Diskussion um eine strengere Regulierung neu angeheizt
Hedge-Fonds-Skandale reißen nicht ab

Auf die Anleger in den USA rollt ein neuer Hedge-Fonds-Skandal zu. Die Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) hat Ermittlungen gegen die Wood River Capital Management und den Gründer des Fonds John Whittier aufgenommen.

mm NEW YORK. Erst vor einer Woche hatten die Gründer des Hedge-Fonds Bayou zugegeben, ihre Kunden über Jahre hinweg betrogen zu haben, in dem sie die Ergebnisse „deutlich übertrieben“ darstellten.

Durch den Zusammenbruch von Bayou sollen die Investoren 300 Mill. Dollar verloren haben. Wie viel Geld bei Wood River auf dem Spiel steht, ist derzeit noch nicht klar. Im Juli soll die Firma den Unterlagen der SEC zufolge 265 Mill. Euro verwaltet haben. Davon steckten allerdings rund zwei Drittel in einer einzigen Aktie, der kleinen Technologiefirma Endwave.

Durch die Serie von Skandalen wird die Diskussion um eine strengere Regulierung der bislang kaum kontrollierten Hedge-Fonds neu angeheizt. Der Chef der deutschen Finanzaufsicht Jochen Sanio warnte unlängst auf einer Konferenz der Investmentbank Goldman Sachs in New York vor einem „Desaster“ für das Finanzsystem durch den Zusammenbruch von Hedge-Fonds. Vor wenigen Tagen beschloss die Internationale Organisation der Wertpapieraufseher (Iosco) sich des Themas anzunehmen. Es handele sich um ein ernsthaftes Projekt, das in den kommenden Monaten auf der Agenda stehe, kündigte Michel Prada, Chairman des Technischen Komitees der Organisation an.

Die Hedge-Fonds-Industrie ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Nach dem Platzen der Kursblase an den Aktienbörsen suchten die Anleger nach neuen Renditequellen und wurden bei den spekulativen Fonds fündig, die auch bei fallenden Kursen Geld verdienen können. Mittlerweile existieren etwa 8 000 Hedge-Fonds. Das verwaltete Vermögen stieg innerhalb von vier Jahren von 400 Mrd. Dollar auf eine Bill. Dollar.

Der Fall Wood River kam durch eine Anzeige der Investmentbank Lehman Brothers ins Rollen. Die Banker beschuldigten den Wood-River-Gründer Whittier, er habe sie in dubiose Aktiengeschäfte getrieben. Laut Statuten darf Wood River maximal zehn Prozent der verwalteten Mittel in Wertpapiere eines Unternehmens investieren.Doch tatsächlich hat Whittier 65 Prozent der ihm anvertrauten Gelder in die Aktie des kleinen Technologieunternehmens Endwave gesteckt. Zeitweise habe Wood River 45 Prozent an der Firma gehalten, heißt es in dem Bericht der SEC.

Von Ende Juli bis Ende September brach der Endwave-Kurs um 76 Prozent ein. Damit war der Wood-River-Anteil nach Angaben der SEC plötzlich nur noch 44 Mill. Dollar statt 180 Mill. Dollar wert. „Der Fall zeigt, wie gefährlich Anlagen in nicht registrierte Investmentgesellschaften sind“, sagte Peter Bresnan von der SEC. Bei Wood River habe es keine effektive Aufsicht über das Management der Gelder gegeben.

Ab dem kommenden Jahr müssen die Hedge-Fonds zumindest mit einer etwas schärferen Überwachung rechnen. Ab Februar 2006 müssen sich die Fonds bei der SEC registrieren lassen.

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