ETF-Boom
Banken entdecken Indexfonds

Die Deutsche Bank und die Sparkassengesellschaft Deka geben dem europäischen Markt für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) enorme Impulse. In kürzester Zeit haben sie mit börsengehandelten Produkten Milliarden Euro eingenommen. Für den Boom gibt es gute Gründe.

FRANKFURT. Die Deutsche Bank und die Sparkassengesellschaft Deka geben dem europäischen Markt für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) derzeit die stärksten Impulse. Als Neustarter in diesem Geschäft verkaufte die Deutsche nach eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Monaten ETFs für 13,9 Mrd. Euro; die Deka bezifferte ihren Absatz für April und Mai auf 4,6 Mrd. Euro.

Damit erreichen die Häuser aus dem Stand Marktanteile von 12,1 beziehungsweise 4,3 Prozent hinter den noch mit Abstand führenden Anbietern Barclays Global Investors und Lyxor Asset Management. "Ich erwarte in Zukunft sogar noch mehr Wettbewerber in diesem Geschäftsfeld", sagte Lyxor-Deutschland-Chef Thomas Meyer zu Drewer.

Die Gründe des Booms sind die jederzeitige Handelbarkeit der Produkte, ihre Transparenz und niedrige Gebühren. Vor allem institutionelle Investoren wie Pensionskassen setzen auf ETFs. In jüngerer Zeit beobachteten Analysten aber auch Zuspruch von verunsicherten Privatanlegern, die im Zuge der Kreditkrise aus Sicherheitsüberlegungen heraus in die liquiden und vor Insolvenz geschützten ETFs wechseln. Der europäische ETF-Markt startete vor acht Jahren. Heute offerieren über 30 Anbieter mehr als 400 Produkte. ETFs bilden Aktienindizes oder Kursbarometer für Anleihen oder andere Vermögensklassen ab. Das Fondsvermögen hat 107,3 Mrd. Euro erreicht. Das ist ein Plus von 37 Prozent binnen Jahresfrist.

Die Schnellstarts der neuen Wettbewerber sind bemerkenswert. Die Deka mit ihrer ETF-Gesellschaft ETFlab schaffte in zwei Monaten 4,6 Mrd. Euro. Ein Teil des Kapitals stammt allerdings von nur zwei institutionellen Investoren. "Das ist nach unseren Erfahrungen eher kurzfristig angelegtes Geld", dämpft ETFlab-Chef Andreas Fehrenbach Erwartungen.

Das vor etwas über einem Jahr gestartete Pendant der Deutschen Bank unter dem Namen "db x-trackers" kommt auf 13,9 Mrd. Euro. "Bis zum Jahresende können wir 20 bis 25 Milliarden Euro schaffen", sagt Spartenchef Thorsten Michalik. In spätestens zwei Jahren will er einen europäischen Marktanteil von bis zu einem Viertel erobern.

Wachstumstrend ungebrochen

Sowohl Analysten als auch Branchenvertreter sehen den Wachstumstrend im ETF-Geschäft ungebrochen. "In drei Jahren sollte sich das Volumen verdoppeln und über 200 Milliarden Euro liegen", sagt Dirk Klee, Vorstand der deutschen Niederlassung des Marktführers Barclays Global Investors, der seine Produkte unter dem Markennamen "iShares" vertreibt. Bereits Ende dieses Jahres erwartet Deka-Vertreter Fehrenbach ein Marktvolumen von bis zu 150 Mrd. Euro.

Treiber des künftigen Wachstums wird laut Experten der zunehmende Einsatz von Indexinvestments bei institutionellen und privaten Anlegern sein. Manager mit sogenanntem aktiven Anlageansatz, die über Indexabweichungen in ihren Portfolios die Messlatte zu schlagen versuchen, verfehlen dieses Ziel sehr oft. Daher werden ETF-Käufe für institutionelle Anleger in Europa und Deutschland immer attraktiver.

Hierzulande ist das Geschäft - im Gegensatz zum ETF-Heimatmarkt USA - bisher fast ausschließlich von Großanlegern geprägt. "Aber das wird sich wie in den Vereinigten Staaten ändern", prognostiziert Barclays-Manager Klee.

Auch Fachleute wie Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds Deutscher Honorarberater, erwarten stärkeren Zuspruch von Privatanlegern. Die jetzt geltende EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid fordert eine weitgehende Offenlegung aller Gebühren. Das rückt wichtige ETF-Vorteile aus Verbrauchersicht stärker ins Blickfeld. Außerdem begünstigt die nahende Abgeltungsteuer Langfristanlagen, was günstigen Finanzprodukten ebenfalls einen Vorteil verschafft.

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