Eingefrorene Fonds
Im November wird es ernst

Bald entscheidet sich, ob eingefrorene Fonds von Aberdeen und Axa wieder geöffnet oder abgewickelt werden. Die beiden Fonds Degi International und Axa Immoselect verfügen über ein Volumen von rund vier Milliarden Euro.
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MünchenNoch sechs Wochen – dann ist klar, ob mehr als hunderttausend Anleger wieder selbst entscheiden können, ob sie ihre Immobilienfondsanteile behalten wollen oder lieber Kasse machen. Bis zum 16. November müssen der britisch-schwedische Vermögensverwalter Aberdeen und der Versicherungskonzern Axa entscheiden, ob ihre Fonds Degi International und Axa Immoselect wieder geöffnet oder abgewickelt werden. Die beiden Fonds verfügen zusammen über ein Volumen von gut vier Milliarden Euro.

Die Fondsbranche geht nach Recherche des Handelsblatts davon aus, dass beide Fonds abgewickelt werden. Die Betroffenen äußern sich zurückhaltend: „Wir sprechen aktuell intensiv mit den maßgeblichen Vertriebspartnern“, teilte Aberdeen auf Anfrage mit. Die Vertriebe können am ehesten einschätzen, wie groß die Verkaufswelle bei Öffnung ausfällt. Eines ist sicher: Keiner der Fonds wird es riskieren zu öffnen, um nach wenigen Tagen wieder schließen zu müssen, weil er erneut in Liquiditätsnot geraten ist.

Fünf Prozent Mindestliquidität verlangt das Gesetz, zehn Prozent sollten es nach Meinung der Branche sein. Für einen Fonds, der vor der Öffnung steht, wäre dies aber viel zu wenig. „Ein eingefrorener Fonds braucht etwa 30 Prozent Liquidität, um zu öffnen“, sagt Barbara Knoflach, Chefin der SEB Asset Management. Sie hat zwar bis Anfang Mai 2012 Zeit zu entscheiden, ob der SEB Immoinvest wieder Anteile zurücknimmt. Doch sie will den Fonds noch in diesem Jahr öffnen. Gleiches hat Credit Suisse Asset Management für den CS Euroreal angekündigt, für den die Zeit Mitte Mai 2012 abläuft. Ein paar Tage vorher muss die Entscheidung beim bankenunabhängigen Anbieter Kanam zum Kanam Grundinvest fallen.

„Aktuell haben wir rund 22 Prozent Liquidität“, berichtet ein Aberdeen-Sprecher. Axa Investment Managers meldet für den Axa Immoselect lediglich rund zehn Prozent. Axa will noch im Oktober über die Öffnung entscheiden.

Welche weiteren Gesellschaften es schaffen werden, ist in der Branche umstritten. Die besten Chancen werden dem CS Euroreal eingeräumt, der in jüngster Zeit erfolgreich Gebäude verkauft hat.

Aus dem Immobilienmarkt ist zu hören, der Verkauf von Anteilen des ehemaligen Daimler-Areals am Potsdamer Platz in Berlin durch SEB sei weit gediehen. SEB-Chefin Knoflach äußert sich dazu nicht, merkt aber an, die geplante Wiedereröffnung hänge nicht davon ab. Eine der zur Öffnung benötigten zwei Milliarden Euro seien vorhanden. „Und ein Dutzend Objekte mit einem Verkehrswertvolumen von mehr als einer Milliarde Euro stehen zum Verkauf“, sagt Knoflach.

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