„Einseitige Ausgestaltung zu Gunsten der Banken"
Anlegerschützer beklagen Wildwuchs bei Zertifikaten

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warnt vor Fehlentwicklungen am boomenden deutschen Zertifikatemarkt. Vom Höhenflug dieses Derivatesegments profitierten vor allem die Banken, kritisieren die Anlegerschützer in ihrem "Schwarzbuch Börse 2006".

FRANKFURT. "Der Markt ist für die Anbieter besonders attraktiv, da man im Vergleich zu etablierten Finanzprodukten weitgehend ungestört von staatlicher Aufsicht um ein Vielfaches höhere Gewinnspannen auf Kosten der Kunden durchsetzen kann", kritisiert die SdK. Hier müsse der Gesetzgeber einen Regelungsrahmen schaffen, auf den sich die Anleger verlassen können.

Zertifikate kombinieren meist einen Basiswert, etwa eine Aktiengruppe oder einen Rohstoffindex, mit Terminmarktbausteinen. Dadurch können sie sehr flexibel an völlig unterschiedliche Anlagestrategien angepasst werden. Für deutsche Banken sind sie das mit Abstand größte Wachstumsfeld: Im vergangenen Jahr wuchs das Marktvolumen Branchenschätzungen zufolge von 85 auf mehr als 110 Mrd. Euro. An der Stuttgarter Börse, dem führenden deutschen Handelsplatz für Derivate, sind inzwischen knapp 67 000 Zertifikate notiert, allein in den vergangenen sieben Tagen gab es mehr als 2000 Neuemissionen.

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Abnehmer finden die Zertifikate vor allem bei Kleinanlegern, die von den umfassenden Sicherheitspuffern der Papiere angezogen werden. Nach Meinung der SdK sind viele der Produkte für den Anleger allerdings kaum zu durchschauen: Einerseits gebe es für ein und dieselbe Produktgattung oft völlig unterschiedliche Produktnamen. Vor allem aber seien die Gebühren sehr intransparent: "Die Zertifikate werden von den Emissionsbanken mit einer Vielzahl von Optionen und Garantien ausgestattet, so dass selbst für Profis schwer zu ermitteln ist, wie weit der Preis vom fairen Niveau abweicht", heißt es im Schwarzbuch Börse. Nachteile für Anleger sieht die SdK auch im Vertrieb und im Handel mit Zertifikaten.

Die Banken weisen die Kritik der Anlegerschützer als "Aufmerksamkeit heischend" zurück. "Die Forderungen sind entweder bereits umgesetzt oder nützen den Anlegern nicht wirklich", sagte Lars Hille, stellvertretender Vorsitzender des Emittentenverbandes Derivate Forum.

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