Drei Fragen an: Klaus Diederichs
„Firmen müssen vorbereitet sein“

Klaus Diederichs ist Chef des europäischen Investment-Bankings von JP Morgan Chase. Mit dem Handelsblatt spricht er über die große Macht kleiner Aktionäre. Er ist sich sicher: „Die Unternehmen sollten nicht den Fehler begehen, sich auf ihre Aktionäre zu verlassen.“

Handelsblatt: Wie können sich Unternehmen gegen aggressive Hedge-Fonds schützen?

Klaus Diederichs: Das wichtigste ist Vorbereitung. Die Firmen müssen sich die selben Fragen stellen, die ein Hedge-Fonds stellen würde: wo liegen meine Schwächen, habe ich wirklich das optimale Portfolio an Aktivitäten, ist meine Kapitalstruktur effektiv, gibt es vielleicht Interessenten, die uns übernehmen wollen? Wichtig ist, dass das Unternehmen das Heft des Handelns in der Hand behält und nicht die Hedge-Fonds die Agenda bestimmen lässt.

Wie kann das gelingen?

Zunächst sollten sich die Unternehmen bewusst sein, dass hinter den meisten aktivistischen Hedge-Fonds sehr versierte Fachleute stehen, die ihr Handwerk ausgezeichnet verstehen. Die Unternehmen müssen die Anliegen der aggressiven Investoren ernst nehmen und sich bewusst sein, dass die Fonds sehr erfahren dabei sind, die Öffentlichkeit und die Medien zu mobilisieren. Deshalb sollten die Unternehmen so weit das mit ihrer Strategie vereinbar ist versuchen, den Konflikt mit den Hedge-Fonds zu deeskalieren.

Hedge-Fonds starten ihre Attacken in der Regel mit einem relativ kleinen Anteil von einem bis drei Prozent am Eigenkapital. Wie kann man mit so wenig so viel ausrichten?

Die Unternehmen sollten nicht den Fehler begehen, sich auf ihre Aktionärsbasis zu verlassen. Wenn die Anteilseigner die Chance auf größere Gewinne wittern, werden auch langjährige Anleger schnell wankelmütig und unterstützen die Absichten der aktivistischen Investoren. Deshalb sollte das Management wissen, wie die großen Aktionäre die Strategie des Unternehmens beurteilen, welche Schwächen sie sehen, und welche Bedenken sie haben. Nur, wer seine Aktionäre sehr ernst nimmt, kann im Ernstfall auch auf ihre Unterstützung rechnen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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