Capital-Management-Hedge-Fonds die größten Banken der Welt und verursachte Verluste in Milliardenhöhe.

Das Bild der "bösen Buben" wird genährt durch aggressive Anlagemethoden, mit in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannten Techniken und dem Verwenden volatiler Instrumente wie zum Beispiel der Derivate. Das Ausnutzen des maximalen Leverage-Effektes erlaubt den Managern den Einsatz großer Summen. Transparenzmangel, offshore-Status und beschränkte Liquidität tragen tragen ihr Übriges zum schlechten Image der Branche bei.

Neue Instrumente und Techniken

Doch Hegde-Fonds sind eher Vorreiter, die in der konservativen Finanzwelt ihrer Zeit voraus sind. Hatte man Galileo, als er Kopernikus These vertrat, dass sich die Erde um die Sonne dreht, nicht mit dem Scheiterhaufen gedroht? Wenn Hedge-Fonds als störend empfunden werden, dann vielleicht am ehesten deshalb, weil sie gegen den Strom schwimmen. Und vielleicht auch deshalb, weil sie auf eine Art und Weise Vermögensverwaltung betreiben, die mit den herkömmlichen Methoden nichts gemein hat.

So entwickelten Hedge-Fonds mit Leerverkäufen, Arbitrage oder dem Hebel neue Instrumente und Techniken. Diese erlaubten es ihnen, in allen Phasen der Marktentwicklung positive Ergebnisse zu erzielen. Mit den bis dahin üblichen, traditionellen Mitteln waren auf fallenden Märkten keine Gewinne möglich.Hedge-Fonds-Manager handeln vielmehr im Vertrauen auf ihre Fähigkeit und ihr Talent, einen zum Markt relativen Mehrwert zu schaffen. Damit stehen sie gegen die seit mehr als 15 Jahren vorherrschende klassische akademische Meinung, dass Märkte effizient seien, der Homo oeconomicus rational handele und dass der Versuch, die Indizes zu schlagen, eine Illusion sei. Denn die Manager haben früher als andere Finanzmarktakteure verstanden, dass es der wahren Erwartung der Anleger entspricht, ein Anlageziel in absoluten Werten zu erreichen.

Alternative Anlagen gefragt

Dieser Gedankengang gilt heute als selbstverständlich - und doch musste erst die Verhaltensökonomie als neue betriebswirtschaftliche Disziplin anerkannt werden und die Börsenblase platzen, bevor die Vermögensverwaltung auf Basis von Indizes in Frage gestellt wurde und die Finanzwelt sich eingestand, dass auch psychologische Faktoren das Anlegerverhalten beeinflussen.

Verunsichert durch die enormen Verluste in 2000 und 2003 verzichten institutionelle Investoren heute zunehmend auf die traditionelle Verwaltung. Vielmehr wenden sie sich - angezogen durch regelmäßigere Performance und eine geringere Korrelation zu den Börsenentwicklungen - massiv Alternativen Anlagen zu.

Gezähmte Vögel fliegen schlecht

Mittlerweile haben die europäischen Finanzaufsichten - wie die deutsche BaFin - die Notwendigkeit dieser Anlageklasse erkannt und Alternativen Investments den Marktzugang geöffnet. Immer mehr Banken nehmen deshalb Onshore-Hedge-Fonds oder Dachfonds in ihr Produktportfolio auf und gehen damit an den Markt. Erfreulicher Nebeneffekt: Bekannter, reglementierter und kontrollierter verlieren Hedge-Fonds ihr schlechtes Image und werden salonfähig.

Die zunehmende Anerkennung durch die Finanzwelt sowie die stärkere Reglementierung der "bösen Buben" gibt Anlegern die Chance, von den Vorteilen der alternativen Vermögensverwaltung zu profitieren. Aber geht man zu weit mit diesem Bemühen, gefährdet man die wichtigste Eigenschaft der Hedge-Fonds: ihre große Handlungsfreiheit. Denn nur die befähigt sie, rasch auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Will man wilde Vögel zu sehr zähmen und ihre Flügel beschneiden, kann es passieren, dass man sie am Fliegen hindert.

Eric Syz ist Partner der Banque Syz & Co SA.

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