Eigenkapitalvorschriften
Nachteil für Immobilienfonds

Immobilienspezialfonds wachsen weniger stark als noch im Vorjahr. Experten führen das auf die neuen Eigenkapitalvorschriften zurück – dabei liegen diese bisher nur als Entwurf vor. Doch die vorsichtigen Versicherer stellen schon jetzt nur zögerlich Geld bereit. Wie die Branche auf die neuen Regeln reagiert.
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DÜSSELDORF. Im vergangenen Jahr kletterte das Volumen der Immobilienspezialfonds nach Zahlen des Branchenverbandes BVI um 5,6 Mrd. auf 28,6 Mrd. Euro. In diesem Jahr hält das Wachstum jedoch nicht mit dem Vorjahr Schritt: Zu Ende Juli lag das Volumen erst bei 900 Mio. Euro. Dies führen Experten darauf zurück, dass Versicherer wegen Solvency II zögerlich Geld bereitstellen.

Solvency II regelt voraussichtlich ab 2013, mit wie viel Eigenkapital Versicherer Investitionen unterlegen müssen. Der Entwurf sieht für Immobilien eine Standardquote von 25 Prozent vor, die auf 39 Prozent steigt, sobald ein Immobilienkauf mit Kredit finanziert wird. Da Spezialfonds generell mit Fremdmitteln ausgestattet sind, müssten Versicherer automatisch die höhere Quote einhalten. Die Attraktivität von Immobilien würde sinken, denn Staatsanleihen benötigen unabhängig vom Rating keine Unterlegung mit Eigenkapital.

Weil Immobilien langfristige Anlagen sind, beeinflussen die schärferen Eigenkapitalregeln schon jetzt die Investitionsentscheidungen der Versicherer. Große Assekuranzkonzerne wie Allianz, Talanx und R+V investieren im Unterschied zu ihren kleinen Wettbewerbern auch in hohem Maße direkt in Gebäude statt indirekt über Fonds. Zudem ist ihnen am ehesten zuzutrauen, dass sie über eigene Risikoberechnungen der Aufsicht nachweisen, dass die Standardansätze zu hoch sind. Die Zustimmung der Aufsicht vorausgesetzt, könnten sie dann ihre Liegenschaftsinvestitionen mit weniger als 25 beziehungsweise 39 Prozent Eigenkapital absichern.

Spezialfonds aber leben vor allem von Geldern kleinerer und mittlerer Versicherer. Deshalb stehen die vielfachen Neugründungen im Widerspruch zur voraussichtlich abnehmenden Investitionsneigung einer der wichtigsten Investorengruppen. "Dass Solvency II zu einem Problem für sie wird, ist bei vielen in der Immobilienbranche noch gar nicht angekommen", kommentierten Fonds- und Versicherungsmanager die Situation in einer Gesprächsrunde mit dem Handelsblatt.

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