Energiepreise
Kartell befeuert die Öl-Spekulation

Experten erwarten, dass die Opec bei zu hohen Öl-Preisen die Fördermenge steigert. Doch selbst bei einem kurzfristigen Preisrückgang bleiben Energierohstoffe eine attraktive Anlageklasse. Denn der Hunger der Welt nach Öl und Gas dürfte in den kommenen Jahren weiter wachsen.
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FRANKFURT. Fachleute erwarten, dass die fossilen Energierohstoffe Rohöl, Gas und Kohle auch künftig den wichtigsten Beitrag zur Deckung des globalen Bedarfs liefern werden - trotz zunehmender Bedeutung Erneuerbarer Energien. Der Preisanstieg für Rohöl nach der Baisse 2008 sei insbesondere auf zwei Gründe zurückzuführen: zum einen auf die ausgeprägte Schwäche des Dollarkurses und zum anderen auf die steigende Risikofreude der Anleger, heißt es in einer Studie der DZ-Bank. Andere Experten setzen in ihren Prognosen stärker auf fundamentale Faktoren wie die steigende weltweite Nachfrage. Denn mit der zunehmenden ökonomischen Bedeutung Chinas und Indiens ist die Voraussetzung für langfristig steigende Preise am Ölmarkt gegeben.

Die Preise für Erdgas, Kohle, Uran, alternative und Erneuerbare Energien sowie Aktien von Unternehmen, die sich mit der Förderung und Produktion von Energie beschäftigen, könnten diesem Aufwärtstrend folgen und seien daher attraktive Anlagemöglichkeiten.

Für Rohöl der US-Richtmarke West Texas Intermediate (WTI) erwarten 15 Analysten im Mittelwert einen Jahresdurchschnittspreis für 2009 von 60,15 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Für das kommende Jahr liegen die Prognosen bei 74,25 US-Dollar und für das Jahr 2011 bereits bei über 82 US-Dollar je Barrel. Diese Schätzungen setzen eine zunehmende Nachfrage nach Rohöl voraus. Sowohl die Internationale Energie Agentur (IEA) als auch die staatliche amerikanische Energy Information Agency (EIA) setzten zuletzt ihre Prognosen der Ölnachfrage für die kommenden beiden Jahre deutlich herauf. Legt der Preis zu, dürften die Ölproduzentenländer ihre Ölhähne wieder weiter aufdrehen: Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die 2010er Ölproduktion um 3,1 Prozent steigen werde. Im Juli hatte der IWF noch von einem 2,5-prozentigen Anstieg gesprochen.

Kurzfristig sei am Ölmarkt allerdings eine Preiskorrektur möglich, sagen zahlreiche Experten. Die DZ-Bank etwa weist auf die aktuelle Überversorgung des Rohölmarktes hin. Die Rohöllagerbestände würden sowohl in den OECD-Ländern als auch in den Top-Verbraucherregionen USA und Europa deutlich über ihren Langfristniveaus liegen. Zwei weitere Gründe werden für den Kurzfrist-Pessimismus genannt: zum einen das Bemühen der US-Regierung, die Spekulation an den Rohstoff-Terminbörsen einzudämmen und weitere Positionslimits für die Marktakteure einzuführen.

"Es sollte nicht übersehen werden, dass mit jedem weiteren Anstieg der Rohölpreise die Wahrscheinlichkeit einer rigiden Regulierung der Energiederivate-Spekulation zunimmt", sagen die Fachleute der DZ-Bank. Zum anderen wird erwartet, dass die Ölproduzenten ihre Kapazitäten ausweiten. "Einem Preisanstieg stehen nicht zuletzt anhaltende Spekulationen über eine Produktionsausweitung der Opec entgegen", sagt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Kommentare des kuwaitischen Ölministers haben die Spekulationen angeheizt: Er hatte eine Sondersitzung des Ölkartells in Aussicht gestellt, falls der Rohölpreis auf 100 US-Dollar je Barrel steigen sollte. Da Kuwait in der Opec als Vertrauter Saudi-Arabiens gilt, wird diesen Äußerungen am Markt eine große Bedeutung beigemessen. "Die Opec scheint nicht gewillt, einen weiteren Anstieg des Rohölpreises tatenlos zuzusehen - dies nimmt dem Ölpreis zunächst die Fantasie", sagt Commerzbank-Experte Weinberg.

Das ändert nichts an den mittelfristig positiven Prognosen, meint J. Marshall Adkins vom Energie-Research-Team des US Raymond James & Associates. -Finanzhauses "Die von Kontroll-Freaks geführte Regierungspartei in China hat sich zum Ziel gesetzt, Zugang und Kontrolle zu Rohstoffreserven in großen Teilen der Welt zu haben", sagt Adkins. Hinzu komme, dass Chinas Regierung einen Teil ihrer riesigen Währungsreserven nicht mehr nur in US-Dollar-Vermögenswerten, sondern auch in Sachwerten wie Rohstoffe halten will. "Die riesigen Investitionen Chinas in Energievorkommen rund um den Globus legen den Schluss nahe, dass Peking - ähnlich wie wir - langfristig stark steigende Energiepreise erwartet", sagt Adkins. "Anleger sollten dementsprechend investieren", rät er.

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