ETF-Fonds
Passive Investments punkten mit Kostenvorteil

Für den rasant steigenden Umsatz mit börsengehandeltne Fonds sind vor allem professionellen Anleger verantwortlich. Dabei bieten sich für Privatkunden etliche Investmentlösungen an. Die Produkte sind einfach genug, dass auch unerfahrene Anleger gut abschneiden können.

KÖLN. Der Nachfrageboom börsengehandelter Fonds geht in erster Linie von institutionellen Investoren aus. Für den rasant steigenden Umsatz mit den relativ jungen Produkten sind laut Branchenschätzungen zu höchstens 30 Prozent die Privatanleger verantwortlich. Der Rest der eingesammelten Gelder stammt demnach von professionellen Anlegern, also zum Beispiel Fondsmanagern, Vermögensverwaltern oder Versicherungen. Die unterdurchschnittliche Nutzung durch Privatkunden liegt aber nicht daran, dass ETFs (Exchange Traded Funds) für sie nicht geeignet sind - im Gegenteil: Anleger können inzwischen auf eine sehr breite Palette passiver Investmentlösungen zurückgreifen, die sich dank des intensiven Wettbewerbs in Zukunft noch erweitern wird.

Der größte Unterschied zwischen ETFs und klassischen Fonds ist, dass sie von Anfang an auf den Börsenhandel ausgelegt sind. Während der Handelszeiten können Anleger sie jederzeit kaufen und verkaufen, die Preise werden laufend festgestellt. Zudem versuchen sich diese speziellen Fonds nicht an aktivem Management, sondern bilden einfach Indizes nach - also zum Beispiel den Dax oder den DJ Euro Stoxx 50. Dank passiver Investment-Strategie bleiben die Kosten niedrig und die Transparenz hoch.

Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft an der Uni Mannheim, betont die Vorteile, die eine solche Strategie für Privatanleger hat: "Der größte Vorteil ist, dass die Produkte einfach sind. Möglich, dass ein Fondsmanager durch eine phantastische Strategie besser ist als die Indizes - nur kann ich das vorher nicht wissen." Sein Fazit: "Im Durchschnitt ist man mit passiven Produkten auf der deutlich sichereren Seite."

Waren es zu Beginn des Jahrzehnts erst einige ausgesuchte Indizes, auf die Privatanleger mit ETFs setzen konnten, ist das Angebot inzwischen deutlich gewachsen. So können Anleger einfach eine Kombination verschiedener Emerging-Market-Indizes mit einer einzigen Transaktion an der Börse kaufen. Auch gehebelte, gegen Kursverluste abgesicherte oder Short-Investments sind möglich.

Zu den jüngsten Entwicklungen gehören alternative Gewichtungsmodelle. Anstatt den Wert der in Streubesitz befindlichen Aktien heranzuziehen, nutzen Index-Anbieter inzwischen verstärkt fundamentale Kennzahlen. So gibt es beispielsweise die Rafi-Indizes, bei denen unter anderem Umsatz, Cash-Flow oder Buchwert der enthaltenen Unternehmen die Gewichtung bestimmen. Auch eine Selektion der Aktien nach den ausgeschütteten Dividenden gehört inzwischen zum Angebot vieler ETF-Anbieter.

Bis auf wenige Nischenmärkte ist es so auch Privatanlegern möglich, vielfältige Investment-Strategien mit Hilfe passiver Fondsinvestments abzubilden. Doch nicht nur das steigende Angebot ist Grund dafür, dass diese Anlageform bei Privatanlegern zunehmend populärer wird. Ein weiteres gewichtiges Argument ist der Preis. Ein herkömmlicher Investmentfonds kann im Jahr durchaus 1,5 Prozent und mehr reine Verwaltungsgebühr kosten, Gesamtkostenquoten von zwei Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Handelt es sich um einen Fonds, dessen Portfolio häufig umgeschichtet wird, kommen zusätzlich Handelskosten von einem Prozent oder mehr auf den Anleger zu. Im Vergleich dazu sind ETFs ein echtes Schnäppchen: Die Gesamtkosten liegen je nach Index zwischen 0,15 und 0,75 Prozent pro Jahr, Handelskosten fallen wegen des passiven Ansatzes so gut wie gar nicht an.

Aktive Strategien gehören jedoch allein wegen des ETF-Booms noch lange nicht in die Mottenkiste. "Speziell in kleinen, schlecht entwickelten Märkten ist eine aktive Aktienauswahl sinnvoll", sagt Finanzwissenschaftler Weber. "Bei ihren Kerninvestments können Privatanleger aber mit passiven Produkten viel weniger falsch machen als mit aktiven."

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