Emerging Markets
Guter Ausblick für Schwellenländer

Aktienfonds für Schwellenländer haben Anlegern im vergangenen Jahr einmal mehr überdurchschnittliche Gewinne eingebracht: Gut 24 Prozent erzielten Emerging-Markets-Fonds 2007 im Schnitt. Experten erwarten nun einen Favoritenwechsel.

HB FRANKFURT. Spitzenprodukte brachten es gar auf 40 oder wie der Top-Performer des Jahres, der Goldman BRICs Portfolio, auf mehr als 50 Prozent Wertgewinn. Dies ist deutlich mehr als an etablierten Börsen zu verdienen war. Und das nicht zum ersten Mal: Der Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets ließ die weltweite Benchmark MSCI World 2007 bereits im siebten Jahr in Folge hinter sich.

Auch in der Finanzkrise, die die weltweiten Börsen seit Mitte des vergangenen Jahres in Atem hält, schlagen sich die Schwellenländer ausgesprochen gut. Während der MSCI World seit Anfang Juli, als die Turbulenzen an den Märkten begannen, in Dollar gerechnet gut zehn Prozent nachgab, liegt der MSCI Emerging Markets seither immer noch rund sechs Prozent im Plus. "Anders als in früheren Krisen haben sich die Emerging Markets als resistent erwiesen", sagt Gottfried Heller, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Fiduka. "Viele Schwellenländer sind heute ein Hort der Stabilität, haben Schulden abgebaut, die Strukturen verbessert, erzielen massive Handelsbilanzüberschüsse und verfügen über gewaltige Devisenreserven."

Weil die gegenwärtigen Turbulenzen zudem ihren Ursprung - anders als frühere Krisen wie die Asien- oder die Russland-Krise - nicht in den Schwellenländern selbst haben, rechnen viele Bankexperten damit, dass die Emerging Markets die Folgen des Abschwungs in den USA auf die Weltwirtschaft sogar begrenzen können. "Die Emerging Markets bleiben abgeschwächte Wachstumskerne", schreiben etwa die Strategen von Sal. Oppenheim in ihrem jüngsten Kapitalmarktausblick. Und auch die Experten der Fondsgesellschaft ING Investments rechnen damit, dass sich die Wachstumsentwicklung in den Schwellenländern fortsetzen wird - wenn auch in etwas gemäßigtem Tempo.

Das gilt vor allem für China. "Das Land befindet sich in einem dramatischen Umbruch", sagt Heller. "Das Aufbauprogramm der Regierung ist auf 60 Jahre angelegt. Das wird jetzt nicht plötzlich gestoppt, weil sich die USA in einer Krise befinden." Eine gewisse Verlangsamung werde in diesem Jahr aber vermutlich eintreten, allein schon um die Inflation in Zaum zu halten. Die Experten der ING gehen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum auf neun Prozent zurückgehen wird - 2007 hatte es noch bei zwölf Prozent gelegen.

Ob das Wachstumstempo auch an den chinesischen Börsen hoch bleibt, ist unter Experten wesentlich umstrittener. Im vergangenen Jahr hatten sich die Kurse an den Festlandbörsen in Schanghai und Schenzhen mehr als verdoppelt, und auch in Hongkong zogen die Kurse deutlich an. China-Aktienfonds erzielten mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs von 36 Prozent die höchsten Gewinne aller Fondskategorien. Davon profitierten auch die bei Anlegern sehr beliebten Bric-Fonds, die neben chinesischen Aktien auch Titel aus Brasilien, Russland und Indien beinhalten. Sie stellten 2007 acht der zehn besten in Deutschland zugelassenen Emerging-Markets-Fonds.

Im laufenden Jahr könnte sich das Bild aber verschieben. So sehen die Aktienstrategen der Citigroup 2008 neben Asien vor allem die Schwellenländer in Osteuropa positiv, während sie Aktien aus Lateinamerika untergewichten. Fiduka-Chef Heller hat sogar gar keine Bric-Titel mehr im Portfolio: "Moden sind an der Börse immer teuer und Bric ist eindeutig eine Mode", begründet er den Rückzug aus den vier Staaten. Stattdessen setzt Heller in Asien auf Titel aus Südkorea, Taiwan, Thailand und Malaysia. Außerhalb Japans zählen Ungarn, Polen, die Türkei sowie Israel zu seinen Favoriten.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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