Empirische Studie belegt: Fallende Depotbankgebühren und ruhige Börsen senken die Kosten
Aktienhandel der Fonds wird billiger

Die Kostenbelastung für Investmentfonds und ihre Anleger sinkt. Für eine Aktientransaktion zahlen deutsche Fondsmanager heute durchschnittlich 0,41 Prozent des Ordervolumens. In einer ähnlich angelegten Auswertung vor zwei Jahren hatten die Durchschnittskosten noch bei 0,73 Prozent gelegen.

FRANKFURT/M. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der unabhängigen Gesellschaft XTP Transaction Partners. „Die wichtigste Nachricht: Das Handeln ist billiger geworden“, sagt daher Lutz Johanning, Partner bei XTP und Professor für Asset-Management an der European Business School in Oestrich-Winkel.

Bei der Untersuchung, deren Ergebnisse dem Handelsblatt vorliegen, handelt es sich um eine der seltenen empirischen Studien auf diesem Gebiet – eine weitere für den Anleihenbereich soll im Herbst folgen. Neun deutsche Fondshäuser mit einem verwalteten Vermögen von über 500 Mrd. Euro nahmen teil. Untersucht wurden im Dreimonats-Zeitraum bis Ende Januar knapp 40 000 Orders mit einem Volumen von rund 36 Mrd. Euro. Einbezogen waren die Transaktionen in Aktien der Indizes Stoxx 600, S & P 500 und Nikkei 225.

Das Thema gewinnt an Brisanz, weil die Kosten für die Transaktionsabwicklung zu Lasten des Fondsvermögens gehen und daher die Anlegerrendite schmälern – was in Zeiten geringer Wertpapiererträge um so fühlbarer ist. Ein Rechenbeispiel: Würde das gesamte Aktienportfolio verkauft und der Erlös wieder angelegt, hätte der Fonds Kosten von 0,82 Prozent zu verkraften.

Um diesen Betrag würde auch die Rendite fallen. Vor zwei Jahren lag die durchschnittliche Belastung für dieses – durchaus realistische Szenario – eines jährlichen „Turnovers“ von 100 Prozent noch bei wesentlich höheren 1,46 Prozent.

Grundsätzlich sind nur Teile der Handelskosten sichtbar. Dazu gehören in erster Linie die von der Depotbank berechneten Gebühren für die Verbuchung des Geschäftes (s. Grafik). Diese Umsatzprovisionen sind innerhalb der vergangenen zwei Jahre von durchschnittlich 0,14 auf 0,05 Prozent gefallen. „Das liegt an der Elektronisierung der Datenübermittlung, die das billiger gemacht hat, aber auch an der steigenden Konkurrenz unter den Depotbanken“, sagt Christoph Mast, Leiter Handel bei der Fondsgesellschaft Dit.

Ein dritter und damit zusammenhängender Grund ist „der Trend weg von der volumensabhängigen Umsatzprovision hin zu einer Pauschale pro Transaktion“, wie Johanning bemerkt. Auch das wirke preissenkend. Die – ebenfalls sichtbaren – Brokerprovisionen blieben dagegen konstant.

Zu den unsichtbaren Kosten zählt insbesondere der Markteinfluss: die durch die eigene Order ausgelöste Kursbewegung. So kann ein größerer Kaufauftrag nur allmählich und zu sukzessive steigenden Kosten abgewickelt werden. Daher nimmt der Markteinfluss tendenziell mit zunehmendem Ordervolumen zu. Das bestätigt die vorliegende Untersuchung. Doch unabhängig davon liegt der durchschnittliche Markteinfluss von jetzt 0,17 Prozent weit unter den vor zwei Jahren ermittelten 0,42 Prozent. „Ein Grund waren die ruhigen Märkte in den Monaten, in denen wir gemessen haben“, sagt Johanning. Er gesteht den Händlern innerhalb der Fondsgesellschaften und den Brokern aber auch gestiegene Professionalität bei der Transaktionswicklung zu. „Die Sensibilität für das Thema ist generell gestiegen“, sagt auch Dit-Mann Mast. „Einige wenige Basispunkte Kostendifferenz können den Unterschied im Vergleich zum Konkurrenzfonds ausmachen.“

Andere Branchenexperten weisen ebenfalls auf „zunehmende Händlerintelligenz“ und immer bessere technologische Hilfen bei der Orderausführung hin. „In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Investmentgesellschaften Handelstische mit dafür zuständigen Spezialisten installiert, so dass die Fondsmanager von dieser Aufgabe entlastet wurden – was die Kosten gedrückt hat“, sagt Udo Schuh, der den Handel bei Union Investment leitet. An diesen „Tischen“ würden die Orders unter Einschaltung von Brokern ausgeführt. Dabei stehe die Suche nach der attraktivsten und günstigsten Ausführung im Vordergrund.

An Bedeutung gewinnt die vorliegende Auswertung auch dank des Interesses der Bundesanstalt für Finanzidienstleistungsaufsicht (BaFin) an diesem Thema. Sie fordert von den Fondsgesellschaften eine Dokumentation der Transaktionskosten. „Die Aufsicht wird nachhaltig stärker darauf schauen, ebenso die Anleger“, sagt Johanning.

Der Dit arbeitet mit zwei spezialisierten Firmen für die Transaktionskostenmessung zusammen. „Wir liefern auf Monatsbasis Zahlen an ITG und Plexus und bekommen eine quartalsweise Auswertung“, sagt Mast. Schuh von der Union sagt: „Wir prüfen, ob wir das ITG-System installieren.“

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