Drohende Insolvenz: Schleswig-Holstein kann Prokon nicht helfen

Drohende Insolvenz
Schleswig-Holstein kann Prokon nicht helfen

Wie geht es weiter bei Prokon? Auch nach Ablauf einer Frist können Anleger mitteilen, ob sie ihr Geld dem Windanlagen-Finanzierer zur Verfügung stellen. Die Kieler Landesregierung sorgt sich um den Standort Itzehoe.
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Itzehoe/ Bad SegebergDie Zukunft des Windanlagen-Finanzierers Prokon ist weiter in der Schwebe. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) sagte am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Bad Segeberg, unklar seien die Liquidität des Itzehoer Unternehmens sowie die Frage einer Insolvenzgefährdung. Ein Treffen mit Prokon-Vertretern und dem Ministerium auf Staatssekretär-Ebene am vergangenen Freitag habe keine Klarheit gebracht.

Nach einem am Dienstag auf der Internet-Seite des Unternehmens veröffentlichten Zwischenergebnis reagierten bis zum Nachmittag (Stand: 17.15 Uhr) gut 53 Prozent der Anleger auf den Aufruf des Unternehmens, sich zum Halten ihrer Genussrechts-Anteile zu verpflichten. Von 75.300 Inhabern meldeten sich demnach 47.200. Davon stimmten 40.400 einer verlängerten Kündigungsfrist zu, die rund 746 Millionen Euro Kapital vertreten. Weitere 6.800 Anleger mit rund 106 Millionen Euro Kapital kündigten ihre Genussrechte.

Prokon-Chef Carsten Rodbertus hatte in einem Schreiben vom 10. Januar erklärt, dass bis zum vergangenen Montag 95 Prozent der Anleger eine Erklärung abgeben sollten, nach der sie ihre Genussrechte zunächst behalten und nicht kündigen würden. Andernfalls würde das Unternehmen Insolvenz anmelden. Doch ob es wirklich zu einem Insolvenzverfahren kommt, ist offen. Prokon gab am Dienstag keine neue Mitteilung heraus. In der vergangenen Woche hatte Rodbertus unter Berufung auf einen Insolvenzrechtler erklärt, dass eventuell die Voraussetzungen für eine Insolvenz doch nicht gegeben seien.

Das Land Schleswig-Holstein kann nach den Worten von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) dem Windanlagen-Finanzierer kaum helfen. Die Finanzmarktstruktur des Unternehmens erschwere dies, sagte Albig. „So unerfreulich das ist.“ Wo es um Kapitalmarktmodelle gehe, sei es für das Land fast ausgeschlossen, tragfähig zu helfen. Den sehr erfolgreichen realwirtschaftlichen Bereich von Prokon - dazu gehört insbesondere der Bau von Windparks - wolle die Landesregierung positiv begleiten.

Nach den Worten von Wirtschaftsminister Meyer gilt die Hauptsorge dem Standort Itzehoe. Nach dem Aus für die Druckerei Prinovis mit 1.000 Mitarbeitern könnte die Region einen zweiten Schlag mit einer Insolvenz von Prokon mit 330 Beschäftigten am Standort nicht so einfach wegstecken. Sollte es dazu kommen, wären die Beschäftigten - darunter viele technische Angestellte wie Ingenieure - aber relativ gut vermittelbar.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • @Handelsblatt-Online

    Sie haben natürlich Recht:

    "Geld geht nie verloren, es wechselt nur den Besitzer."

    Selbst wenn Sie Ihr Bargeld von der Bank holen und im Kaminofen verbrennen, ist es nicht ganz verloren, es wärmt noch etwas.

    Ganz verloren ist es nur, wenn Sie das Bargeld des Nachts unbemerkt im Rhein versenken,dann ist es endgültig verloren.

  • Prokon ist das Paradebeispiel für ein unsolide aufgestelltes Unternehmen, welches erstens auf kräftig fließende Subventionen durch den Staat spekuliert und zweitens auf die Naivität der Investoren baut, daß die Gier das Hirn gefressen hat.

    Derartige Renditen mit sehr kurzfristigen Geldanlagen ist auch ohne massenhaftige Darlehenskündigungen zum Scheitern verurteilt. Mit den Anlegern habe ich allerdings keinerlei Mitleid.

  • Sehr schade, der größenwahnsinnige C.Rodbertus hat ein ursprünglich gutgemeintes GREENTEC-Projekt laienhaft ruiniert. Bis 2011 lief in seinem intransparenten Geflecht vieler kleiner Firmen alles betriebswirtschaftlich ausgeglichen, aber nur angeblich. 2012 der wichtige Zusammenschluss wenige große Fa.; Jedoch keine vernünftigen BWA 1., 2., 3.Quartal. Das 4.Q.=Bilanz'12 konsolidierter Konzern Holding-Ebene erscheint viel zu spät Nov.'13 mit plötzlich alarmierend 171 Mio. Verlust !!! >bedrohlich 110 Mio. negatives Eigen-Kap. Kein Testat neutraler Wirtschaftsprüfer weil nicht HGB-konform. Im Dez.'13 aktueller Zwischenstand per Okt., angewachsen 210 Mio. Minus. Erster hoher Ausstieg besorgter Wagniskapital-Geber(stimmlos+quasi unbesichert weil nachrangig, d.h 8%Rendite-Versprechen wg. Risikoreich)... Die kritische Presse/Verbraucherzentralen verfassen weitere warnende Äußerungen. Zweite Anlegerflucht. Überblick der seit Jahren bestehenden Probleme z.B. Link-Liste v. WIKIPEDIA.

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