ETF-Markt: Indexfonds sind Sprengstoff für das Finanzsystem

ETF-MarktIndexfonds sind Sprengstoff für das Finanzsystem

Der Markt für börsengehandelte Indexfonds ist rapide gewachsen – zu rapide, sagen Kritiker. Sie befürchten eine halsbrecherische Entwicklung und sehen das Finanzsystem bedroht.

London, DüsseldorfTerry Smith glaubt zu wissen, wo die Saat der nächsten Finanzkrise keimt. Der Chef des Londoner Brokers Tullett Prebon fürchtet, dass der boomende Markt für börsengehandelte Indexfonds die Stabilität des Finanzsystems untergräbt. Smith ist nicht der einzige, den diese Angst umtreibt. Auch der britische Notenbanker Paul Tucker hat in der vergangenen Woche die billionenschwere Industrie heftig attackiert, die hinter den Exchange Traded Funds (ETF) steht. "Wenn Finanzinstrumente unverständlich werden und ein Markt eine Größe erreicht, die sogar die Stabilität des Systems gefährden kann, dann sollten sich die Aufseher darum kümmern", warnte er mit Nachdruck.

Die ETFs rückten spätestens mit dem sogenannten Blitzcrash an der Wall Street am 6. Mai 2010 in den Fokus der Regulierer. Damals brach der Dow-Jones-Index innerhalb weniger Minuten um 1000 Punkte ein. 70 Prozent der Papiere, die so starke Verluste erlitten, dass Transaktionen rückabgewickelt werden mussten, waren Indexfonds. Dabei sehen die ETFs auf den ersten Blick harmlos aus. Aufgabe der Fonds ist es, einen Wertpapierindex möglichst exakt abzubilden, den Deutschen Aktienindex (Dax) etwa. Weil die ETFs günstiger und unkomplizierter gehandelt werden können als herkömmliche Investmentfonds, hat die Industrie ein enormes Wachstum hinter sich.

In nicht einmal 20 Jahren explodierte der ETF-Markt auf 1,7 Billionen Dollar; allein 2010 wuchs das Geschäft um rund 30 Prozent. "Die Entwicklung ist halsbrecherisch, ich frage mich nur, wessen Hals am Ende gebrochen wird", warnt Tullet-Prebon-Chef Smith. Der Veteran der Londoner City kritisiert vor allem, dass sich die scheinbar so transparenten Indexfonds in hochkomplexe Finanzinstrumente verwandelt haben. Inzwischen kann man mit ETFs auf alle Märkte setzen, von Rohstoffen über Devisen bis zu den exotischsten Aktienmärkten. Außerdem können die Investoren mit den Fonds nicht nur auf Kursgewinne, sondern auch auf Verluste wetten und mit Kredithebeln ihren Einsatz erhöhen.

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