Eingefrorene Konten
Die Verlierer der Lehman-Pleite

Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers macht jetzt auch Hedge-Fonds schwer zu schaffen. Dabei halten die Finanzakrobaten weder Aktien noch Anleihen des bankrotten Instituts. Grund ist vielmehr, dass ihre Konten bei Lehman nach dem Zusammenbruch eingefroren sind. Der in Chicago ansässige Hedge-Fonds Oak Group hat nach eigenen Angaben 70 Prozent seines Anlagekapitals verloren.

Bloomberg ZÜRICH. „Wir werden wahrscheinlich den Betrieb einstellen und die Gesellschaft auflösen müssen. Das Spiel ist aus“, sagt Oak-Chef John James.

Die Liste der Investmentgesellschaften, die im Sumpf von Lehman feststecken, wächst ständig. So kündigte die Londoner MKM Longboat Capital Advisors die Schließung ihres 1,5 Mrd. Dollar schweren Multi-Strategy-Hedge-Fonds an. Olivant, eine vom früheren UBS-Präsidenten Luqman Arnold geführte Gesellschaft, teilte mit, sie könne auf ihre Beteiligung von 2,78 Prozent an der Schweizer Großbank nicht mehr zugreifen. Der Grund: Die Aktien waren bei Lehman geparkt und sind jetzt unauffindbar. Das Paket hat einen Wert von etwa 1,4 Mrd. Dollar. Olivant befinde sich in Gesprächen mit dem Konkursverwalter, erklärte die Firma.

Der Zusammenbruch von Lehman hat den Hedge-Fonds das Ausfallrisiko ihrer Banken bewusst gemacht. Für die Investmentbanken war das sogenannte Prime-Brokerage ein überaus lukratives Geschäft. Sie wickelten die zahlreichen Handelsaktivitäten der Finanzakrobaten ab und stellten auch die notwendigen Kredite bereit. Im Gegenzug zahlten die Fonds Gebühren in Milliardenhöhe.

Nach der Pleite von Lehman werden die Finanzinvestoren jetzt schneller Vermögenswerte von Prime-Brokern oder Banken abziehen, die sie für risikoreich halten. „In der Regel haben Hedge-Fonds Konten mit verschiedenen Gegenparteien“, berichtet Lynn Hiestand, Partner bei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom, „hoffentlich haben sie hier nicht alles auf eine Karte gesetzt.“ Ein Fondsmanager schätzt, dass Hedge-Fonds 50 bis 70 Mrd. Dollar in Lehman stecken haben.

Wie viel Geld auf dem Spiel stehe, sei nicht bekannt, erklärte Pricewaterhouse Coopers (PwC), der Konkursverwalter von Lehman in Großbritannien. PwC versucht, etwa acht Mrd. Dollar liquide Mittel zurückzubekommen, die von der Lehman Holding kurz vor dem Zusammenbruch aus der europäischen Tochtergesellschaft abgezogen wurden.

Die meisten Hedge-Fonds werden den Wert der Aktiva, die sie bei Lehman hielten, wohl abschreiben müssen. Die Oak Group hatte die Lehman-Tochter in London genutzt, weil sie dort mehr ausleihen konnte als bei US-Prime-Brokern, berichtet Unternehmenschef James.

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