Ein Jahr nach dem Start haben die Anbieter über 1,5 Milliarden Euro eingesammelt
Deutsche Hedge-Fonds warten auf Impulse durch Großanleger

Der deutsche Markt für Hedge-Fonds kommt in Gang. Ein Jahr nach Auflage der ersten Produkte deutschen Rechts haben Anleger nach Recherchen des Handelsblatts über 1,5 Milliarden Euro in solche Produkte investiert.

FRANKFURT/M. Das sind nach Branchenschätzungen weit unter einem Prozent des Anlagevolumens hierzulande. Die Anbieter erwarten sich zusätzliche Impulse durch institutionelle Anleger. Laut einer Umfrage der Ratingagentur RCP & Partners unter 60 Investoren mit einem Vermögen von 130 Mrd. Euro warten zwei Drittel von ihnen bisher ab. Doch die Hälfte dieser Anleger plane den Einstieg in Hedge-Fonds in den nächsten zwei Jahren.

In Hedge-Fonds-Konzepte sind derzeit nach Angaben der Beratungsgesellschaft Mercer Oliver Wyman rund 15 Mrd. Euro investiert. Das Geld steckt meist in Zertifikaten, Genussscheinen oder Schuldscheinkonstruktionen. Bis Ende 2007 erwarten die Experten einen Anstieg der Mittel auf 29 Mrd. Euro.„Ungefähr jeder dritte Institutionelle ist schon investiert, die Quoten liegen in diesen Fällen bei ein bis zwei Prozent des Gesamtvermögens“, sagt RCP-Geschäftsführer Frank Wehlmann. Im Konkurrenzkampf mit Zertifikaten und anderen Rechtsformen dürften Fonds aufholen. „Fonds werden von der Aufsicht reguliert, das hat große Bedeutung für die sicherheitsorientierten institutionellen Anleger“, sagt beispielsweise Andreas Engel, Geschäftsführer von Union Alternative Assets.

Hedge-Fonds wurden im Zuge des seit Anfang 2004 geltenden neuen Investmentgesetzes erlaubt. Sie wollen einen positiven Ertrag erwirtschaften, können dabei auch auf fallende Märkte setzen und Kredite oder Derivate verwenden. Das Geschäft startete zäh, auch wegen rechtlicher Unsicherheiten. Die Lage hat sich gebessert. „Deshalb kommt Schwung auf“, urteilt Wehlmann. Derzeit sind über 1,5 Mrd. Euro in den auch auf Privatanleger zielenden Dachfonds und in den für Institutionelle aufgelegten Einzel(Single)-Hedge-Fonds angelegt.

Bisher arbeiten die einzelnen Anbieter mit unterschiedlichem Erfolg. Die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS schaffte mit ihrem Dachfonds für Private, der zusammen mit dem auf Institutionelle zielenden Produkt von Lupus Alpha vor etwa einem Jahr als erster genehmigt worden war, nur enttäuschende 13 Mill. Euro. Dagegen verkauften die Allianz-Tochter Dit und die zur Union-Investment-Gruppe gehörende Unico gut. Bei der Unico entfällt das meiste Geld auf einen Dachfonds für Institutionelle.

Für das künftige Geschäft sind Experten optimistisch. „Institutionelle und Private werden stärker zugreifen“, prognostiziert Union-Mann Engel. Das erwartet auch Heinz Kasten von der zur Deutschen Bank gehörenden DB Absolute Return Strategies Group. „Die letzten Probleme bei der Umsetzung des komplexen Gesetzes, die in Zusammenhang mit der Offenlegung von Transaktionen beispielsweise steuerlicher Natur waren, sollten in den nächsten Monaten gelöst werden“, schätzt er. Bernd Borgmeier wittert ebenfalls Potenzial. Der Sprecher der Geschäftsführung bei der Investmentgesellschaft von Sal. Oppenheim sagt: „Sinnvoll wären bei Institutionellen Portfolio-Zielanteile von 15 bis 30 Prozent.“

Das deutet auf die im Ausland üblichen Niveaus. So sagt Hans-Peter Loosli, beim weltgrößten Vermögensverwalter UBS mitverantwortlich für 1 000 Mrd. Euro der gehobenen Privat- und Firmenkunden: „Privaten empfehlen wir seit etwa zwei Jahren eine Zehn- Prozent-Quote an Dach-Hedge- Fonds.“ Das Engagement institutioneller Kunden in seinem Land schätzt er auf knapp zehn Prozent. „In den angelsächsischen Ländern liegt es höher“, sagt der UBS-Mann. RCP-Mann Wehlmann bemerkt dazu: „Die US-Pensionsfonds sind teilweise mit 30 Prozent ihrer Gelder investiert.“

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