Entwicklung von Standards gestaltet sich schwierig: Branche braucht bessere Manager

Entwicklung von Standards gestaltet sich schwierig
Branche braucht bessere Manager

Mittlerweile soll es nach Schätzungen von Branchenexperten weltweit rund 10.000 Hedge-Fonds mit einem Wert von rund einer Billion Dollar geben. Leider bedeutet Masse nicht immer auch gleichzeitig Klasse - ganz im Gegenteil.

HB DÜSSELDORF. "Die Qualität der Hedge-Fonds-Manager hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren deutlich verschlechtert. Das liegt unter anderem daran, dass die Eintrittsbarrieren in den Markt gesunken sind", sagt Ivo Felder, Leiter des Teams Manager Research bei RMF Investment Management, Tochter der britischen Man Group, einer der weltweit größten unabhängigen Hedge-Fonds-Anbieter.

Als Lösung böte sich die Entwicklung eines allgemein gültigen Qualitätsstandard für Hedge-Fonds-Manager an, zertifiziert durch etwa die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Doch das Gegenargument klingt überzeugend. "Das erfolgreiche Management von Hedge-Fonds kann man nicht in Kursen lernen", sagt Professor Rolf Tilmes, wissenschaftlicher Leiter der Finanzakademie der European Business School in Oestrich-Winkel. Wirklich gute Manager bringe nur die Praxis hervor.

Für den Bundesverband Alternativer Investments (BAI) hingegen sei eine Schulung für Hedge-Fonds-Manager durchaus denkbar, sagt ein Sprecher. Ähnlich der Ausbildung für Analysten, wie sie von der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) angeboten wird, ließe sich auch eine Zertifizierung für Hedge-Fonds-Manager konzipieren. In den USA gibt es das bereits seit 2002. Für die großen Investmenthäuser und Hedge-Fonds-Anbieter ist so ein Zertifikat indes eine wenig attraktive Lösung. Auf einen derartigen Abschluss würden sie ihre Investitionsentscheidung niemals gründen. Zu verschieden sind die Kriterien, die Manager je nach verfolgter Investmentstrategie erfüllen müssen, und zu umfassend die geforderten persönlichen Eigenschaften. Beides lässt sich nur in einem strukturierten, intensiven Due-Diligence-Prozess erkennen, so die einhellige Meinung.

Integrität und Unternehmer-Denken gefragt

Als spezielle persönliche Anforderung, die auf Herz und Nieren geprüft werde, nennt Helmut Fischer, Executive Director der UBS Investmentbank in London als erstes: "Integrität." In einem unregulierten Spektrum, mit allen Chancen und Risiken müssten einfach die Informationen stimmen, die Hedge-Fonds-Manager ihren Geldgebern lieferten. "Es fällt schwer, Leuten, die schon bei der Angabe ihrer Schulnoten schwindeln, Vertrauen in die bestehende und zukünftige Performance ihrer Fonds entgegen zu bringen", sagt Fischer.

"Eine andere wichtige Fähigkeit ist die Qualifizierung zum Unternehmer", sagt Francesco Ilardi, Leiter des Manager Selection Teams bei der Schweizer Privatbank Pictet. "Jemand, der innerhalb einer großen Gesellschaft erfolgreich klassische Fonds verwaltet hat, musste sich bis dahin weder um das Controlling noch das Personal oder die IT-Ausstattung kümmern. Wenn er dann seine eigene Organisation gründet und Hedge-Fonds managt, wird er zum Unternehmer und muss sich genau dieser Bandbreite von Aufgaben stellen", sagt Ilardi.

Obwohl die Auswahlprozesse der Banken und Hedge-Fonds-Anbieter hart sind und meist weniger als fünf Prozent der geprüften Kandidaten bestehen, müssen auch Hedge-Fonds-Manager nicht unfehlbar sein. Im Gegenteil: "Wenn jemand zeigt, dass er bei schlechter Performance seines Fonds die richtigen Maßnahmen ergriffen hat, um gegen zu steuern und auch die Kultur seiner Organisation so angelegt ist, dass Lernprozesse gefördert werden, verdient er eine zweite Chance", sagt Helmut Fischer von UBS. Das unterstreicht auch Ivo Felder von RMF: So wie die Finanzmärkte sich änderten, müssen auch die Manager ihre Strategien den neuen Rahmenbedingungen anpassen.Dazu sei der Druck immer effizienterer und transparenter werdender Märkte durch hohe Mittelzuflüsse in Hedge-Fonds einfach zu groß.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%